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Integration — Ein neues Kapitel in der europäischen Geschichte

  • Beate Kohler-Koch
  • Thomas Conzelmann
  • Michèle Knodt
Chapter
Part of the Grundwissen Politik book series (GPOL)

Zusammenfassung

Die Unterschiede könnten nicht deutlicher ausfallen: Die Geschichte Europas ist in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von politischer und sozialer Instabilität, von zwischenstaatlicher Konfrontation und Kriegen und von Missachtung des Rechts und Rückgriff auf Gewalt geprägt (Hobsbawm 1995). Perioden der wirtschaftlichen Prosperität waren kurz und trügerisch. Versuche des zwischenstaatlichen Ausgleichs spärlich und letztendlich nicht erfolgreich. Politische Umbrüche veränderten die Mehrzahl der europäischen Staaten tiefgreifend. Monarchisch-autoritäre Systeme wurden in Demokratien umgeformt und diese wieder vom Faschismus verdrängt. Revolution und politische Unruhen erschütterten viele Teile Europas. Inflationen und die Weltwirtschaftskrise schufen Massenelend. Die Politik des Gegeneinanders wurde vom Streit um Macht und Territorien, um ideologische Vorherrschaft und nationale Größe genährt Die Politik der Abgrenzung und der Geist des Wettkampfes herrschte selbst zwischen Staaten, deren Regime eine enge Geistesverwandtschaft aufwiesen wie die faschistischen Herrschaftssysteme. Zwischenstaatliche Konflikte, wie die deutsch-französische Erbfeindschaft, wurden zum Mythos. Der Kampf um Revision bzw. Zementierung der neu geschaffenen Verhältnisse schuf zusätzliche Konflikte. So war im Kampf gegen „das Diktat von Versailles“19 jedes Mittel recht. Vertragsverletzungen und selbst der Rückgriff auf militärische Gewalt wurden seitens einiger Staaten als legitimes Mittel der Politik propagiert.

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Literatur

  1. 19.
    In Versailles wurden die Friedensverhandlungen des 1. Weltkrieges geführt, die dem Deutschen Reich die alleinige Kriegsschuld zusprachen und Reparationen wie Gebietsabtretungen auferlegten.Google Scholar
  2. 20.
    Der Titel lautete „Of Blind Men, Elephants and International Integration“.Google Scholar
  3. 21.
    Habermas hat vor allem mit seiner Veröffentlichung über „Erkenntnis und Interesse“ (1968) die Diskussion hierüber wesentlich beeinflusst; er unterscheidet ein praktisches, ein technisches und ein emanzipatorisches Erkenntnisinteresse.Google Scholar
  4. 22.
    Vgl. z.B. die Arbeiten von Herbst (1986); Loth (1991); Urwin (1993, 1997).Google Scholar
  5. 23.
    Zugrunde gelegt wurde Loth (1996: 137–140); um es dem Leser leichter zu machen, den Text nachzuvollziehen, wurde der Text zusammengefasst und auf eine wörtliche Wiedergabe verzichtet.Google Scholar
  6. 24.
    So räumt Derek W. Urwin wie viele andere Historiker der Zürich Rede von Churchill 1946 einen breiten Platz ein und beurteilt sie als „his most significant review of the question since losing the premiership. It helped spur federalists to greater efforts, stimulated existing bodies to increase their activities, and inspired the creation of new organisations “ (Urwin 1997: 74 ).Google Scholar
  7. 25.
    Einen breiten Widerhall fand der — unter der aktiven Mitwirkung des abgewählten britischen Premiers Churchill und der kritischen Beobachtung der amtierenden Labour Regierung — vom Internationalen Komitee der Europäischen Einigungsbewegung ausgerichtete Haager Kongress im Jahr 1948.Google Scholar
  8. 26.
    Auch hier wurde ein Überblicksartikel aus einem Lexikon, nämlich von Weidenfeld/Wessels (2000) „Europa von A-Z“ herangezogen.Google Scholar
  9. 27.
    So verweist beispielweise Urwin (1997: 72) darauf, dass die bürgerlichen Parteien Italiens die europäische Integration als möglichen Stabilisierungsfaktor und Gegengewicht zur starken Stellung der Kommunistischen Partei in Italien sahen.Google Scholar
  10. 28.
    Der Titel des 1853 von August Ludwig von Rochau veröffentlichten Buches „Grundsätze der Realpolitik“ hat nach allgemeiner Einschätzung zur Einführung des Begriffes geführt.Google Scholar
  11. 29.
    Zu den weltanschaulichen Strömungen der damaligen Zeit vgl. das Kapitel „Pazifismus und Realpolitik“ in Gollwitzer (1972: 426–500).Google Scholar
  12. 30.
    James Lorimer (1885) in: Gollwitzer (1972: 439), Übersetzung des Autors.Google Scholar
  13. 31.
    Als Beleg möge hier ein Zitat genügen: „Das europäische Abendland war die zivilisierte Welt selbst und hatte keinen Grund, sich noch besonders als solche zu konstituieren. (…) Dies ist anders geworden, Rußland auf der einen und Amerika auf der anderen Seite drängen der westeuropäischen Staatengruppe das Bewusstsein auf, ein zusammengehöriges Ganzes zu sein und werden sie in beiden äußeren Gliedern der großen Dreiheit gegenüber nötigen, ihrer Zusammengehörigkeit eine Form und ihren solidarischen Interessen die Mittel der Gesamtmacht zu geben“ (Julius Froebel, 1861/64 „Theorie der Politik II”: 196f, zitiert nach Gollwitzer (1972: 461 ). Zur Ideengeschichte des Europäismus vgl. Heinz Gollwitzer (1964).Google Scholar
  14. 32.
    Als frühe einschneidende Ereignisse sind hier der von einem einseitigen Diktat der Sowjetunion geprägte Friedensschluss mit Finnland im Jahr 1947 und die Ausschaltung der nicht-kommunistischen Kräfte in der Tschechoslowakei 1948 zu nennen. Beides verstärkte die Wahrnehmung eines hegemonialen Anspruchs der UdSSR in Europa.Google Scholar
  15. 33.
    Zum Folgenden vgl. Waltz (1979: 79–101).Google Scholar
  16. 34.
    Rosenau spricht im Original von „issue area“; in seinem deutschen Artikel (1975) wurde die Übersetzung „Problembereich” gewählt; Czempiel (1981) und andere sprechen von „Sachbereich“.Google Scholar
  17. 35.
    Rosenau definiert eine „issue area“ als „… ein Bündel von Werten, deren Verteilung oder potentielle Verteilung unter den betroffenen oder potentiell betroffenen Akteuren so erhebliche Differenzen hervorruft über a) die Art und Weise, auf welche die Werte zu verteilen seien, oder b) die horizontalen Ebenen, auf denen die Verteilungen zu autorisieren seien, dass diese Akteure sich in einer ganz bestimmten Art und Weise verhalten, um Unterstützung für die Erlangung ihrer individuellen Werte zu mobilisieren” (Rosenau 1975: 320).Google Scholar
  18. 36.
    Vgl. dazu ausführlicher Efinger/Rittberger/Zürn (1988: 86–97).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2004

Authors and Affiliations

  • Beate Kohler-Koch
    • 1
  • Thomas Conzelmann
    • 2
  • Michèle Knodt
    • 1
  1. 1.Universität MannheimMannheimDeutschland
  2. 2.Technische-Universität DarmstadtDarmstadtDeutschland

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