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Der Krieg als Wegbereiter einer neuen Welt

  • Eva Kolinsky
Chapter

Zusammenfassung

»Wenn ein Gewitter mit Blitz und Sturm und Wolkenbrüchen vorübergeht, ist die Natur erneuert: Morsches ist hinweggefegt, die Luft köstlich gereinigt, das Grün der Bäume und der Wiesen leuchtet vom Staub befreit und erfrischt. Sollte nicht so auch der Krieg, das schreckliche Unglück, die Menschheit vom Schlechten und Morschen befreien und sie erneuern? So glaubte und empfand es Wolf bei Kriegsbeginn und mit Schwankungen noch zwei Jahre lang. Dann setzte sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, daß die Hoffnung auf eine Erneuerung durch die ›Naturkatastrophe‹ des Krieges eine Illusion war.« [1] Friedrich Wolf, dessen geistigen Wandel Pollatschek umreißt, verficht in biographischer Abfolge Alternativen einer kriegsgezeugten Erneuerung, die im Expressionismus jener Jahre nebeneinander vertreten wurden. »Eine Illusion ist zerstoben — an ihre Stelle tritt eine neue Illusion: ›Der Mensch muß sich von Grund auf ändern, nicht die Menschheit!‹ Da ist sie, diese Anschauung, die noch lange Zeit in ihm [Wolf] lebte.« [2] Die beiden Aspekte einer »äußeren«, die Gesamtgesellschaft erfassenden und einer »inneren«, den einzelnen Menschen wandelnden Erneuerung, die der Weltkrieg aus sich entlassen sollte, bindet Klaus Ziegler an den zivilsationskritischen Ansatz von Kriegskritik, der für die literarisch-politischen Zeitschriften Die Aktion und Die Weißen Blätter entwickelt wurde. »Ihr [der ›hochzivilisierten‹ Gesellschaft] Zusammenbruch wird […] zugleich als positive Verheißung und Beginn einer äußerlich und mehr noch innerlich von Grund auf erneuerten, gereinigten, geläuterten Welt empfunden und gepriesen.«

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Anmerkungen

  1. 1.
    Walther Pollatschek, Friedrich Wolf. Eine Biographie (Berlin 1963), S. 26/27.Google Scholar
  2. 4.
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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1970

Authors and Affiliations

  • Eva Kolinsky

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