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Wesen — Wandlung — Gesicht

  • Else Buddeberg
Part of the Sammlung Metzler book series (SAME)

Zusammenfassung

Mit der Vollendung der ‘Elegien’ war Rilke von dem Gefühl erfüllt, eine Epoche seines Lebens und seines Schaffens beschlossen zu haben. Ein Weg von zehn Jahren mündete in dieses Ziel. Nachdem es erreicht worden war, setzte sein Wort von den »ruhigen, gelassenen Arbeiten, menschliche, nicht mehr, die über alles Bürgerliche und Ver-bürgte der Kraft hinausgehen«1, den Schlußstrich. Solche waren es, die nun kommen sollten, so meinte er. Es war geplant worden, mit den ‘Elegien’ diejenigen Gedichte zusammen herauszugeben, die in »ihrem Umkreis« entstanden waren. Dabei wurde dieser Kreis sehr weit gezogen. Er geht zurück bis auf das Jahr 1912 und endete um Mitte Februar 1922 mit den Gedichten, die für die ‘Sonette an Orpheus’ ursprünglich gedacht, dann aber ausgeschlossen worden waren. Eine auch äußerlich sichtbare Zäsur sollte so bezeichnet sein. Jedoch dieses Vorhaben wurde zurückgestellt. Die Gesamt-Ausgabe war in nähere Sicht gekommen, und der größere Teil der von Rilke so zusammengestellten Gedichte ist nun unter dem Titel ‘Fragmentarisches’ ihrem dritten Band eingefügt. Darunter fiel hier schon Erwähntes von großer Schönheit und Vollendung, wie die ‘Die Spanische Trilogie’, das Gedicht ‘An den Engel’, die bedeutsame ‘Wendung’, das die Ängste der Kindheit, aber auch die Verheißung der Kindheit, abbildende Gedicht ‘Laß dir, daß Kindheit war…’, das auch einmal eine Elegie werden wollte. Es gehören dazu die für Rilkes Liebesschicksal so aufschlußreichen großen Liebesgedichte ‘Perlen entrollen’, ‘Du im voraus verlorne Geliebte’ und einzelne Nachtgedichte.

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Anmerkungen

  1. 1.
    mitgeteilt bei Salis, S. 117 f.Google Scholar
  2. 2.
    Ged. S. 66.Google Scholar
  3. 3.
    Ged. S. 150.Google Scholar
  4. 4.
    Später entstanden noch an französischen Versen ‘Les Roses’, ‘Les Fenêtres’, ‘Poèmes épars’ und die Stücke des ‘Carnet de poche’.Google Scholar
  5. 5.
    Bollnow, S. 335 ff. hat an diese französischen Gedichte und die gleichzeitigen deutschen weitreichende Folgerungen geknüpft. Er erblickt in ihnen eine Art Widerruf der zu „existenziellen“ Daseinsdeutung der Elegienstufe. Wenn man Rilke von den ‘Elegien’her verstehen wolle, so sei das geradezu eine Verfälschung seines Bildes. Von Salis und, ihm folgend, von Günther ist dem schon mit Entschiedenheit entgegengetreten. Dem gegenüber bleibt noch der Grund aufzuweisen, in dem die Überbewertung der französischen Gedichte durch Bollnow ihre Wurzel hat. Er ist in der Unterschätzung der Bedeutung zu finden, die er den ‘Elegien’ zuerkennt. Nachdem er an ihnen eine durchaus negative Interpretation vollzogen hat, kann er ihnen und den noch folgenden deutschen bedeutenden Gedichten nur schwer gerecht werden, weil er das in diesen wie in jenen — gewiß mühsam genug erkämpfte — durchaus positive Ziel nicht sieht. Wie kann ein gültiges Rilke-Bild sich darauf aufbauen, die ‘Elegien’ als „ein vorletztes Wort“, dem das letzte, gültige erst nachfolge, anzusehen! Bollnow bezieht die ‘Elegien’ ein in „die Existenzphilosophie“, so