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Der sozialgeschichtliche Kontext: Zum Prozess der Entfaltung einer spezifisch bürgerlichen Sozialisation und seiner Darstellung in der Erziehungs- und Kinderliteratur

  • Marie-Luise Könneker

Zusammenfassung

Der Typus der bürgerlichen Kleinfamilie, wie sie um 1840, also zur Zeit der Entstehung des Struwwelpeter in Deutschland vorherrschend ist, verallgemeinert sich erst, wenn die feudalen Schranken fallen, die die Einheit von Haushalt und Betrieb und damit die Struktur des erweiterten patriarchalen Familienverbandes aufrechterhalten. [1] Erst als 1810 die Gewerbefreiheit eingeführt, Zunftzwang [2], Leibeigenschaft und Gesindeordnung aufgehoben werden, sind die Voraussetzungen für die Entstehung industrieller Großbetriebe gegeben. [3] Mit der »Auflösung der traditionellen leib- und lehnherrlichen Beziehungen« [4] wird der Nachfrage nach disponiblen Lohnarbeitern entsprochen. Der freie Arbeitsmarkt jedoch »ist die Negation eines rein patriarchalen Arbeitsverhältnisses.« [5]

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Anmerkungen

  1. 1.
    cf hierzu p. 20 ff dieser ArbeitGoogle Scholar
  2. 2.
    Mit der Auflösung der Zünfte und der Einführung der Gewerbefreiheit wird die Entstehung von Manufakturen, die jetzt keine Konzession mehr brauchen, ferner so viele Arbeiter beschäftigen können wie sie wollen, begünstigt und der Ruin des städtischen Handwerks durch die Stärkung der industriellen Konkurrenz beschleunigt. Der auf diese Weise eingeleitete Differenzierungsprozeß läßt zahlreiche Handwerker zu Manufakturbesitzern aufsteigen; diejenigen, die wirtschaftlich auf der Strecke bleiben, sowie eine wachsende Zahl von Handwerksgesellen, werden proletarisiert.Google Scholar
  3. 3.
    Die von der englischen Wirtschaft beeinflußte Verwendung von Dampfmaschine und Spinnmaschine (Jenny) am Ende des 18. Jahrhunderts entfaltet ihre Dynamik erst voll in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit findet eine sprunghafte Ausdehnung der industriellen Produktion und wenig später auch eine bedeutende Steigerung der Schwerindustrie statt, besonders des Maschinenbaus. Borsig baut 1843 seine erste Lokomotive. Die Roheisenproduktion steigt 1840 gegenüber 1820 um 140%, die Kohleförderung, in der die Dampfmaschine verstärkt eingesetzt wird, ebenso wie in der Leichtindustrie, steigt um 150%. Seit 1815 besteht die erste selbständige Dampfmaschinenfabrik in Berlin. Die Intensivierung der Produktion und damit die Erhöhung der Produktion pro Zeiteinheit nimmt zu; eine verbesserte technische Ausrüstung weist vor allem die Textilindustrie auf: 1841 wird der Seifaktor in Sachsen eingeführt. Die Produktion von Verbrauchsgütern steigt in derselben Zeit auf das Achtfache. In der Schwerindustrie, besonders im Bergbau, herrscht weiterhin die extensive Form der Ausbeutung von Arbeitskraft vor. Von 1790–1840 findet keine intensive Steigerung der Arbeitsleistung statt, sie wird durch Verlängerung der Arbeitszeit kompensiert. 1840 beträgt die durchschnittliche Arbeitszeit vierzehn Stunden, sechzehn bis achtzehn Stunden sind jedoch nicht ungewöhnlich. Kinderarbeit wird 1839 gesetzlich beschränkt, nicht zuletzt, weil Offiziere über Rekruten klagen, die infolge körperlicher Schwäche militäruntauglich sind. Die Krise in der Landwirtschaft wird in den 30er Jahren überwunden, denn die zunehmende Bevölkerungsdichte und die abnehmende Eigenversorgung lassen den Bedarf an Lebensmitteln ansteigen. Ihm kommt die landwirtschaftliche Produktivitätssteigerung nach, die sich der von Liebig entwickelten und jetzt verbreiteten Methode der künstlichen Düngung verdankt. 1834 schafft die Gründung des Zollvereins die ersten Ansätze zu einem einheitlichen deutschen Wirtschaftsgebiet. cf hierzu: Karl Obermann, Deutschland von 1815 bis 1849, 3. überarbeitete Auflage, Berlin 1967 ferner: Hans Mottek, Wirtschaftsgeschichte Deutschlands, Bd. 2, Von der Französischen Revolution bis zur Zeit der Bismarckschen Reichsgründung, Berlin 1969 Josef Kulischer, Allgemeine Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit, Bd. 2, München 1958Google Scholar
  4. 4.
    Jürgen Habermas, Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft, Neuwied 1962, p. 14fGoogle Scholar
  5. 5.
    Ernst Manheim, Beiträge zu einer Geschichte der autoritären Familie, In: Autorität und Familie, Bd. 2, Paris 1936, p. 539Google Scholar
  6. 6.
    »Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpfen, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen, als das nackte Interesse, als die gefühllose ›bare Zahlung‹.« Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, In: Marx Engels Werke (MEW) Bd. 4, Berlin 1969, p. 464Google Scholar
  7. 7.
    Bisher im Haus lebende Gesellen und unverheiratete Familienangehörige werden in den industriellen Arbeitsprozeß einbezogen; die typische Haushaltsgröße nimmt von 5–7 Personen im 18. Jahrhundert ab auf 4–5 Personen. cf Helmut Möller, Die kleinbürgerliche Familie im 18. Jh. Verhalten und Gruppenkultur, Berlin 1969, p. 30–35 Gegen die Tendenz der Abschließung der Kleinfamilie polemisiert vor allem der romantische Traditionalist Riehl, cf: Wilhelm Heinrich Riehl, Die Familie, Stuttgart 1896 (1. Auflage 1854), passim zu Riehl cf: Ingeborg Weber-Kellermann, Kontinuität und Familienstruktur. W. H. Riehl und das Problem der Geschichtlichkeit von Primärgruppen, In: Wolfgang Brückner und Hermann Bausinger (ed.), Kontinuität, Geschichtlichkeit und Dauer als volkskundliches Problem, Berlin 1969, p. 143–153Google Scholar
  8. 8.
