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Rudolf Steiner »Bemerkungen zu dem Aufsatz: ›Der Wert des Monologs‹«

Aus: »Dramaturgische Blätter«, Jg 1, 1898, Nr. 38 [keine Spaltenangabe]
  • Erich Ruprecht
  • Dieter Bänsch

Zusammenfassung

Bemerkungen zu einzelnen Aufsätzen einer Zeitschrift hinzuzufügen, erscheint, vom Standpunkte eines Redakteurs betrachtet, geradezu wie Schulmeisterei auf ein anderes Gebiet übertragen. Ich kann aber nichts dafür, daß mir nach dem Lesen des Aufsatzes „der Wert des Monologs“ etwas einfällt, das mir der Erwähnung wert erscheint. Es scheint mir nämlich, als hätte es einen Künstler gegeben, der Rilkes Worte unterschrieben hätte: „Aber es gibt etwas Mächtigeres als Taten und Worte.“ „Diesem Leben Raum und Recht zu schaffen, scheint mir die vorzügliche Aufgabe des modernen Dramas zu sein. —“ Dieser Künstler ist Richard Wagner. Und er hat das von Rilke aufgeworfene Problem in einer ganz bestimmten Weise zu lösen gesucht. Er meinte, daß dasjenige, was von diesem Leben in Worten nicht ausdrückbar ist, die Sprache der Musik suchen muß. Der Verfasser des obigen Aufsatzes dagegen läßt die Frage, die er aufwirft, unbeantwortet. Ich glaube aber auch noch, daß er die Ausdrucksfähigkeit des Wortes unterschätzt. Im Grunde läßt das Wort noch mehr ahnen, als es klar und deutlich zum Ausdrucke bringt. Und wenn man sich auf diesen tieferen, durch Ahnung zu erreichenden Sinn des Wortes hält, dann kann es —nach meiner Meinung — bis zu den verborgensten Tiefen des Seelenlebens hinweisen. Man darf es dem Worte nicht zum Vorwurfe machen, daß es von den meisten Menschen nicht tief genug genommen wird. Es ist nicht eigentlich selbst eine grobe Zange, sondern eine feine Zange, die zumeist von groben Händen gehandhabt wird. Rilke scheint mir einer von den Kritikern des Wortes zu sein, die dem Worte zurechnen, was eigentlich den — Ohren der Hörenden abgeht.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1970

Authors and Affiliations

  • Erich Ruprecht
  • Dieter Bänsch

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