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Zusammenfassung

Versucht man zum Abschluß der ästhetisch-literarischen, der pädagogischen und der populär-politischen Analyse des Struwwelpeter ein zusammenfassendes Ergebnis zu formulieren, so könnte das in der Feststellung bestehen, Hoffmann habe die moralische Beispielerzählung, wie sie ihrem Inhalt und der Mechanik ihres Ablaufs nach sich in der Kinderliteratur längst eingeschliffen hat, statt im bislang üblichen »Konversationston« im populären »Volkston« vorgetragen. [1]

Anmerkungen

  1. 1.
    Friedrich Sengle zitiert in seinem Abschnitt über »Töne (generelle Stillagen)« aus einer Rhetorik von 1829, in der auch für Hoffmanns Art der Verarbeitung traditioneller Erziehungsinhalte Aufschlußreiches akzentuiert wird: »Die Ausdrücke einer Rede können an sich selbst, bloß als Laute betrachtet und ganz abgesehen von den ausgedrückten Vorstellungen unser Gemüt zu einer Leidenschaft und zu einem Gefühl stimmen. Hierin besteht die bewegend rührende Kraft des Ausdruckes an sich selbst.« l. c. p. 598 In diesem Sinn wird oft versucht, die angeblich »surreale« Form gegen den repressiven Inhalt, bzw. seine trocken-nüchterne Vermittlungsform in der Kinderliteratur der Aufklärungspädagogik abzuheben: cf z. B. Müller, 1. c. p. 60, Hürlimann l. c. p. 105 f und Bogeng, 1. c. p. 115 ff Andere Rhetoriker binden nach Sengle eine jeweils bestimmte Tonlage an die entsprechende gesellschaftliche Funktion: »der Bardenton für vaterländische Zwecke«, ferner werden »Gesprächston«, »Predigtton«, »Lehrton«, »Volkston« und »Weltton« unterschieden. (ibid, p. 621 f) Für die Kindern zugedachte Literatur würde sich demnach der »Volkston« oder der »komische Ton« aus einer Art Ständeklausel ergeben: ihr Geschick, das sich in erwachsenen Dimensionen tragisch ausnähme, erscheint als Travestie. Dabei bleibt jedoch entscheidend nicht daß, sondern warum ein bestimmter »Ton« für einen bestimmten Zweck gewählt wird.Google Scholar
  2. 2.
    Walter Benjamin, Kolonialpädagogik, In: W. B., Über Kinder, Jugend und Erziehung, l. c. p. 111Google Scholar
  3. 3.
    In dem Entstehungsbericht für die Gartenlaube 1871 (l. c.) spricht Hoffmann von seinem kleinen Patienten als dem »wilde[n] Oppositionsmann«, den es zu beruhigen gelte.Google Scholar
  4. 4.
  5. 5.
    Walter Benjamin, Programm eines proletarischen Kindertheaters, In: W. B., Über Kinder … l. c. p. 86Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1975

Authors and Affiliations

  • Marie-Luise Könneker

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