    Otto Brunner, Das ›Ganze Haus‹ und die alteuropäische Ökonomik, In: Otto Brunner, Neue Wege der Sozialgeschichte, Göttingen 1956Google Scholar
  9. 9.
    ibid, p. 42Google Scholar
  10. 10.
    »Der Selbständigkeit des Eigentümers auf dem Markt … entspricht eine Selbstdarstellung des Menschen in der Familie. Deren scheinbar vom gesellschaftlichen Zwang gelöste Intimität ist das Siegel auf die Wahrheit einer im Wettbewerb geübten Privatautonomie.« Habermas, l. c. p. 58 In seiner über das Bürgertum Ende des 18. Jahrhunderts wichtigen Aufschluß gebenden Untersuchung stellt Horst Albert Glaser dar, wie Rührstücke und Hausväterdramen von der im Sturm und Drang und der Vorklassik thematisierten Kollision zwischen den Ständen zurücklenken auf die privaten Schwierigkeiten des bürgerlichen Daseins. Horst Albert Glaser, Das bürgerliche Rührstück, Stuttgart 1969, p. 8 ffGoogle Scholar
  11. 11.
    Habermas, l. c. p. 56, außerdem: Norbert Elias, Die höfische Gesellschaft, Neuwied und Berlin 1969, p. 68–102Google Scholar
  12. 12.
    Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 3. Auflage Tübingen 1947, p. 209Google Scholar
  13. 13.
    Karl-Heinz Klingenberg, Iffland und Kotzebue als Dramatiker, Weimar 1962, p. 79Google Scholar
  14. 14.
    Norbert Elias, Über den Prozeß der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Bd. 1 Wandlungen des Verhaltens in den weltlichen Oberschichten des Abendlandes, Basel 1939, p. 33Google Scholar
  15. 15.
    ibid, p. 20 ff und Glaser, l. c. passimGoogle Scholar
  16. 16.
    Manheim, l. c. p. 573 fGoogle Scholar
  17. 17.
    ibid, p. 567Google Scholar
  18. 18.
    cf hierzu: Gret Freudenthal, Gestaltwandel der städtischen bürgerlichen und proletarischen Hauswirtschaft unter besonderer Berücksichtigung des Typenwandels von Frau und Familie vornehmlich in Süd-West-Deutschland zwischen 1750 und 1910, Dissertation Frankfurt/M 1934, 1. Teil Noch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts steht die bürgerliche Hausfrau, wie Freudenthal am Beispiel des Haushalts von Rat Goethe detailliert beschreibt, organisierend und disponierend einer umfangreichen Vorratswirtschaft und einem Verarbeitungsbetrieb vor, in dem unter ihrer Leitung neben Köchin, Hausmädchen und anderen Bediensteten ein Kreis nicht ständig beschäftigter Handwerker arbeitet. Die gesellschaftliche Achtung der Frau leitet sich aus der Bedeutung der Haushaltstätigkeit für die Reproduktion der Familie ab; sie ist um so größer, je weniger Fertigwaren eingekauft werden. Im Fall des Rat Goetheschen Haushalts beschränken sie sich im wesentlichen auf Essig, Öl, Tee, Kaffee, Gewürze und Zucker, alles andere wird als Rohprodukt oder Halbfabrikat im Haushalt weiterverarbeitet; andererseits gibt man die in der eigenen Wirtschaft erzeugten Produkte zur Fertigstellung außer Haus oder läßt sie von im Haus arbeitenden Handwerkern weiter bearbeiten.Google Scholar
  19. 19.
    Manheim, l. c. p. 573Google Scholar
  20. 20.
    cf p. 126 dieser Arbeit und Anmerkung IV, 202Google Scholar
  21. 21.
    Riehl, l. c. p. 42Google Scholar
  22. 22.
    cf hierzu: Otto Lehmann, Die Moralischen Wochenschriften des 18. Jhs. als pädagogische Reformschriften, Leipzig 1893, p. 45 ff Martin Stecker, Die Erziehungsbestrebungen der deutschen Moralischen Wochenschriften, Diss. Leipzig, Langensalza 1914 Ruth Wies, Das »Journal des Luxus und der Moden« (1786–1827), ein Spiegel kultureller Strömungen der Goethezeit, Wiesbaden 1953 Wolfgang Martens, Die Botschaft der Tugend. Die Aufklärung im Spiegel der deutschen Moralischen Wochenschriften, Stuttgart 1958, p. 520 ff Hugo Langenohl, Die pädagogischen Leitbilder der frühen Moralischen Wochenschriften Deutschlands, In: Paedagogica Historica Bd. 3, Gent 1969, p. 331–352Google Scholar
  23. 23.
    Neben den unter Anm. 22 genannten Titeln ist als Gesamtübersicht besonders wichtig: Helmut König, Zur Geschichte der Nationalerziehung in Deutschland im letzten Drittel des 18. Jhs. (= Monumenta Paedagogica Bd. 1), Berlin 1960Google Scholar
  24. 24.
    Zur Frauenbildung cf Carl Gebauer, Studien zur Geschichte der bürgerlichen Sittenreform des 18. Jhs. Die Reform der häuslichen Erziehung, In: Archiv für Kulturgeschichte, Bd. 20 p. 44 fGoogle Scholar
  25. 25.
    Joachim Heinrich Campe, Vaeterlicher Rath für meine Tochter, Braunschweig 1789, p. 247 fGoogle Scholar
  26. 26.
    Justinus Kerner, Das Bilderbuch aus meiner Knabenzeit, Braunschweig 1849, p. 34 Eine nützliche Bibliographie zeitgenössischer Biographien findet sich im Anhang von Helmut Möller, l. c.Google Scholar
  27. 27.
    »Sie [die Frauen, MLK] stehen zwischen dem Mann und dem Kinde. Einige wenige haben mehr vom Mann und viele mehr vom Kinde, aber die meisten nehmen eine gewisse Mittelstellung ein.« Richard Baxter, zitiert nach Levin Schücking, Die puritanische Familie in literar-soziologischer Sicht, Bern und München 1964, p. 48Google Scholar
  28. 28.
    cf p. 126 dieser ArbeitGoogle Scholar
  29. 29.
