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Einleitung

  • Eva Kolinsky
Chapter

Zusammenfassung

Forschungsarbeiten zum Expressionismus, Rückblicke und schon zeitgenössische Äußerungen programmatischer oder kritischer Natur stellen übereinstimmend fest, daß die Literatur zwischen 1910 und dem Anfang der zwanziger Jahre, die man gemeinhin »expressionistisch« [1] nennt, »einen neuen Menschen« gewollt und sich »also in erster Linie als die Bewegung eines neuen Lebensgefühls, eines neuen Wirklichkeitsverhältnisses, neuen Wirklichkeitsanspruchs« [2] erfahren habe. »Er [der Expressionist] sieht das Menschliche in den Huren, das Göttliche in den Fabriken. Er wirkt die einzelne Erscheinung in das Große ein, das die Welt ausmacht. Er gibt das tiefere Bild des Gegenstandes […]. Jeder Mensch ist nicht mehr Individuum, gebunden an Pflicht, Moral, Gesellschaft, Familie. Er wird in dieser Kunst nichts als das erhebendste und kläglichste: er wird Mensch.« [3] Kasimir Edschmid, dessen Aufsatz Expressionsismus in der Dichtung diese Sätze entstammen, sieht noch vierzig und mehr Jahre später die gemeinsame Gesinnung einer Generation am Werk: »Denn niemand zweifelte, daß eine neue Welt sich aufzubauen begann,« [4] schreibt er 1957 und versichert nochmals sieben Jahre später, »daß diese Generation gleich empfand, und das nicht nur da, wo sie Widerstand leistete und sich gegen den Krieg empörte … gleich in der Idee, eine neue Welt, Gesinnung, Kunst und Sprachform zu schaffen, als ob dies das Natürlichste von der Welt sei.« [5]

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Anmerkungen

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