wie er sie auffaßt; er deutet diese ebenfalls nur aus der Negativität. Er meint in dem „spätesten“ Rilke „zum mindesten einen Weg (zu sehen), der aus den Schwierigkeiten der Existenzphilosophie in fruchtbare neue Möglichkeiten hinüberzuführen scheint“ (S. 348). Die Elegien-Dichtung hat Rilkes Dasein über ein Jahrzehnt hinaus bestimmt; in sie ist der Ertrag seines einsamen Ringens eingebracht worden; bis zu seinem Tode hat er nicht aufgehört sie anzusehen als das, was ihm aufgegeben worden war. Diese Überzeugung Rilkes als einen Irrtum anzusehen, dem gegenüber die Bedeutung der französischen Gedichte scharf herauszustellen not täte, auch gegen Rilkes eigene Meinung, sucht Bollnow damit zu stützen, daß Rilke z.B. auch die Bedeutung der ‘onette an Orpheus’längere Zeit verkannt habe. Das geht doch wohl nicht an; es erklärt sich zwanglos daraus, daß ihm zunächst das lang gehegte Werk, die Elegien, überwog. Der Befreiung gegenüber, es vollendet zu wissen, traten die ‘Sonette’in den Hintergrund; es bedurfte einiger Zeit, bis er sie in ihrer Bedeutung erkannte. Aber schließlich hat er in dem langen Brief an seinen Übersetzer ausgesprochen (Br. 21/26, S. 333 ff.): sie sind mit den ‘Elegien’»aus der gleichen Geburt«. Wenn er diese unter »dem großen weißen Segel« und jene unter »dem kleinen rostfarbenen« sieht, so entspricht dem durchaus die hier gegebene Darstellung des Zusammenhangs beider Dichtungen: Es bedurfte der großen Kraft des mächtigeren weißen Segels, auf daß auch die glücklichere und mühelosere Fracht unter dem kleineren Segel reisen konnte, — aber sie ist von demselben inneren Gehalt. Nur durfte sie leichter ins Ziel kommen, weil der Weg auch für sie im Kampf der ‘Elegien’ frei geworden war. Denn die ‘Elegien’ sind ja doch nicht nur »Klage«; man kann sie nur dann so fassen, wenn man ihren Sieg und den Jubel darüber nicht erkennt. Angesichts dieses Sieges von einer „trotzig verzweifelten Diesseitsbejahung“ zu sprechen (S. 346), übersieht nicht nur den Gehalt der neunten Elegie, sondern verschließt auch das Ohr vor dem beruhigt-vertrauenden Klang ihrer letzten dreizehn Verse, nachdem die diesen vorangehenden zwei Verse noch einmal in klarerer Entschiedenheit den metaphysischen Ort des menschlichen Daseins benannt hatten. Diese negative Auffassung muß auch den Sinn des Gleichnisses am Ende der zehnten Elegie versäumen: Wie könnte das gelöste Glück des Sich-Fallen-Lassens, das sie aussprechen, am Ende eines vergeblich geführten Kampfes stehen! Es ist nur möglich, nachdem das Ziel erkannt, der Kampf bestritten, der Sinn eingesehen worden war. Nur aus der erkannten Ganzheit von Leben und Tod ist es überhaupt möglich, das uns von den Toten in das Leben hinein ein Gleichnis gereicht werden könnte.Google Scholar
  6. 6.
    Salis, S. 174.Google Scholar
  7. 7.
    z.B. ‘Vorfrühling’, Ged. S.73; »Schon kehrt der Saft aus jener Allgemeinheit…« Ged. S. 154; »Ach, wie ihr heimlich vergeht…« Ged. S. 153; »Wasser berauschen das Land…« Ged. S. 155; »Quellen, sie münden herauf…« Ged. S.157; »Mädchen ordnen dem lockigen…« Ged. S. 161; »Heitres Geschenk…« Ged. S. 162; ‘as kleine Weinjahr’ Ged. S. 279 ff.; ‘Frühling’ Ged. S. 291; ‘Wilder Rosenbusch’ Ged. S. 293.Google Scholar
  8. 8.