    Karl August Wittvogel, Wirtschaftliche Grundlagen der Entwicklung der Familienautorität, In: Autorität und Familie, l. c. p. 517Google Scholar
  30. 30.
    ibid, p. 514Google Scholar
  31. 31.
    cf Herbert Marcuse, Autorität und Familie in der deutschen Soziologie bis 1933, In: Autorität und Familie, l. c. p. 740Google Scholar
  32. 32.
    cf Riehl, l. c. p. 51 und 58, ferner: Alexandra Schlingensiepen, Das Sozialethos der lutherischen Aufklärungstheologie am Vorabend der industriellen Revolution, Diss. Göttingen 1955, p. 183–187Google Scholar
  33. 33.
  34. 34.
  35. 35.
    cf Habermas, l. c. p. 43 fGoogle Scholar
  36. 36.
    Riehl sieht mangelnde Kommunikation der Familienmitglieder untereinander in der veränderten Raumaufteilung gespiegelt: das Familienzimmer als gemeinsamer Aufenthaltsraum werde kleiner und verliere an Bedeutung, »dagegen werden die besonderen Zimmer für einzelne Familienglieder immer zahlreicher und eigentümlicher ausgestattet … Die Vereinsamung des Familiengliedes selbst im Innern des Hauses gilt für vornehm.« Riehl, l. c. p. 104 Genau das Gegenteil behauptet Friedrich Sengle: »Man liest zusammen in der Familie und von dieser Lektüre wird wie von einem Gottesdienst gesprochen.« Friedrich Sengle, Biedermeierzeit. Bd. 1, l. c. p. 58 Obwohl Riehl sicher übertreibt, nimmt m. E. auf der anderen Seite Sengle die in der Literatur (z. B. von Stifter) idealisierte familiäre Kommunikation ohne weiteres für wahr, ohne auf die reale Veränderung der Familienstruktur einzugehen.Google Scholar
  37. 37.
    cf p. 30ff dieser ArbeitGoogle Scholar
  38. 38.
    cf Lehmann, l. c. p. 33 fGoogle Scholar
  39. 39.
    cf Habermas, l. c.Google Scholar
  40. 40.
  41. 41.
    Zwischen 1761 und 1770 gibt es in Preußen 15 Manufakturen mit 26–50 Arbeitern, 4 mit 51–100 und 5 mit über 100 Arbeitern, nach: Wolfgang Jonas, Valentine Linsbauer und Helga Marx, Die Produktivkräfte in der Geschichte 1, Berlin 1969, p. 334 Um 1800 sind noch mindestens vier Fünftel aller Deutschen in der Landwirtschaft tätig, Handwerker sind in Zünften organisiert, nur etwa 0,5 % der Bevölkerung (einschließlich der Familienangehörigen) arbeiten in den wenigen Manufakturen und Fabriken. cf Jürgen Kuczynski, Die Bewegung der deutschen Wirtschaft von 1800–1946, 16 Vorlesungen, 2. Auflage, Meisenheim an der Glan 1948, p. 16–22 und 195 ffGoogle Scholar
  42. 42.
    cf Autorenkollektiv, Geschichte der Erziehung, 9. Auflage Berlin 1969, p. 138Google Scholar
  43. 43.
    cf das auf p. 23 dieser Arbeit wiedergegebene Zitat von WeißeGoogle Scholar
  44. 44.
    Die Unterscheidung der Begriffe »Traditionslenkung« und »Innenlenkung« trifft David Riesman in seinem Werk: D. R., Die einsame Masse, Darmstadt, Berlin und Neuwied 1956 In der Einleitung definiert Helmut Schelsky: »Eine ›traditions-geleitete‹ Gesellschaft lenkt die Einzelindividuen durch überkommene, sehr konkrete, oft kasuistische soziale Werte, die durch ihre institutionelle Veräußerlichung in Sitte, Brauchtum, Zeremoniell usw. auf den Einzelnen in lange gleichbleibenden Situationen einwirken.« Riesman, l. c. p. 12Google Scholar
  45. 45.
    Riesman, der den Wandel der Sozialisationsbeziehungen an die Bevölkerungsbewegung als primärer Ursache gebunden glaubt, setzt die Periode der Internalisierung mit dem Zeitpunkt der Renaissance allerdings m. E. zu früh an. In der Tat sind in der frühbürgerlichen Epoche, z. B. in der dualistischen Leib-Seele-Theorie der Humanisten, bereits Tendenzen in Richtung auf die Etablierung eines inneren Gewissens als wichtigstes Kontrollorgan, und damit auf die Internalisierung von Normen, zu beobachten. Riesman unterschätzt aber die Zähigkeit traditioneller Regelmechanismen, die erst mit der Durchkapitalisierung der Gesellschaft, d. h. der Unterwerfung aller Lebensbereiche unter das Prinzip der Kapitalverwertung, an Wirksamkeit einbüßen. Wie Helmut Möller überzeugend nachweist, bleibt unter den zurückgebliebenen wirtschaftlichen Verhältnissen in Deutschland für die kleinbürgerliche Familie das Sozialisationsmodell der Traditionslenkung bis zur Phase der Industrialisierung bestimmend. Möller, l. c. passimGoogle Scholar
  46. 46.
    cf Renate Schäfer, Die gesellschaftliche Bedingtheit des Fibelinhalts, In: Jahrbuch für Erziehungs- und Schulgeschichte, Jg. 8 und 9, Berlin 1968/69Google Scholar
  47. 47.
    cf Jonas, Linsbauer l. c. p. 15 ffGoogle Scholar
  48. 48.
    Christian Gotthilf Salzmann, Sebastian Kluge, ein Volksbuch, Leipzig 1790, p. 185 und 82, zitiert nach Schlingensiepen, l. c. p. 184 ffGoogle Scholar
  49. 49.
