Advertisement

Hartz plus pp 21-42 | Cite as

Die Fakten: Struktur der Arbeitslosigkeit

Chapter
  • 1.3k Downloads

Auszug

Arbeitslosigkeit hat sich seit drei Jahrzehnten stufenartig aufgetürmt, ist für direkt und indirekt Betroffene ein hartes Schicksal, belastet die öffentlichen Haushalte sowie die sozialen Sicherungssysteme, birgt gesellschaftliche Risiken und kann weitere soziale Einschnitte hervorrufen. Die Krise sei zunehmend strukturell bedingt, gegen die keine Konjunkturprogramme helfen. Mein Forschungsinteresse ist, ob und inwieweit die Hartz-Initiative eine nachvollziehbare Diagnose bietet. Bei der Sachstandsanalyse werden soziologische und ökonomische Fragestellungen verknüpft. Zunächst folge ich der Hartz-Kommission, die Arbeitsmarktanalyse dynamisch an Stromgrößen zu orientieren, um Anpassungsprozesse zu unterstützen, statt sich auf Bestandsgrößen zu beschränken. Um die Komplexität der Strukturphänomene zu reduzieren, werden im Untersuchungsgang einzelne Merkmale in thematische Blöcke gefasst. Als theoretischen Zugang wähle ich den Ansatz der Segmentationstheorie, Arbeitslosigkeit als ein gesellschaftlich ungleichgewichtig verteiltes Phänomen zu interpretieren, welches die gesellschaftlichen Minoritäten überdurchschnittlich stark trifft.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 6.
    Nach § 16 des Sozialgesetzbuches III (SGB III) wird Arbeitslosigkeit so definiert: „(1) Arbeitslose sind Personen, die wie beim Anspruch auf Arbeitslosengeld 1. vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, 2. eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung stehen und 3. sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben. (2) Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten als nicht arbeitslos.“ Ausnahmen für die Zählung von Arbeitslosen als Arbeitslose beruhen auf § 125 SGB III („Minderung der Leistungsfähigkeit“), § 126 SGB III („Leistungsfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit“) und § 428 SGB III („Arbeitslosengeld unter erleichterten Voraussetzungen“; „58er-Regelung“). Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) definiert Erwerbslose nach dem Labour-Force-Konzept so: Personen ab 15 Jahren, die keine Beschäftigung ausüben, sich während der letzten vier Wochen aktiv um eine Arbeit bemüht haben und eine Arbeit innerhalb der nächsten zwei Wochen aufnehmen können. Erwerbstätig sind Personen, die mindestens eine Stunde pro Woche arbeiten, also alle Minijobber und Kleingewerbetreibende (Statistisches Beiheft zum Monatsbericht 4 der Deutschen Bundesbank, Heft Juni 2004, S. 86). Ab 2005 wird parallel der ILO-Standard angewandt, („Neue Messlatte für Arbeitslose.“ In: FR, Nr. 214, 14. Sept. 2004, S. 11;-URL: http://www.destatis.de/dt_erheb/Arbeitsmarkt/am_ilokonz.htm.Google Scholar
  2. 10.
    Vgl. Gerhard Bosch: „Die Alten gibt es nicht. Auch die 55-bis 64-Jährigen teilen sich in Gruppen mit höchst unterschiedlichen Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt.“ In: FR, Nr. 202, 31. Aug. 2005, S. 7.Google Scholar
  3. 11.
    Vgl. Benno Hafeneger: „Der Kampf um die Köpfe. Neuere Entwicklungen und Strategievarianten bei der extremen Rechten in Deutschland.“ In: FR, Nr. 50, 01. März 2005, S. 7.Google Scholar
  4. 14.
    Vgl. Jutta Roitsch: „Das Handwerk verliert seinen goldenen Boden. Freie Berufswahl und Chancengleichheit sind für die meisten Jugendlichen, die nicht studieren, noch immer uneingelöste Versprechen.“ Vgl. FR, Nr. 189, 15. Aug. 2003, S. 7.Google Scholar
  5. 18.
    Vgl. Enquete-Kommission „Globalisierung der Weltwirtschaft — Herausforderungen und Antworten.“ Bundestagsdrucksache 14/9200, Kapitel 4.3.2.Google Scholar
  6. 19.
    Vgl.: International Labour Organisation (Hrsg.) (ILO): “Social Security for a Better World”;-URL: http://www.ilo.org/public/german/region/eurpro/bonn/aktuelles_ses.htm.Google Scholar
  7. 21.
    Vgl. Hannes Gamillscheg: „Dänische Brücken. Arbeitslosigkeit ist für Skandinavier nur die kurze Pause zwischen zwei Jobs — dank Aktivierung und Fortbildung.“ In: FR, Nr. 235, 08. Okt. 2004, S. 24–25. Vgl. derselbe: „Dänen schaffen rasch neue Jobs. Unternehmer heuern und feuern ganz nach Bedarf. Zumindest die offizielle Arbeitslosenstatistik glänzt dennoch.“ In: FR, Nr. 213, 13. Sept. 2005, S. 12.Google Scholar
