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Verwaltung und Reform der Elementarschulen Brandenburgs in der Zeit der Preußischen Reformen

  • Joachim Scholz
Part of the Educational Governance book series (EDUGOV, volume 20)

Zusammenfassung

Der Ausbau effizienter Schulverwaltungsstrukturen in staatlicher Regie gilt als eine der entscheidenden Bedingungen für die Expansion der Elementarbildung in den sich formierenden europäischen Nationalstaaten. Es besteht wenig Anlass, diesen Prozess als reibungslose Fortschrittsgeschichte entlang der alten Mark- und Merkpunkte der Historischen Pädagogik zu beschreiben. Für das in diesem Beitrag herangezogene Beispiel Preußen wurde herausgearbeitet, dass trotz der erkennbaren landesherrlichen Zwecksetzungen die Schule von staatlichen Zentralisierungstrends erst wesentlich später als etwa die Bereiche Militär, Finanz, Wirtschaft und Justiz erfasst wurde (vgl. Rademacher 1978, 27-33). Im 18. Jahrhundert blieb das preußische Schulwesen vom Prozess der modernen Staatsbildung noch weitgehend ausgeschlossen und verharrte in einem den herrschenden Interessen- und Machtkonstellationen geschuldeten Freiraum. Wolfgang Neugebauer vertritt in seiner opulenten Studie „Absolutismus und Schulwirklichkeit in Brandenburg-Preußen“ die These, dass die Position des Staates durch einen mit den partikularen Kräften geschlossenen „Strukturkompromiss“ zu beschreiben sei, für den die Zurückhaltung in Schulsachen auf einer Position kennzeichnend ist, die lediglich die „Formulierung eines landesherrlichen Souveränitäts anspruchs“ vorsah (Neugebauer 1985, 628). Aus der Schwäche des Staates und seiner Machtlosigkeit über die Schulen resultiere, so Neugebauer, nicht bloß die Unbrauchbarkeit des Terminus der Schulpolitik, sondern auch des Begriffs der Schulverwaltung für diese Zeit, weil Verwaltung ein enges „Bezogensein von Schulwirklichkeit und Staat“ zur Voraussetzung gehabt hätte, um – im Sinne Max Webers – als planvoll leitende Tätigkeit und Gestaltung durch die Behörde in Erscheinung zu treten (ebd., 627).

Quellen und Literatur

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Authors and Affiliations

  • Joachim Scholz

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