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Richard Schaukal »Über die Forderung von sogenannten Gedanken in der Dichtung«

Aus: »Wiener Rundschau«, Jg 3, 1898/99, H. 7, S. 171–173
  • Erich Ruprecht
  • Dieter Bänsch

Zusammenfassung

Einer Erwägung scheint mir der Umstand wert, dass es noch immer zur Kunst in Beziehung stehende Menschen gibt, die durchaus unfähig erscheinen, eine Schöpfung anders als auf ihre Deutlichkeit für den Intellect zu prüfen. Von den zahlreichen Handlangern der sogenannten Kritik will ich hier gar nicht reden, deren jeden besseren Geschmack beleidigende Art, sich mit Dichtungen zu beschäftigen, leider freilich nur allzuviele Bekenner unter den Hörern und Lesern ihrer armseligen Berichte zählt. Fast ausnahmslos ist auch der beliebte Tummelplatz solcher „Referenten“ eine Zeitung, die sich an die Herde wendet, und mit dem Herdengeschmacke zu rechnen, fällt den traurigen Felderhelden umso leichter, als sie selbst niemals in besseren Gehegen zu wandeln auch nur den mindesten Anstand besassen und daher mit dem Hasse und der Verachtung der Unbemittelten an den Gittern vorüber schleichen, hinter denen die Vornehmen und Wohlgeborenen der Kunst sich an der Grazie und Schönheit gemessener Spiele freuen. Sie haben auch ihre Dichter und Maler, diese Pöbelführer und Marktschreier, ein kraftloses Geschlecht öder Epigonen, auf deren schwerfälligen Füssen der Staub vielbereister Strassen liegt. Wenn sie sich nur nicht unterweilen erkühnten, widerstandsunfähige Todte in ihre Kreise zu [S. 172:] beschwören und zu dem Klange tönender Namen ihre literarischen Rüpeltänze aufzuführen. Diese, wie gesagt, anders als mit knappen abweisenden Worten zu erwähnen, verbietet der Ernst meiner Untersuchung.

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Notizen

  1. 2.
    August Graf von Platen (1796–1835) wäre hier etwa darin „Dilettant“, daß er mit überlieferten großen Formideen wie der Pindarschen Ode oder der Ghasele zu wetteifern sucht. Für die „Dichter der italienischen Renaissance“, so Petrarca, Ariost oder Tasso, würde Entsprechendes gelten.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Erich Ruprecht
  • Dieter Bänsch

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