    Bernhard Christian Faust, Wie der Geschlechtstrieb der Menschen in Ordnung zu bringen und wie die Menschen besser und glücklicher zu machen, Braunschweig 1791, p. 72 fGoogle Scholar
  50. 50.
    So wird Lessing siebenjährig in Frack und Perücke dargestellt und sein jüngerer Bruder im Priestertalar. G. Stephan gibt eine anschauliche Darstellung der Kinderkleidung im 18. Jahrhundert: »Da zeigen sich die kleinen Gestalten ganz wie erwachsene Damen herausgeputzt; es fehlen weder die Wespentaille noch die Poschen, diese wulstigen, steifen Taschen um die Hüften zur Aufbauschung des bis auf den Boden herabreichenden Kleidchens. Das Haar trugen die kleinen, wandelnden Glocken, und wenn sie auch erst vier oder fünf Jahre alt waren, bereits modisch frisiert. Als Schutz des gepuderten ›Toupets‹ bedeckte meist noch ein dünnes Häubchen … den Scheitel. Die Füßchen steckten in hohen, unbequemen Stelzenschuhen. Handschuhe und einige Schmuckgegenstände vervollständigten den Aufzug.« G. Stephan, Die häusliche Erziehung in Deutschland während des 18. Jahrhunderts, Wiesbaden 1891, p. 23. Zur Reform der Kinderkleidung Faust, l. c. passim Friedrich Justin Bertuch (ed.), Journal des Luxus und der Moden, Teilnachdruck aus den Bänden 1–10 (1786–1795), Leipzig 1967, p. 145–151 ferner: Ruth Klein, Lexikon der Mode, Baden-Baden 1950, p. 208–211Google Scholar
  51. 51.
    cd Rudolf Schenda, Volk ohne Buch. Studien zur Sozialgeschichte der populären Lesestoffe 1770–1910, Frankfurt/M 1970, p. 75Google Scholar
  52. 52.
    Möller, l. c. p. 256–259 Gebauer (l. c. p. 45) berichtet von der Gewohnheit auch des gehobenen Bürgertums, die Kinder überallhin mitzunehmen. Auch Frank rügt »Das Verlangen der Eltern ihre kleineren Kinder in allen öffentlichen Ergötzlichkeiten durch den Anblick Theil nehmen zu lassen.« Johann Peter Frank, System einer vollständigen medicinischen Polizey, Mannheim 1793, Bd. 2, p. 266Google Scholar
  53. 53.
    Erich Schmidt (ed.), Goethes Werke in sechs Bänden, Bd. 5, Leipzig 1909, p. 24Google Scholar
  54. 54.
    Ein ebenso komisches wie treffendes Bild der angestrebten Umerziehung der Handwerker, deren verkümmernde Entwicklung von autonomen Produzenten zu fremdbestimmten Anhängseln der Maschinerie den ungeheuren psychosozialen Umwälzungsprozeß der kapitalistischen Produktionsweise bezeichnet, entwirft Jean Paul: »Ein Ulrichsschlager klagte über die Handwerksmißbräuche und brachte bei, daß der Professor Hansen erwiesen, daß schon in einer mittelmäßigen Stadt — wie unserer z. B., sagt’ er — bloß durch den blauen Montag in 1 Jahr netto 13 541 Tl. 16 Gr. vor die Hunde gehen. O wenn ich diese Saite höre! ›Meine Herren!‹ (fing ich an) ›das ist nur eine (Verf.) Staats-Bankerutt-Quelle und mehr nicht. Aber ringsum springen die Quellen wie Böcke. Außer der Gesundheit wird durchaus nichts häßlicher verschwendet als ihr Surrogat, die Zeit. Welche entsetzliche Summen kostet einem Land der Schlaf, da es durch strenge Schlaf-Edikte leicht dahin zu bringen wäre, daß es nicht mehr schliefe als jeder Nachtwächter! Werfen wir nicht jährlich wieder 13 541 Tl. 16 Gr. zum Fenster hinaus, daß wir den Sonntag feiern am Tage — da wir wie andere Völker nachts in die Kirche gehen könnten, wo die Dunkelheit die Andacht, und die Schlaf-Karenz die Buße nicht verderben würde? — So muß auch nicht als etwas Kleinliches aus der Unkosten-Rechnung das ausgelassen werden, was das Land jährlich an zwei Personen einbüßet durch Baibieren, indes mit dem Barte der Staat wüchse — und durch Donnerwetter, weil dabei nur die Gebetbücher ergriffen werden — und durch stehende Tischgebete, die man ja sitzend still in sich unter dem Käuen verrichten könnt — und durch fremde Passagiere denen der Staatsbürger durchs Fenster nachsieht, da jeder Narr, der in der Stadt nichts verzehrt und nur durchpassiert, um dieselbe reiten könnte — und besonders durch das allgemeine Müßiggehen und Faulpelzwerk der linken Hand und zweier Füße … Abgerechnet die wenigen Spinner mit zwei Händen — oder die Krippel, die einen guten Fuß schreiben, nicht eigenhändig (m. ppr.), sondern eigenfüßig (p. ppr.) — oder die Wilden, welche mit den Füßen stehlen und außer den langen Fingern und Diebsdaumen noch lange Diebszehen haben und in einem andern Sinn Räuber zu Fuße sind: so tun gerade drei Viertel am Menschen nichts, und er hängt voll Faultiere. Sapperment! kann nicht die Hand oben und der Fuß unten ein paar Handwerke zugleich treiben? Ist der Tanzmeister, indem er unten mit den Füßen das seinige tut, nicht zu gleicher Zeit der größte Spieler oben auf dem Geigelein? Und könnte einer, der von oben herab ein Friseur, Stricker, Wolkenkratzer, Former wäre, nicht zugleich von unten hinauf ein Läufer, Fußlanger, Tretrad-Wandler und Orgel-Balgentreter sein? — Wahrlich, der Staat könnte durch ein strenges Wegschneiden aller dieser Eß-, Bet-, Buß- und Gliederferien dahin hinaufgearbeitet und gezogen werden, daß er ein ordentliches großes Raspel- und Arbeitshaus würde, überall mit emsigem Sitz- und Greiffleisch ausgepolstert, alle darin schwitzend, keuchend, kartätschend, scheuernd und wütend, ohne sich nur umzugucken und ohne sich zu scheren um Lust und Liebe und Himmel und Hölle. — Ulrichsschlager! Ihr seid fast die Leute dazu!« Jean Paul, Komischer Anhang zum Titan. Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch, In: Werke (ed. von Norbert Miller) Bd. 3, München 1969, p. 709 f Besonders der letzte Teil des Zitats weist ironisch auf die Verhaltensnorm hin, von der »Hanns-Guck-in-die-Luft« abweicht. cf hierzu p. 130–134 und 145 f dieser ArbeitGoogle Scholar
  55. 55.