    Sie stehen in einem genauen zeitlichen und in einem tiefen geistig-seelischen Zusammenhang zum Dasein und zur Dichtung Rilkes. Dieser ist nicht einfach dadurch zu entkräften, daß man ihren schwereren Klang „ausschließlich auf den Einfluß der immer unerbittlicher hereinbrechenden Krankheit zurückzuführen“ sucht (Bollnow, S. 351).Google Scholar
  9. 9.
    Ged. S.77.Google Scholar
  10. 10.
    Ged. S. 411.Google Scholar
  11. 11.
    In diesem selben Wissen steht auch das Antwortgedicht an seine junge Verehrerin Erika Mitterer, das er im Herbst 1925 schrieb. Die Schlußverse sprechen die gleiche rückhaltlose Bejahung aus: Seligkeit ist nur um den Preis der Gefährdung und ihres Bestanden-Habens: Wir sind ja auch in das, was schreckt und stört, von Anfang an so grenzenlos verpflichtet. Das Tötliche hat immer mitgedichtet: und darum war der Sang so unerhört. (‘Briefwechsel in Gedichten mit Erika Mitterer’, 1951, S. 51.)Google Scholar
  12. 12.
    Br. 21/26, S. 333 ff.Google Scholar
  13. 13.
    In der ‘Zueignung an Merline’, geschrieben »als Arbeits-Anfang eines neuen Winters auf Muzot«, gebraucht Rilke wieder dieses eigenartige Bild von der „Schaukel des Herzens“ (Ged. S. 399; vgl. dazu »Da schwang die Schaukel durch den Schmerz…«, Ged. S. 158). „Abschied“ war auch hier das unverbrüchliche Gesetz gewesen: Wie nahe war ich den Früchten, köstlichen. Aber nicht Bleiben ist im Schwunge der Sinn. Nur das Nahesein, nur am immer zu Hohen plötzlich das mögliche Nahsein. Dieses Nahsein, dieser so erfühlte Sinn ist ein metaphysischer. Wenn dann »die befohlene Umkehr« ruft — und es spannt sich die Schleuder, von der Neugier des Herzens beschwert, in das andere Gegenteil aufwärts so wäre es müßig, hieran die Kategorie menschlicher Unzuverlässigkeit und Treulosigkeit heranzutragen. Auch diese »Neugier« ist die des Übersteigens und der Verwandlung; sie ist nicht zu ersättigen in der Beharrung. Die nun folgenden, auch im Syntaktischen schwierigen Gleichnisse meinen die engste Zusammengehörigkeit des jeweils einen und seines Gegensatzes, — hier im Bilde der Schaukel die beiden einander aufhebenden Halbkreise des Schwunges. Der Vollzug des einen hat den anderen immer schon vorausgesetzt und ist schon immer in ihm enthalten, »in Besitz genommen«: „absence“ und „pre-sence“ in-eins-gesehen, welcher sprachliche Ausdruck des Französischen Rilke vollkommen erschienen war und ihn geradezu begeistert hatte. Die Mühsamkeit dieser Verse zeigt, wie sehr er im Recht war, ein Äquivalent für einen ihm persönlich so notwendig scheinenden Ausdruck in der deutschen Sprache zu vermissen. ‘Da stehen wir mit Spiegeln…’ (Ged. S. 401) ist ein Gegenstück zu dem Gedicht ‘Solang du Selbstgeworfnes fängst…’ (Ged. S. 274). Dieses letztere wurde am Vorabend der ‘Sonette’ und ‘Elegien’ geschrieben und als Widmung gesetzt in den Band ‘Aus der Frühzeit R. M. Rilkes’. Es war eine sublime Selbstabrechnung mit der Unzulänglichkeit des frühen Scharf ens, eine Ahnung, daß das, was er nun kommen fühlte, so ganz anders werden sollte. »Erst wenn du plötzlich Fänger wirst des Balls…« hieß es damals. Jetzt steht das Gegenstück als Widmung in den Elegien und bekennt nun als gelungen, was das Bild vom »Fänger des Balls« für das erst zu Vollendende vorweggenommen hatte. Im späteren Gedicht heißt