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Modi der Diskursorganisation

  • Aglaja Przyborski

Zusammenfassung

Der Gegenstand des empirischen Teils, welcher dieses Kapitel und das nächste umfasst, ist die Rekonstruktion von Modi der Diskursorganisation auf der Grundlage von transkribierten Gruppendiskussionen und Gesprächen.49 Die verschiedenen Formen werden in diesem Teil zunächst systematisch erfasst. Es bleibt aber nicht bei einer Sammlung von unterschiedlichen Modi. Sie werden als Dokument für die Art der Gemeinsamkeit bzw. Verschiedenheit von Erfahrungshintergründen der Diskutant/inn/en und in ihrer Funktion für die Inszenierung der Kollektivität interpretiert. Die Gruppen werden als Epi-Phänomen gesehen, als Trägerinnen kollektiver Orientierungen und Habitus und als Repräsentantinnen von Formen der Konjunktion, Formen der Sozialität.

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Literatur

  1. 49.
    Das Begriffsinventar, wie es in Kapitel 2 entwickelt wurde, stellt eine Voraussetzung für die Lektüre dieses Kapitels dar. Zugleich wird die Begrifflichkeit aber in ihrer praktischen Anwendung deutlicher hervortreten.Google Scholar
  2. 54.
    zur Diskursbeschreibung der gesamten Gruppendiskussion siehe Bohnsack 1989, S. 118ff.Google Scholar
  3. 55.
    Eine thematische komparative Analyse drängt sich hier geradezu auf. Ich vernachlässige sie aber bewusst, um nicht auf eine falsche Fährte zu locken.Google Scholar
  4. 59.
    Publikationen, die aus dem Projekt hervorgegangen sind: u.a. Behnke 1997, Meuser 1998, 1999, 2000 und 2001, Loos 1999Google Scholar
  5. 60.
    Es erscheint mir hier wichtig anzumerken, dass hier — wie bei allen anderen Analysen auch — die Perspektive der (jeweiligen) Gruppe rekonstruiert wird. Weder geht es hier urn meine Perspektive, noch um eine allgemeine oder objektive noch um die männliche. Ob diese Perspektiven bzw. Orientierungen dem geschlechtstypischen Erfahrungsraum, dem milieutypischen, dem entwicklungs¬oder generationstypischen, oder einem anderen Erfahrungsraum bzw deren spezifischer Überlagerung zuzuordnen ist, kann nur eine systematische komparative Analyse zu Tage fördern (vgl. dazu z.B. Bohnsack 2001c, S. 225ff.). Die Anmerkung erfolgt an dieser Stelle, da der Augenschein, aber auch z.B. biologische Argumentation schnell sehr allgemein gültig oder objektiv klingen.Google Scholar
  6. 61.
    Ein wenig schade finde ich, dass in der Darstellung von Meuser der Wandel im Geschlechterver hältnis als die reale Gegebenheit als Ausgangspunkt bzw. Hintergrund der Analyse quasi von vornherein gesetzt wird (vgl. 1998, S. 123ff.), wo er doch im empirischen Material selbst beinhaltet ist.Google Scholar
  7. 62.
    In einer Passage (vgl. Coates 1996, 219ff.) unterhalten sich die drei Frauen über einen Hasen, den eines ihrer Kinder über das Wochenende zur Pflege mitgebracht hatte. Die Metaphorik dieses Haustiers dient in der Folge dazu, sich über Eigenschaften von Männern zu amüsieren.Google Scholar
  8. 63.
    Es geht hier allen Anzeichen nach um die Frage der Paarbeziehung. Durch den etwas unklaren Anschluss an die Proposition, wir wissen nicht, ob diese Elaboration unmittelbar anschließt oder ob noch eine Sequenz dazwischen liegt, bleibt auch die Deixis etwas unklar. Aus der reflektierenden Interpretation wird jedoch ganz klar, dass es sich auch hier wieder um die Frage der Paarbeziehung handelt. Bei der Darstellung dieser Passage schicke ich der reflektierenden Interpretation immer eine kurze formulierende Interpretation im Fließtext voraus. Dies dient u.a. dem Zweck, die Interpretationsleistung der Übersetzung — hier nicht aus einem Dialekt, sondern aus einer anderen Sprache — nachvollziehbar zu machen. Das heißt, ich trenne hier auch in der Darstellung der Passage die Interpretationsschritte ein wenig.Google Scholar
  9. 64.
    Die jeweiligen Textsorten scheinen für die beiden unterschiedlichen Fokusse geradezu prädestiniert: die Erzählung für die Darstellung einer Prozessdynamik und die abstrahierende Beschreibung für ein wiederkehrendes Prinzip.Google Scholar
  10. 65.