    Möller betont die angeblich psychisch und sozial stabilisierende Wirkung magischer Technologie, da sie eine aktive Haltung auch in kritischen Situationen ermögliche, der der einzelne sonst hilflos gegenüberstehe. Möller, l. c. p. 247Google Scholar
  56. 56.
    »Es ist wahr, man unterscheidet im gemeinen Leben Vornehme und Niedrige, und versteht unter jenen solche Personen, die einen höhern Rang in der bürgerlichen Gesellschaft haben; aber Kinder gehören noch zu keinem Stande, sie treiben noch kein bestimmtes Geschäft, durch welches sie sich Unterhalt verschaffen, Andern nützen und um den Staat verdient machen können, sie haben also keinen Rang und sind nicht über das Gesinde erhaben« Neue moralische Zuckerbrödchen, oder unterhaltende und lehrreiche Erzählungen für die aufblühende Jugend, Leipzig 1811, p. 109 cf hierzu auch p. 33 dieser ArbeitGoogle Scholar
  57. 57.
    Riesman, l. c. p. 79Google Scholar
  58. 58.
    Möller, l. c. passim, vor allem p. 79–99Google Scholar
  59. 59.
    Eine Vereinfachung versucht u. a. das »Journal des Luxus und der Moden« durchzusetzen; der Aufsatz enthält eine Übersicht über die wichtigsten Anredeformen und Titulaturen. l. c. Bd. 1 p. 277–288, cf ferner: Karl Biedermann, Deutschland im 18. Jh. Deutschlands geistige, sittliche und gesellschaftliche Zustände im 18. Jh. 1. Teil, 2. verm. und verb. Auflage Leipzig 1880, p. 512 ffGoogle Scholar
  60. 60.
    Felix Christian Weiße, Der Kinderfreund. Ein Wochenblatt, 17. Teil, Leipzig 1780, p. 26, 49Google Scholar
  61. 61.
    Norbert Elias zitiert im Abschnitt »Über Mittelstand und höfischen Adel in Deutschland« folgende Stelle aus dem »Werther«: »Was mich am meisten neckt, sind die fatalen bürgerlichen Verhältnisse. Zwar weiß ich so gut als einer, wie nötig der Unterschied der Stände ist, wieviel Vorteile er mir selbst verschafft, nur soll er mir nicht eben gerade im Wege stehen.« Elias, l. c. p. 22 fGoogle Scholar
  62. 62.
    cf p. 25, 39 und 161 dieser ArbeitGoogle Scholar
  63. 63.
    cf den Exkurs p. 25–29 ibidGoogle Scholar
  64. 64.
    Das entspricht dem sich ausbreitenden Utilitarismus, der den Menschen ausschließlich nach der Arbeitsleistung bewertet wissen will in der Meinung, daß »jeder Mensch von Natur dazu bestimmt (sei), ein Plusmacher zu sein«, Christian Friedrich Sintenis, Flemmings Geschichte, zitiert nach Schlingensiepen, l. c. p. 49Google Scholar
  65. 65.
    Weiße, Kinderfreund, zitiert nach: Carl Riemann, Das Kind im Wandel der pädagogischen Anschauungen der Aufklärungszeit, Diss. Jena 1933, Düsseldorf 1934, p. 60Google Scholar
  66. 66.
    Christian Fürchtegott Geliert, zitiert nach Riemann, l. c. p. 56Google Scholar
  67. 67.
    John Locke, Einige Gedanken über Erziehung, übersetzt und besorgt von Johann Bernhard Deermann, Paderborn 1967Google Scholar
  68. 68.
    ibid, p. 68Google Scholar
  69. 69.
    Das geschieht vor allem in der Beurteilung der frühen deutschen Kinderliteratur, so äußert z. B. Hobrecker über Campes »Kleine Seelenlehre für Kinder« und »Lavaters Sittenbüchlein für Kinder des Landvolkes«: »beides (sind) literarische Schwerarbeiten, die von Philosophie, Logik, Gesetzeskunde und ähnlichen Kindlichkeiten überfließen. Wir wollen aufatmen in dem Gedanken, daß diese Zeiten der Unnatur überwunden sind.« Karl Hobrecker, Alte vergessene Kinderbücher, Berlin 1924, p. 64 oder Irene Dyhrenfurth-Graebsch, Geschichte des deutschen Jugendbuches Hamburg 1951, in dem Abschnitt über »Das Jugendbuch der Aufklärung«, p. 41–74, passimGoogle Scholar
  70. 70.
    »die Knaben lebten, sei es auch als Dienende, als sozial Abhängige schon sehr früh in dem gleichen gesellschaftlichen Raum, wie die Erwachsenen« Elias, l. c. p. 239 cf außerdem: Hans Boesch, Kinderleben in der deutschen Vergangenheit (= Monographien zur deutschen Kulturgeschichte ed. von Georg Steinhausen, Bd. 5), Leipzig 1900Google Scholar
  71. 71.
    cf p. 22 dieser ArbeitGoogle Scholar
  72. 72.
    cf Renate Schäfer, l. c. p. 23Google Scholar
  73. 73.