es: Unsichtbar kommt es durch die Luft, und dennoch, wie ganz der Spiegel ihm begegnet, diesem (in ihm nur völlig Ankunft) diesem Bild, das nur so lang verweilt, bis wir ermessen, mit wieviel Kraft es weiter will, wohin. Die Worte »in ihm nur völlig Ankunft« des späteren Gedichts sind die genaue Entsprechung zu denen des früheren »deiner Mitte, in genau gekonntem Schwung«. Beide Fassungen sind ohne die Überzeugung von der Einmaligkeit und Unersetzbarkeit der Person undenkbar. Worin anders könnte Entelechie sich erweisen als im übersteigenden Bezug, der in seiner Zweiseitigkeit ein Hin-und Zurück, einen Anruf und eine Entsprechung mit der Notwendigkeit metaphysischer Zuordnung offenbart. (Allein diese beiden Gedichte für sich genommen, würden genügen, um Guardinis Vorwurf gegen Rilke, er löse die Personalität auf, zu entkräften.) Wie tief Rilke die Beglückung der Einordnung aus der Unvertretbarkeit des Eigenen durch ein anderes Beliebiges empfand, davon zeugen die Schluß verse: Nur dies. Und dafür war die lange Kindheit, und Not und Neigung und der tiefe Abschied war nur für dieses. Aber dieses lohnt. Die für die treue Freundin seiner Schweizer Jahre verfaßte Widmung: ‘Alle die Stimmen der Bäche…’6 (Ged. S. 402) — eine der schönsten und glücklichsten — feiert »den Kreis«. Dieses beruhigte Symbol ist Rilke immer da nahe, wo die Spannung der dialektischen Situation sich löst, wo Ankunft, Weitergeben und Rückkunft einen vollkommen geschlossenen Bogen beschreibt, wo die Entsprechung gelungen ist. Daß es ein Göttliches binde, hebt sich das Wort zur Beschwörung, aber, statt daß es schwinde, steht es im Glühn der Erhörung singend und unversehrt. Noch einmal wird des Schweigens gedacht (Ged. S. 405), dankbar nun dafür, es fast zehn Jahre lang bestanden zu haben. Dieses Schweigen war die Ermöglichung der gültigen Rede: Schweigen. Wer inniger schwieg, rührt an die Wurzeln der Rede. Dann vermag die Magie des Wortes auch das Böse zu meistern. Es ist dasselbe Wort, das in einem anderen Gedicht aus dem »einst Erfahrnen«, selbst aus dem »Schon-Vergessen« hervorgeht; es steht als Wort des Dichters in einer Geltung, die den Einzelnen übertrifft. Dieses gültige Wort wurde in der Einsamkeit gefunden. Jedoch auch diese hat seine dialektische Entsprechung; sie wendet positiv, was an der Einsamkeit negativ war (Ged. S. 406): Denn der Geist, der uns vereinsamt, will völlig sicher sein, uns zu vereinen. Vollkommen sind die Verse, die Rilke für Hans Carossa gefunden hat (Ged. S. 407); sie stehen in einer besonders glücklichen Bezogenheit zu dem Wesen des mit ihnen beschenkten Dichters: Auch noch Verlieren ist unser; und selbst das Vergessen hat noch Gestalt in dem bleibenden Reich der Verwandlung. Losgelassenes kreist; und sind wir auch selten die Mitte einem der Kreise: sie ziehn um uns die heile Figur. Der Dichter Erfahren in den flutenden Verkehren, die durch die wehrlos dichten Wände ziehn bekennt (Ged. S.408) der Mutter Weras, entschlossen gewesen zu sein, »keine zu entbehren der Stimmen… und sie hielten sich an ihn«. Auch noch in Muzot hatte ihn völlig Unfaßbares bedrängt; die Stimme Weras ist eine unter denen der jugendlich Toten, die in sein Gedicht eingegangen sind. Verse, seinem Übersetzer gewidmet (Ged. S. 409), sprechen vom Wissen, daß hinter allen