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Alfred Klaar »Die Krisis der Tragödie«

Aus: »Das literarische Echo«, Jg 12, 1909/10, H. 14, Sp. 984–986, 988–989
  • Erich Ruprecht
  • Dieter Bänsch

Zusammenfassung

Wenn ich (…) im Eingang dieser Betrachtung davon gesprochen habe, daß wir vor einer tragischen Krisis der Tragödie zu stehen scheinen und daß der Boden für diese Dichtungsart unfruchtbar zu werden droht, so bezieht sich das weder darauf, daß wir uns nicht mehr an die Forderung einer ausgesprochenen Schuld gegen den Moralkodex klammern, noch auf dem Wechsel in der Vorstellung jener Mächte, vor denen der tragische Held zuletzt die Waffen streckt. Die Schwankungen der Theorie, die sich gegenüber dem Fluß des Lebens nicht behaupten kann, und die Änderungen der Symbole für den tragischen Kampf, die durch die Evolution der Lebensanschauungen bedingt werden, haben bis vor kurzem die tragische Entwicklung nicht berührt. Aber nur bis vor kurzem. Denn in der allerletzten Zeit, nicht in der sogen, naturalistischen, sondern in der neuromantischen Reaktion gegen die bis zur Grellheit getreuen Wirklichkeitsbilder, tritt uns wiederholt, ja mit einer typischen Regelmäßigkeit etwas entgegen, [Sp. 985:] was in der Geschichte der tragischen Dichtung kein Vorbild hat, ja was dem Grundbegriffe der tragischen Wirkung, wie man ihn aus einer jahrtausendelangen Entwicklung abzulösen vermag, derart widerspricht, daß von einer Tragik im überkommenen Sinne nicht mehr die Rede sein kann.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1970

Authors and Affiliations

  • Erich Ruprecht
  • Dieter Bänsch

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