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»Theorie des Lächerlichen«

  • Volker Ulrich Müller

Zusammenfassung

Die Präsenz der Lachlust ist nicht nur für Jean Paul, sondern auch für die zeitgenössische Theorie des Lachens das eigentliche Problem. Liest man einmal die Bemühungen, das Komische dem Bereich des Verstandes zuzuschlagen, nicht nur auf dem Hintergrund des Interesses, die Unantastbarkeit des Ernsts, der moralischen Integrität und Verantwortlichkeit, ihm gegenüber um jeden Preis zu wahren, so gesteht gerade die strenge analytische Trennung des Scherzes vom Ernst im Namen moralisch-praktischer Interessen der Spontaneität des Komischen eine Eigenlogik zu, die seinen Freiraum beträchtlich erweitert und schwer kontrollierbar macht. Dies gilt selbst für Schillers Analyse des Komischen und des Tragischen im Satire-Kapitel der Naiven und sentimentalisehen Dichtung. Nicht »das Gebieth, aus welchem der Gegenstand genommen, sondern das Forum, vor welches der Dichter ihn bringt, [mache] denselben tragisch oder komisch. […] Der Tragiker muß sich vor dem ruhigen Raisonnement in Acht nehmen und immer das Herz interessiren; der Comiker muß sich vor dem Pathos hüten und immer den Verstand unterhalten« [1], so also, daß auch die »pathetische« und die »strafende« Satire mit der »scherzhaften« durchaus sogar hinsichtlich ihres Gegenstands, der Torheit und des Lasters koindizieren könnten, nur nicht im Hinblick auf ihre Behandlungs weise. So ist es denn auch die »Ungereimtheit« [2], in der im Komischen » Dummheit« und selbst »Bosheit« erscheinen, eine Ungereimtheit, die sonst theoretisch als Widerspruch oder Unsinn, praktisch als Verstoß gegen die Kodices der Moralität erfahren würde.

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Anmerkungen

  1. 24.
    Olaf Reincke, Der Übergang Jean Pauls zum humoristischen Erzählen, in: Weimarer Beiträge II, 1976, S. 9.Google Scholar
  2. 35.
    Wolfram Tichy, Charlie Chaplin, Reinbek bei Hamburg, 1974, S. 45.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1978

Authors and Affiliations

  • Volker Ulrich Müller

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