Sprachen das Unsägliche steht. Aus diesem selben »Unsäglichen« Antwort zu geben jedem, dem geringsten Anruf des Lebens, das sich zu dir kehrt war immer schon das, wozu Rilke sich in seinen Briefen verpflichtet gehalten hatte, und er bekennt, daß es »Gunst, oh Geist, oh unaufhörlich Pfingsten« gewesen ist. Noch einmal entsteht zu den ‘Elegien’ ein bedeutendes Widmungsgedicht: ‘Die welche schläft…’ (Ged. S. 422). Musik wird als die alles Übersteigende gefeiert. Das Thema Musik ist damit wieder aufgenommen [vgl. dazu ‘Bestürz mich, Musik…’ (1913, Ged. S. 60), ‘Musik: Atem der Statuen…’ (1918, Ged. S. 125)]. Diese Verse wurden am 18. Dezember 1925 niedergeschrieben, unmittelbar bevor Rilke, von qualvollem Leiden genötigt, wieder nach Val-Mont ging. So ist dieses Gedicht in seiner rückhaltlosen Bejahung um so bezwingender: Schlag an die Erde: sie klingt stumpf und erden, gedämpft und eingehüllt von unsern Zwecken. Schlag an den Stern: er wird sich dir entdecken! Die zweite Strophe wiederholt noch einmal den Halbvers: »Schlag an den Stern!« — um das Unsichtbare heraufzurufen, das auch den Kosmos verwandelt. Damit verbindet sich der Gedanke von der Eingeschränktheit unserer Sinnlichkeit auf die einzelnen Sinnesgebiete und einer möglichen Aufhebung ihrer Grenzen. Bei der Betrachtung von ‘Ur-Geräusch’ (vgl. hier S. 248 ff.) ist die Bedeutung dieses letzteren Gedankens für Rilkes Weltsicht erörtert worden. Auf der Wanderung durch die Landschaft des Todes in der zehnten Elegie wurde dieser Gedanke, der so abstrakt scheint, mit zwei vollkommenen Versen in ein wunderbares Bild gefaßt: und manchmal schreckt ein Vogel und zieht, flach ihnen fliegend durchs Aufschaun, weithin das schriftliche Bild seines vereinsamten Schreis. So hebt auch das Gedicht ‘Musik’ noch einmal die Grenzen der Sinne gegen einander auf: Töne strahlen. Und was hier Ohr ist ihrem vollen Strome, ist irgendwo auch Auge: diese Dome wölben sich irgendwo im Idealen. Irgendwo steht Musik, wie irgendwo dies Licht in Ohren fällt als fernes Klingen… Für unsre Sinne einzig scheint das so getrennt… Und zwischen dem und jenem Schwingen schwingt namenlos der Überfluß… Was floh in Früchte? Giebt im Kreis des Schmeckens uns seinen Wert? Was teilt ein Duft uns mit? (Was wir auch tun, mit einem jeden Schritt verwischen wir die Grenzen des Entdeckens.)Google Scholar
  14. 14.
    Ged. S. 179.Google Scholar
  15. 15.
    Ged. S. 183.Google Scholar
  16. 16.
    »La sainte loi du contraste« (‘Vergers’ 23) wurde auch in den französischen Gedichten heraufgerufen. Gilt doch sogar von den Blumen: Auch an ihnen zerrt, die uns so seltsam erzieht, diese Zweiheit; noch in dem Leichtesten wecken wir Gegengewicht, in: ‘Von nahendem Regen fast zärtlich verdunkelter Garten…’, Mai 1926, Ged. S. 295; vgl. auch die ‘Elegie an Marina Zwetajewa-Efron’ vom Juni 1926, Ged. S. 429: »O die Verluste ins All…« Sie enthält Verse, die sich bruchlos an die ‘Elegien’ anschließen: … wir tausendmal Frühling, wie Lerchen, die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft. Wir beginnens als Jubel, schon übertrifft es uns völlig; plötzlich, unser Gewicht dreht zur Klage abwärts den Sang. Aber auch so: Klage? Wäre sie nicht: jüngerer Jubel nach unten. Auch die unteren Götter wollen gelobt sein, Marina.Google Scholar
  17. 17.
