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Narrenkappe und Sansculottenmütze

  • Volker Ulrich Müller

Zusammenfassung

Man muß daher allerdings zu den Konstituenten der ungebrochenen Lust an der Narrenfreiheit auch das Desinteresse an ihrer politischen Ortsbestimmung rechnen. Mit Recht hat Jauss betont, daß dem Klima der Narrenfreiheit die Reflexion sowohl auf ihren affirmativen als auch kritischen Status durchaus fremd ist. [1] Zur Dialektik der Narrenfreiheit gehört das Desinteresse an ihrem politischen Schicksal in dem Sinn, in dem Politik Praxis ist, die ihr eigenes Schicksal in der Hand behalten will, es gehört zu ihr, daß die Erfahrung der Entlastung und Befreiung von den Verbindlichkeitsansprüchen der Vernunft nicht ihrerseits wiederum mit Verbindlichkeitsansprüchen ausgestattet werden kann. Dies scheint mir auch der eigentliche Grund dafür zu sein, daß jene Freiheit, der sich der Erzähler Jean Paul überläßt, und die die Humoristenfiguren für sich in Anspruch nehmen, dem Republikanismus Jean Pauls nur zu entsprechen »scheint«. [2] Ernst genommen, d. h. im strengen Sinn ist die Freiheit, die sich der Narr nimmt, politisch nur allzu unzuverlässig. Und es wäre fast trivial darauf hinzuweisen, daß sie ein Politikum ist, nicht aber politisch motivierte Kritik oder gar zielbezogenes politisches Handeln, würde nicht Jean Paul selbst ihr oft genug einen revolutionären Sinn geben.

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Anmerkungen

  1. 2.
    Ralph-Rainer Wuthenow, Ein roter Faden. Jean Pauls politische Schriften und sein Verhältnis zur Französischen Revolution, in: JbJPG 3, 1968, Wiederabdruck: Jean Paul, Des Luftschiffers Giannozzo …, a.a.O., S. 175.Google Scholar
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  6. 45.
    Vgl. dazu auch: Karl Griewank, Der neuzeitliche Revolutionsbegriff, Frankfurt/Main 1969, Kap. IX (Der neue Revolutionsbegriff der Französischen Revolution).Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1978

Authors and Affiliations

  • Volker Ulrich Müller

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