  8. 22.
    Die marktüblichen Preise für hochwertige Betreuung sind von den meisten Familien nicht allein zu tragen. Mit einer geänderten Betreuungspolitik erklärt Esping-Andersen die Vorbildfunktion des nordischen Modells und den Hauptunterschied zum amerikanischen Niedriglohnsektor. Vgl. Gösta Esping-Andersen: „Aus reichen Kindern werden reiche Eltern. Vorschläge, wie die Politik dem Phänomen der sozialen Vererbung entgegensteuern kann.“ In: FR, Nr. 297, 20. Dez. 2003, S. 7.Google Scholar
  9. 23.
    Vgl. Hannes Gamillscheg: „Das ‚schwedische Modell’ ist vorbildlich. Dank Elternurlaub und einkommensabhängigem Erziehungsgeld sind Familie und Beruf vereinbar.“ In: FR, Nr. 214, 14. Sept. 2004, S. 5.Google Scholar
  10. 24.
    Neuere Forschung zeigt, dass Nachfragemonopolisten (Monopson) ansonsten Löhne unterhalb der Marktlöhne durchsetzen können (Card/ Krueger 2000). Zudem wurde in einer Studie, die den Effekt von Mindestlöhnen auf die Fast-Food-Industry untersuchte, festgestellt, dass in monopsonistischen Unternehmen eine Mindestlohnerhöhung Beschäftigungszuwächse bringt (Katz 1996). Katz war Berater Bill Clintons. Im Gegensatz dazu lehnt Gregory Mankiw, Berater George W. Bushs, Mindestlöhne ab (Mankiw: 1998: 148).Google Scholar
  11. 25.
    Vgl. Ulrike Krickau: „Armut ist Realität des Wisconsin-Modells. Nur zehn Prozent der früheren Arbeitslosen im US-Staat können ihr Leben bestreiten. ‚Politisch ein Erfolg‘.“ In: FR, Nr. 255, 01. Nov. 2004, S. 34.Google Scholar
  12. 26.
    Vgl. Ulrike Krickau: „Die Erfolgszahlen sind dürftig. Von 1200 betreuten Menschen haben 140 Arbeit.“ In: FR, Nr. 255, 01. Nov. 2004, S. 34.Google Scholar
  13. 28.
    Vgl. Peter Nonnenmacher: „‘Großbritannien kein Vorbild für Deutschland.’ Blairs Vordenker erläutert die Erfolge New Labours — und empfiehlt das Vorbild der Skandinavier.“ Interview mit Anthony Giddens, in: FR, Nr. 269, 18. Nov. 2005, S. 25.Google Scholar
  14. 30.
    Vgl. Miriam Koch: „Besser ein schlechter Job als gar keiner.“ In: Die Presse (Wien), 26. Juli 2004.Google Scholar
  15. 31.
    Vgl. Waltraud Peter: „The Earned Income Tax Credit: A Model for Germany.“ In: American Institute for Contemporary German Studies, Working Paper, September 2004.Google Scholar
  16. 32.
    Bei den letzten beiden US-Rezessionen entließen die Unternehmen keine Mitarbeiter, sondern schlossen ihre Zweigniederlassungen. Wer als Arbeitnehmer in einer neuen Branche einen Job sucht, braucht länger, etwas Neues zu finden. Vgl. Interview mit Raghuram Rajan, Chefökonom des IWF. Vgl. Michael Backfisch: „Amerika wächst kräftig, Europa hinkt hinterher.“ In: Handelsblatt, 11. Dez. 2003, (Online-Artikel).Google Scholar
  17. 34.
    In der Studie „Sozialdemokratische Antworten auf integrierte Märkte-Dritte Wege im internationalen Vergleich“ werden vier Länderbeispiele vorgestellt (Schweden, Niederlande, Großbritannien, Frankreich). Vgl. Wolfgang Merkel/ Christoph Egle/ Christian Henkes/ Alexander Petering: „Wider die Erstarrung. Auf der Suche nach Reformansätzen für Deutschland.“ In: FR, Nr. 285, 06. Dez. 2003, S. 2.Google Scholar
  18. 35.
    Vgl. Helmut Spitzley: „Kurze Vollzeit für alle. Plädoyer für eine andere Arbeitskultur.“ In: FR, Nr. 211, 10. Sept. 2003, S. 9.Google Scholar
  19. 36.
    Vgl. Thomas Fricke/ Mark Schieritz: „Strebercheck: Aus den Talkshows in die Entzauberung.“ In: FTD, 17. Nov. 2005 (Online-Artikel).Google Scholar
  20. 38.
    Vgl. Norbert Walter: „Es werden zwei oder drei Familienmitglieder arbeiten müssen, damit es zum Leben reicht.“ In: Volksstimme (Magdeburg), 11. Feb. 2005 (Online-Artikel).Google Scholar
  21. 39.
    Vgl. Fritz W. Scharpf: „Sozialstaaten in der Globalisierungsfalle? Lehren aus dem internationalen Vergleich.“-URL: http://www.mpi-fg-koeln.mpg.de/people/fs/aktuelles2000rede_de.html.Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2006

Personalised recommendations