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Ausweitung des Begriffes »Sinn von Sein«

  • Else Buddeberg

Zusammenfassung

Rilke faßt die mit den drei Worten Gott-Liebe-Tod genannten äußersten Bezüge des menschlichen Daseins als Aufgabe. In ihnen trans-zendiert sich das Dasein über seinen nächsten Kreis des In-der-Weltseins hinaus. Um die Lösung einer Aufgabe sorgt man; man besorgt sie; sie will ein Ergebnis haben. Nach dem Charakter dieser hier gestellten Aufgabe muß dieses Ergebnis sinnvoll sein. Wir haben daraus den Schluß zu ziehen: der rein funktionale Begriff »Sorge als Sinn von Sein des Daseins« aus »Sein und Zeit« behält gegenüber Rilke seine Bedeutung zur Kennzeichnung dieser Weise zu sein, in der das Dasein sorgend sein Sein ist. Der Begriff wird da überspielt, wo er aus seiner existenzial-ontologischen Struktur kraft des dynamischen Charakters des Sich-vorweg einen Inhalt ergreift, der als dieser den Anspruch macht, sinnvoll zu sein. In Bezug auf Rilke muß damit dem »Sinn« von Sein eine metaphysische Umfärbung zuerkannt werden. Er liegt bei Rilke da, wo der Ermöglichungscharakter des Sorgens sein »Mögliches« inhaltlich erreicht. Es ist dieser Punkt, an dem sich der Inhalt seines Tuns des Verwandeins im Spätwerk abzeichnet und formulieren läßt. Wenn Heidegger den Menschen als »Hirt des Seins anspricht« (»Brief über den Humanismus«) geht auch bei ihm das Wort »Sinn von Sein« über den exakt-nur-ontologisch-existenzialen Begriff von »Sein und Zeit« hinaus. Denn auch diesem »Hirten« ward ein »Auftrag« erteilt: »Wächterschaft«, »Sorge für das Sein« (Platons Lehre, S. 90 f.). Dieser Auftrag ist zunächst in sich genau so von einer »leeren« Inhaltlichkeit bestimmt wie der Rilke’sche »Auftrag« des »Verwandeins«. Wie das zu bezeichnen ist, was mit dieser so konkretisierten Aufgabe des Menschen als Hirten des Seins bei Heidegger über den nur-exakt-ex-istenzialontologischen Begriff hinausgeht, bleibt vorläufig eine offene Frage. Bei Heideggers Einstellung zur Metaphysik wird er dieser Erweiterung des Begriffes »Sinn von Sein« nicht das Prädikat »metaphysisch« zuerkennen wollen.

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  • Else Buddeberg

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