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Hochfrequenzhandel zwischen Entscheidungsautomation und Entscheidungsautonomie

  • Rena SchwartingEmail author
Chapter
Part of the Organisationssoziologie book series (ORGANISAT)

Zusammenfassung

Die Verwendung technologischer Verbreitungsmedien an Finanzbörsen ist erst in den letzten Jahren auf ein sozialwissenschaftliches Forschungsinteresse gestoßen. Seitdem die Medialisierung der Preise durch den Einsatz von Technologien weitgehend standardisiert wurde, richtet sich der Unsicherheitsblick der Marktteilnehmer weniger auf die Bereitstellung einheitlicher Preisinformationen, als vielmehr darauf, Preisdifferenzen an unterschiedlichen Märkten auszunutzen. Für diese Arbitrage-Geschäfte ist es umso wichtiger, kleinste Zeitunterschiede zu beobachten und direkt in Zahlungsdifferenzen ummünzen zu können. Zahlungsentscheidend ist dann nicht nur die Geschwindigkeit der Informationsbeschaffung, sondern auch die ihrer Weiterverarbeitung. Wie stellen sich moderne Finanzorganisationen auf die damit verbundenen Unsicherheiten ein? Der Beitrag beschreibt anhand einer organisationssoziologischen Spezifizierung der Strukturbedingungen und Grenzstellen des Einsatzes von High Frequency Trading das Verhältnis von autonomen und automatisierten Zahlungsentscheidungen. Die These ist, dass die sich durch High Frequency Trading vollziehende Kopplung von Grenzstellen der Nachrichtengenese, Ordererzeugung und Orderausführung Ausdruck einer zunehmenden Ausdifferenzierung von Zahlungsentscheidungen an Finanzmärkten ist. Insgesamt wird die Form der Erzeugung von Zahlungsentscheidungen dabei in einer für organisierte und technische Marktumwelten besonders sensitiven Weise angepasst.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2015

Authors and Affiliations

  1. 1.BielefeldDeutschland

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