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Exkurs: Vorausweisende ausländische Dichtungstheorien

  • Thomas Bleicher

Zusammenfassung

Noch bis zum Ende des 16. Jahrhunderts finden sich in Deutschland neben Vadians literaturwissenschaftlicher Skizze nur wenige poetologische Untersuchungen, und auch diese zeigen sich meist verstreut in Abhandlungen über eine andere Thematik. Häufig werden die spätantiken Theorien übernommen, die schon die italienische Philologie kaum überarbeiten zu müssen glaubte, da nationaler Stolz auf die römischen Ahnen zur Wahrung der Tradition verpflichtete. Zudem spricht und denkt man in Deutschland noch lateinisch, und man hält daran fest, weil man meint, nur auf diese Weise Anerkennung erringen und den Vorwurf der ›Barbarei‹ entkräften zu können. Dies prägt in besonderem Maß das Bild, das man sich damals in Deutschland von Homer macht. Die Hinwendung zu spätantiker Tradition wird von den Italienern übernommen, nicht jedoch deren Herabminderung Homers zugunsten Vergils. Gerade weil ein überragender antiker Autor wie Homer nicht von den romanischen Staaten als Landsmann gepriesen werden kann, verrmag er in einem anderen Land wie Deutschland, das trotz aller Imitation eine geistige Gegenposition sucht, eher adaptiert zu werden. Mit den Meinungen, die er vertreten, und den Haltungen, die er vorgeformt hat, identifiziert sich bereitwillig ein deutscher Literat, zumal er damit auch seine Bildung beweist; Ansätze zu einer neuen Betrachtungsweise Homers sind dagegen selten.

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1971

Authors and Affiliations

  • Thomas Bleicher
    • 1
  1. 1.MainzDeutschland

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