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*** [Theodor Fontane] »Die gesellschaftliche Stellung der Schriftsteller«

Aus: »Das Magazin für Litteratur«, Jg 60, 1891, Nr. 52, S. 818–819
  • Erich Ruprecht
  • Dieter Bänsch

Zusammenfassung

Wie ist die Stellung des Schriftstellers? — Ich glaube, es herrscht in dieser Frage bei denen, die sie zunächst angeht, eine seltene Einmütigkeit. Die Berühmten und die Unberühmten, Freien und Unfreien, die Romane- und Stückeschreiber, die Journalisten und Essayisten — der armen Lyriker ganz zu geschweigen — alle sind meines Wissens einig darüber: die Stellung eines Schriftstellers ist miserabel. Welchem Lande nach dieser Elendsseite hin der Vortritt gebührt, mag schwer festzustellen sein, doch wird sich vielleicht sagen lassen, daß Preußen-Deutschland immer mit in erster Reihe figurirt hat und erfolgreich bemüht ist, sich auf dieser alten Höhe zu halten. Die, die mit Litteratur und Tagespolitik handeln, werden reich, die, die sie machen, hungern entweder oder schlagen sich durch. Aus diesem Geld-Elend resultirt dann das Schlimmere: der Tintensklave wird geboren. Die für „Freiheit“ arbeiten, stehen in Unfreiheit und sind oft trauriger dran, als der mittelalterliche Hörige.

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Notizen

  1. 3.
    Der Kunstsammler, Lyriker und Übersetzer Adolf Friedrich von Schack (1815–1894) hatte von 1840 bis 1852 als Kammerherr und Legationsrat in Großherzoglich Mecklenburgischen Diensten gestanden; 1855 nahm ihn, als er nach München übersiedelte, König Maximilian II. in seine schöngeistige Tafelrunde auf.Google Scholar
  2. Rudolf Lindau (1829–1910), Reise- und Unterhaltungsschriftsteller für das gebildete Publikum („Erzählungen und Novellen“, 2 Bde., 1873, u.a.), wurde nach dem deutsch-französischen Kriege, an dem er als Prinzenbegleiter teilgenommen hatte, in den diplomatischen Dienst berufen und amtierte Anfang der neunziger Jahre als Geheimer Legationsrat in Berlin.Google Scholar
  3. 4.
    Albert Emil Brachvogel (1824–1878) genoß als Autor des Trauerspiels „Narziß“ (1856) und der kolportagehaften Roman-Biographie „Friedemann Bach“ (1858) eine heute unbegreifliche Wertschätzung. Fontane spielt wahrscheinlich auf die Uraufführung des „Narziß“ durch das Berliner Königliche Schauspielhaus an, die zu dem sensationellen, erst von Sudermanns „Ehre“ übertroffenen Erfolg des Stückes entscheidend beitrug.Google Scholar
  4. Johann Ludwig Hesekiel (1819–1874) veröffentlichte als Redakteur der Leipziger Familienzeitschrift „Die Rosen“ eine Reihe vaterländischer „Preußenlieder“, die Friedrich Wilhelm IV. mit einer Audienz und der Redaktion der Berliner „Neuen Preußischen Zeitung“ honorierte.Google Scholar
  5. 5.
    Ludwig Uhland (1787–1862) wies 1853 den preußischen Orden Pour le mérite und den von Maximilian II. angebotenen bayerischen Verdienstorden für Wissenschaft und Kunst zurück, weil er nach der erzwungenen Auflösung der deutschen Nationalversammlung nicht mit staatlichen Auszeichnungen bedacht sein wollte.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1970

Authors and Affiliations

  • Erich Ruprecht
  • Dieter Bänsch

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