    Im 18. Jahrhundert erscheinen zwar für gehobene Ansprüche z. T. sehr kostbar ausgestattete Bilderbibeln, die eine Auswahl für Kinder versprechen, so z. B. als eine der frühesten: »Hübners Biblische Historien, der Jugend zum Besten abgefaßt« (1714), aber sie sind noch nicht wie später von anstößigen ›Stellen‹ gereinigt: »Verwunderlich erscheint heute der naive Freimut, mit dem auch alle Geschichten der Bibel, die nicht gerade für Kinder gedacht sind, wiedergegeben werden. Freilich verschleiern die Auflagen des angehenden 19. Jahrhunderts die allzu offenen Worte der früheren Ausgaben, denn die prüde Zeit des Biedermeier hatte kein Verständnis für Derbheiten.« Dyhrenfurth, l. c. p. 17 cf außerdem: Möller, l. c. p. 250Google Scholar
  74. 74.
    ibid, p. 259 und als besonders aufschlußreiches Beispiel: Karl Philipp Moritz, Anton Reiser. Ein psychologischer Roman, München 1961, p. 73–85 und p. 56–65Google Scholar
  75. 75.
    Riemann, l. c. p. 37Google Scholar
  76. 76.
    Schäfer, l. c. p. 8 ff (2. Teil)Google Scholar
  77. 77.
    Das gilt vor allem für das »Elementarwerk«; so ordnet Basedow an, daß die Kinder gemeinsam mit einem Erzieher pro Tag nur eine Tafel ansehen und den Text dazu lesen und besprechen sollen. cf Johann Bernhard Basedow, Das Elementarwerk, Neudruck von Th. Fritzsch, Leipzig 1909, Bd. 1, p.Google Scholar
  78. 78.
    Zahlreiche Beispiele finden sich in: David Kienzle, The early Comic Strip, Berkeley, Los Angeles, London 1973Google Scholar
  79. 79.
    In größerem Ausmaß zuerst auf den illustrativen Kupferstichen zu Diderots Enzyklopädie; cf: A Diderot pictorial encyclopedia of trades and industry. Manufacturing and the technical arts in plates, selected from ›L’‹ encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers’ (Ausz.) of Denis Diderot, ed. with introduction and notes by Charles Coulston Gillispie, Vol. 1.2., New York 1959Google Scholar
  80. 80.
    cf Margarethe Dierks, Vom Bilderbuch zum Arbeitsbuch. Eine Studie im Auftrag des Instituts für Jugendbuchforschung in Frankfurt am Main, Reutlingen 1965Google Scholar
  81. 81.
    Wichtige Hinweise für die Anlage dieses Abschnitts verdanke ich Norbert Elias, l. c. Neben der »Grobianus«-Ausgabe (cf Anm. 86) stütze ich mich auf folgende Textsammlungen: Thomas Perry Thornton (ed.), Höfische Tischzuchten (= Texte des späten Mittelalters Heft 4), Berlin 1957 und ders., Grobianische Tischzuchten (= Texte … Heft 5), Berlin 1957Google Scholar
  82. 82.
    Elias, l. c. p. 186Google Scholar
  83. 83.
  84. 84.
    Höfische Tischzuchten, l. c. p. 9Google Scholar
  85. 85.
    cf Elias, l. c. p. 89–109Google Scholar
  86. 86.
    »Also muß man diß grob, vnderstendig, hultzen vngehobelt volck, das weder gelerten alten erbarn leuten, noch obern oder verwanten, einiche ehr, vnderthenigkeit, oder reuerentz beweiset … zu weilen loben, vnd wie auch in disem buchlin geschicht, jre sitten vnd weiß sehr rhumen, vns aber darneben bereden … sie möchten sich vor solcher vnform entsetzen, vnd sich dafür huten.« Vorrede zu: Friedrich Dedekinds Grobianis, verdeutscht von Kaspar Scheidt, Abdruck der ersten Ausgabe (1551) Halle (Saale) 1966, p. 5 f (= Neudrucke deutscher Literaturwerke des XVI. und XVII. Jhs. Nr. 34/35)Google Scholar
  87. 87.
    cf p. 28 f dieser ArbeitGoogle Scholar
  88. 88.
    Elias, l. c. p. 186Google Scholar
  89. 89.
    ibid, p. 145–154Google Scholar
  90. 90.
    Höfische Tischzuchten, l. c. p. 46Google Scholar
  91. 91.
    Grobianus, l. c. p. 27 »Schelmen schinder« hat die Bedeutung: Abdecker, Henker, in Norddeutschland auch: Plagegeist und Straßenräuber cf Jakob und Wilhelm Grimm, Deutsches Wörterbuch, Bd. 8, 5. Auflage Gießen 1905, Spalte 2515Google Scholar
  92. 92.
    Grobianus, l. c. p. 27Google Scholar
  93. 93.
    ibid, p. 13Google Scholar
  94. 94.
    Anton Chr. Graf, Der höfliche Schüler, 2. Auflage o. O. 1745, p. 12 fGoogle Scholar
  95. 95.
    Zuckerbrödchen, l. c. p. 154Google Scholar
  96. 96.
    Graf, l. c. p. 13Google Scholar
  97. 97.
    cf Anm. III, 158 und p. 166 dieser ArbeitGoogle Scholar
  98. 98.
    in die Schüssel langen, das Fleisch mit den Händen betasten, schlürfen, Kleider bekleckern, mit der Gabel in den Zähnen stochern, unbeherrschte Gestik und Körperhaltung, Zuckerbrödchen, l. c. p. 17 ff und 152 ffGoogle Scholar
  99. 99.
    Im »Narrenschiff« heißt es im Kapitel »Von groben narren«: »Eyn nuwer Heylig heisßt Grobian / Den will yetzt fyren yederman«, zitiert nach: Paul Günter Krohn, Klaus Gysi, Kurt Böttcher, Günter Albrecht, Joachim Boekh, Geschichte der deutschen Literatur von 1400 bis 1600, Berlin 1960, p. 384Google Scholar
  100. 100.
    Zuckerbrödchen, l. c. p. 154Google Scholar
  101. 101.
  102. 102.
    cf p. 218 dieser ArbeitGoogle Scholar
  103. 103.