    Das ist u.a. dadurch bedingt, dass die Passagen jeweils in zwei Dimensionen in die Typologie der Diskursmodi eingebettet sind. Die Zusammenfassenden Übersichten zu dieser Typologie (vgl. Kap. 3.3 und 4.4) verdeutlichen diese Einbettung.Google Scholar
  11. 67.
    An dieser Stelle haben wir es also mit der Interpretation einer etwas sperrigen Form, nämlich einer Proposition in Form von Metakommunikation, zu tun. In Folge einer immanenten Nachfrage bzw. Themeninitiierung beobachten wir häufig eine kurze Äußerung, die auch metakommunikative Funktion hat, z.B. die Validierung eines Themas mit „Ja“ oder „Also”. Oft wird auch gleich losgelegt, seltener das Thema abgeklärt, z.B. „meinst du jetzt…“. Diese knappen Validierungen bzw. Rahmenschaltelemente enthalten auf der Ebene des Dokumentsinns die Bereitschaft, sich im Rahmen der Gruppendiskussion auf das Thema einzulassen. Explizit wird dieser Aspekt kaum interpretiert, da er selten viel zur Analyse der Orientierungen beiträgt. Hier ist die ausgedehnte metakommunikative Aushandlung aber Trägerin zentraler Komponenten des Dokumentsinns.Google Scholar
  12. 68.
    So kann „Ich habe eigentlich keinen Hunger“ bedeuten, dass man zwar aufgrund seiner körperlichen Befindlichkeit keinen Hunger hat, dass einem aber bewusst ist, dass man in Anbetracht der Uhrzeit, des gesellschaftlichen Zusammenhangs etc. doch etwas essen sollte.Google Scholar
  13. 69.
    Dabei geht es mir hier weniger um eine grundsätzliche Kritik an der Konversationsanalyse, sondern um eine Differenzierung und Weiterentwicklung von Regelhaftigkeiten in vorab wenig strukturierten bzw wenig gelenkten Gesprächen.Google Scholar
  14. 70.
    Hier und hinsichtlich der gesamten Orientierungen, die nun dargestellt werden, ergeben sich interessante Vergleiche vor allem mit der Gruppe „Sand“. Diesen inhaltlichen Vergleich der Orientierungen vernachlässigen wir aber wieder zugunsten der komparativen Analyse der Diskursmodi. Eine Einbettung der Orientierungen der Gruppe „Straße” und der Gruppe „Sand“ in eine komparative Analyse mit anderen Gruppen, deren Mitglieder türkischer Herkunft sind, findet sich in Bohnsack/Loos/Przyborski 2001. schlüpft leise hinaus, wechselt einige Worte mit einem Jungen, der vor der Tür steht, schlüpft ebenso leise wieder in den Raum und setzt sich an ihren Platz. Sie nimmt ganz unmittelbar und selbstverständlich wieder am Gespräch teil. Ohne Beobachtungsprotokoll würde man gar nicht bemerken, dass sie einige Momente nicht dabei war.Google Scholar
  15. 72.
    Das Transkript dieser Sequenz findet sich bei Coates (1996) auf Seite 216. Ich habe das verwendete Transkriptionssystem, wie bei der Passage „Relationships“, verändert, um in dieser Arbeit ein Transkriptionssystem beizubehalten. Es geht dadurch kaum Information verloren.Google Scholar
  16. 73.
    Diese Stelle bietet sich an, um darauf hinzuweisen, dass rekonstruktive Methoden eben nicht nur rekonstruktiv hinsichtlich ihres Gegenstandes sind, wie es zum Beispiel eine Entwicklungstypik für das Jugendalter sein kann, sondern auch hinsichtlich der Methodik selbst. Die unterschiedlichen Modi der Diskursorganisation gehören in der Forschungspraxis zum ständig eingesetzten Methodenwissen. Bisher wurde es also angewandt, aber noch nicht tstematisch zum Gegenstand gemacht. Insofern rekonstruiert die vorliegende Arbeit die rekonstruktive Methodik selbst.Google Scholar
  17. 81.
    Der Beginn der Passage ist hier letztlich schlecht gewählt. Sie beginnt mit einer Konklusion. Im Dickicht der vielen Beschimpfungen ist auf die intuitiven Kompetenzen zur Diskursstruktur kein Verlass mehr. Sie kann letztlich nur in einer Analyse herausgearbeitet werdenGoogle Scholar
  18. 101.
    Der Modus der Reaktion von Babette auf Anke lässt ihren Beitrag zur Divergenz werden und nicht zur Opposition, und zwar dadurch, dass der faktische Gehalt bzw. Orientierungskomponenten aufgriffen werden und in die eigenen eingearbeitet werden,,falsch gerahmt` werden.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2004

Authors and Affiliations

  • Aglaja Przyborski

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