    Das wird besonders deutlich an den Puppenhäusern, die das Germanische Nationalmuseum Nürnberg aufbewahrt. Sie sind der Wirklichkeit so genau nachgebildet, daß sich an ihnen in der Tat eine »Kulturgeschichte in nuce« ablesen läßt. Karl Gröber, Juliane Metzger, Kinderspielzeug aus alter Zeit, 2. überarbeitete Auflage Hamburg 1965, p. 58 Gröber zitiert einen Bericht aus dem 18. Jh.: »Bey der Erziehung der Mädgen muß ich der Spiehlsachen gedenken, mit welchen manche spiehlten, biß sie Bräute wurden, nehmlich der sogenannten Dockenhäuser. Darin war alles, was zu einem Hause und zu einer Haußhaltung gehörte, im Kleinen vorgestellt«, ibid, p. 60 Entsprechendes gilt für das militärische und technische Spielzeug der Jungen.Google Scholar
  104. 104.
    cf Anm. V, 138Google Scholar
  105. 105.
    Walter Hornstein, Andreas Flitner, Neue Literatur zur Geschichte des Kindes- und Jugendalters, In: Zeitschrift für Pädagogik, 1965/1, p. 84Google Scholar
  106. 106.
    Friedrich Eberhard v. Rochow, Der Kinderfreund, oder erster Unterricht im Lesen und bey dem Lesen, Brandenburg 1801, p. 5 Ruth Dirx macht darauf aufmerksam, »daß der Mensch … das Kind zunächst nur als Verkleinerung seiner selbst erlebt«. Ruth Dirx, Das Kind das unbekannte Wesen, Geschichte — Soziologie — Pädagogik, Frankfurt/M. 1967, p. 244Google Scholar
  107. 107.
    Dierks, l. c. p. 34Google Scholar
  108. 108.
    Helmut Schelsky in der Einführung zu Riesman, l. c. p. 12Google Scholar
  109. 109.
    Walter Hornstein, Andreas Flitner, Kindheit und Jugend in geschichtlicher Betrachtung, In: Zeitschrift für Pädagogik 1964/4, p. 315 und: Jan Hendrik van den Berg, Metabletica — Über die Wandlung des Menschen. Grundlinien einer historischen Psychologie, dt. Göttingen 1960, p. 32Google Scholar
  110. 110.
    »Die Natur will, daß die Kinder, ehe sie Männer (sic!) werden, Kinder sein sollen … Die Kindheit hat eine nur ihr eigene Art und Weise zu sehen, zu denken, zu empfinden; nichts kann ungereimter sein, als das Bemühen, ihr dafür die unsrige unterzuschieben« Jean Jacques Rousseau, Emil oder über die Erziehung. Aus dem Französischen übersetzt von H. Denhardt, Bd. 1, Leipzig o. J. (um 1880), p. 112 cf Abschnitt V.5 dieser ArbeitGoogle Scholar
  111. 111.
    Hornstein, Flitner, l. c. p. 324Google Scholar
  112. 112.
    Martin Rang, Rousseaus Lehre vom Menschen, Göttingen 1959, p. 344Google Scholar
  113. 113.
    cf Anm. 66Google Scholar
  114. 114.
    Sie finden sich auch bei Rousseau: »Wozu nützt das? Das ist fortan das heilige Wort, das zwischen ihm und mir bei allen Handlungen unseres Lebens allein entscheidende Wort«, l. c. p. 287Google Scholar
  115. 115.
    cf Elis, l. c. p. 173 fGoogle Scholar
  116. 116.
    p. 30 In den »Zuckerbrödchen« wird Unreinlichkeit vor allem armen Leuten zugeschrieben: »Diese armen Menschen waschen sich selten, was sie doch könnten da sie Wasser haben, ziehn sich nicht wie ihr alle Mittwoche und Sonnabende, sondern höchstens alle vier Wochen ein weißes Hemde an, woran freilich oft der Mangel an Wäsche Schuld ist, waschen sich nicht Sonnabends wie ihr den ganzen Körper, baden sich nicht, wie ihr in einer Wanne und im Sommer im vorbeyfließenden Bache, und schlafen in unreinen Betten mit kothigen Füßen, mit welchen sie täglich in der benachbarten Torfgrube herumwandern«, l. c. p. 66Google Scholar
  117. 117.
    »Wer der Mode zuwider handelt, der mißfällt. Und wir müssen lieber einige Beschwerlichkeiten leiden, als vielen guten Menschen mißfallen«, Basedow, l. c. p. 82Google Scholar
  118. 118.
    Biedermann, l. c. p. 510–514Google Scholar
  119. 119.
    zitiert nach Riemann, l. c. p. 87Google Scholar
  120. 120.
    Hornstein, Flitner, Neue Literatur … l. c. p. 68Google Scholar
  121. 121.
    Hornstein, Flitner, Kindheit und Jugend … l. c. p. 318 über gemeinsames Spiel von Kindern und Erwachsenen, außerdem: Eberhard Frh. v. Künßberg, Rechtsbrauch und Kinderspiel, Untersuchungen zur deutschen Rechtsgeschichte und Volkskunde, 2. ergänzte Auflage Heidelberg 1952, passim Künßberg beschreibt die Integration des Spiels in gesellschaftliche Veranstaltungen wie z. B. Flurbegehung, Hinrichtung und andere öffentliche Strafen und nimmt ferner an, daß fast alle Kinderspiele zu früherer Zeit so oder ähnlich von Erwachsenen gespielt wurden. Dafür spricht auch Breughels berühmtes Bild, das Kinder und Erwachsene, die jedoch altersmäßig kaum differenziert dargestellt werden, bei »Kinderspielen« zeigt.Google Scholar
  122. 122.
    v. Rochow, zitiert nach: Geschichte der Erziehung, l. c. p. 198Google Scholar
  123. 123.
    Pädagogische Unterhaltungen, 1775, zitiert nach: Helmut König, l. c. p. 41Google Scholar
  124. 124.
    Kant schreibt 1777 in der »Königsberger Zeitung«: »Wir würden in kurzem ganz andere Menschen um uns sehen, wenn diejenige Erziehungsmethode allgemein in Schwung käme, die aus der Natur selbst gezogen, nicht von der alten Gewohnheit roher und unerfahrener Zeiten sklavisch nachgeahmt wäre. Aber vergebens ist es, dieses Heil des Menschengeschlechts von einer allmählichen Schulverbesserung zu erwarten. Nicht eine langsame Reform, sondern nur eine schnelle Revolution kann das bewirken.« zitiert nach König, l. c. p. 40 fGoogle Scholar
  125. 125.
    zitiert ibid, Anm. 150, p. 41Google Scholar
  126. 126.
    »Die in der Theorie vertretene allgemeine natürliche Gleichheit wird in der kapitalistischen Praxis zur Gleichheit vor dem Gesetze, das sowohl dem Armen wie dem Reichen verbietet, unter dem Brückenbogen zu schlafen, das aber dem Bourgeois vor allem die freie Entfaltung und die Sicherung seines Eigentums garantiert gegenüber denjenigen, die gleich ihm in Besitz der natürlichen Gleichheit sind und durch deren Ausbeutung dieses Eigentum entsteht.« König, l. c. p. 110Google Scholar
  127. 127.
    cf etwa: Carl Ludwig Friedrich Lachmann, Allgemeine Ideen über die einer jeden Menschenklasse Deutschlands zu wünschende Ausbildung und Aufklärung, Leipzig 1790 In das Programm einer beschränkten Aufklärung gehört auch die zu der Zeit einsetzende und das ganze 19. Jh. nicht mehr verstummende Polemik gegen die angebliche »Lesewuth«. Ihren ideologisch-verfälschenden Charakter weist überzeugend Rudolf Schenda (l. c. passim) nach und macht auf hemmende Faktoren wie Zensurgesetze, Analphabetismus, Papierknappheit und allgemeine Armut aufmerksam. Bereits 1787 übertreibt Friedrich Gedicke in bezug auf Kinderbücher: »Keine einzige literarische Manufaktur ist so sehr im Gange als die Büchermacherei für die Jugend nach allen Graduationen und Klassen. Jede Leipziger Sommer- und Wintermesse spült wie die Flut des Meeres eine zahllose Menge Bücher ans Ufer.« zitiert nach: Hermann L. Köster, Geschichte der deutschen Jugendliteratur in Monographien, 4. Auflage Braunschweig, Berlin, Hamburg 1927, p. 385 f Schenda gibt an, daß 1876 (für die Zeit vorher gibt es keine Angaben) in Deutschland 452 Jugendschriften erschienen seien (l. c. p. 84), und man kann annehmen, daß sich die Zahl gegenüber dem Ende des 18. Jhs. vervielfacht hat, so daß sich die »Flut« als ein ziemlich dünnes Rinnsal erweist.Google Scholar
  128. 128.
    Peter Villaume, In: Allgemeine Revision des gesamten Schul- und Erziehungswesens 3. Teil, Wien und Wolfenbüttel 1785Google Scholar
  129. 129.
    ibid, p. 598Google Scholar
  130. 130.
    Karl Marx, Das Kapital, MEW 23, p. 619Google Scholar
  131. 131.
    Schlingensiepen, l. c. p. 59Google Scholar
  132. 132.
    Karl Marx, Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie, MEW 3, p. 394Google Scholar
  133. 133.
    cf Elias, l. c. p. 133 f, 290 f, außerdem Anm. 116 Auch die Scham in sexuellen Dingen wird z. B. noch von Weiße sozial begründet: »Bey gemeinen Leuten, zumal wenn sie von der ganz niedrigen Klasse sind, wundere ich mich weniger. Die Armuth nöthiget oft eine ganze Familie in einem kleinen Verhältnisse beysammen zu stecken, die Gewohnheit sich in ihrer aller Gegenwart an und aus zu kleiden, und der Mangel an hinlänglichen Kleidern, Betten und anderem Geräthe, raubt ihnen die Delikatesse und Bescheidenheit, die man von wohlgezogenen Leuten erwartet, oder diejenige Züchtigkeit, die in der Vorsichtigkeit besteht, alles zu vermeiden, was die Augen gesitteter Menschen beleidigen könnte.« Weiße, l. c. 10. Teil, Leipzig 1778, p. 58Google Scholar
  134. 134.
    cf Kap. VIGoogle Scholar
  135. 135.
    Bevor »Struwwelpeter« auch im Titel erscheint, ist dies der Titel des Bilderbuchs, cf Anm. I,3Google Scholar
  136. 136.
    Eine »vernichtend[e]« Kritik der bisherigen Geschichtsschreibung liefert Walter Scherf, der Direktor der Internationalen Jugendbibliothek in München. Er gibt aus überlegener Kenntnis heraus Schwierigkeiten und Bedingungen eines solchen Unternehmens an, das er jedoch für »eine blanke Unmöglichkeit« hält. Walter Scherf, l. c. p. 158, 167Google Scholar
  137. 137.
  138. 138.
    Dabei muß man natürlich auch die Versuche berücksichtigen, einem sich rasch erweiternden Markt und damit dem Bedürfnis eines Publikums zu entsprechen, das an die Ritter-, Räuber- und Schauergeschichten der zeitgenössischen Trivialliteratur gewöhnt ist. Das betrifft auch die Lektüre der Kinder. Hier bereitet sich das Feld vor für Autoren wie Franz Hoffmann, Gustav Nieritz und Christoph v. Schmid, die moralische Erzählung mit geläufigen Trivialmotiven zu verbinden wissen — cf die Bibliographie im AnhangGoogle Scholar
  139. 139.
    cf Abschnitt V, 5Google Scholar
  140. 140.
    Die ehrfürchtige Haltung gegenüber dem Buch entsteht nach Möller (l. c. p. 259 f) aus der Bibellektüre. So kommt es etwa Ulrich Braeker nicht in den Sinn, »daß ein Mensch ein Buch schreiben könnte, worinn nicht alles pure lautere Wahrheit wäre«. Ulrich Braeker, Der arme Mann im Tockenburg, Berlin 1953, p. 36Google Scholar
  141. 141.
    A. Stein (d. i. Margarethe Wulff), Bildersprache in Erzählungen für Kinder von 8–12 Jahren, 5. Aufl. Berlin o. J. (1. Auflage 1847), p. 18Google Scholar
  142. 142.
    ibid, p. 19Google Scholar
  143. 143.
    Bogeng, l. c. p. 114Google Scholar
  144. 144.
    cf Kap. V, 1–5Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1975

Authors and Affiliations

  • Marie-Luise Könneker

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