    ‘Nachthimmel und Sternenfall’, Ged. S. 175: Der Himmel, groß, voll herrlicher Verhaltung, ein Vorrat Raum, ein Übermaß von Welt. Und wir, zu ferne für die Angestaltung, zu nahe für die Abkehr hingestellt.Google Scholar
  18. 18.
    ‘Da schwang die Schaukel durch den Schmerz’, Ged. S. 158, errichtet mit seiner zweiten Strophe ein Bild, das dieser unserer Situation des „Zwischen“ angeboten wird: So laß uns herrlich einen Baum vermuten, der sich aus Riesenwurzeln aufwärtsstammt, durch den unendlich Wind und Vögel fluten und unter dem, im reinen Hirtenamt, die Hirten sannen und die Herden ruhten. Und daß durch ihn die starken Sterne blitzen, macht ihn zur Maske einer ganzen Nacht. Wer reicht aus ihm bis zu den Göttersitzen, da uns sein Wesen schon nachdenklich macht?Google Scholar
  19. 19.
    Ged. S. 82.Google Scholar
  20. 20.
    Ged. S. 163 ff. Von unbeschreiblicher Leichtigkeit ist das erste Gedicht durchweht, das in zweimal vier Versen, das Ganze von Leben und Tod nur soeben leise berührend, aber vollkommen umfassend auszudrük-ken vermag; während das zweite von dunklen Schatten schwarzer Magie umwölkt scheint. Ein Anklang an die »Fragedynastien« des ‘Malte’ — »wer hat denn je geantwortet« — eine Erinnerung an unser Versäumnis, den Tod aus der Lebensmitte in sinnloser Furcht verstoßen zu haben, lebt auf, nur leicht und schwerelos hingesagt mit den ersten zwei Versen des vierten Gedichts: Wir könnten wissen. Leider, wir vermeidens; verstießen lange, was uns nun verstößt. Auch das Symbol des Balles, das Rilke lange und tiefsinnig bewegt hatte, taucht noch einmal in den Kirchhofsgedichten auf, als Grabmal gleichsam, auf einem Kindergrab (das es nicht gibt). Im Sonett an Orpheus war der Ball Todeszeichen: Aber manchmal trat eines, ach ein vergehendes, unter den fallenden Ball — hier liegt er auf der letzten Ruhestätte eines Kindes, das ihn im Leben geworfen, nun in einem goldenen Netz; symbolhaft für ein einst steigendes und nun gefallenes Leben, umschließt es ihn ganzheitlich. Und der, der im Wissen um den Tod all dieses aussagen konnte, bekennt in dem gleichermaßen skurril wie unheimlich sich gebärdenden Gedicht ‘Irrlichter’, geschrieben Mitte Februar 1924, zur Zeit der ‘Vergers’, Ged. S. 88. Auch ich bin dort, wo die Wege nicht gehn, im Schwaden, den mancher mied, und ich habe mich oft verlöschen sehn unter dem Augenlid.Google Scholar
  21. 21.
    ‘Magie’, Anfang August 1924, Ged. S. 174. Aus unbeschreiblicher Verwandlung stammen solche Gebilde-: Fühl! und glaub! Wir leidens oft: zu Asche werden Flammen; doch, in der Kunst: zur Flamme wird der Staub. Hier ist Magie. In das Bereich des Zaubers scheint das gemeine Wort hinaufgestuft… und ist doch wirklich wie der Ruf des Taubers, der nach der unsichtbaren Taube ruft. Diese Magie erlaubt keine Willkür. Das Gedicht ‘Der Magier’ (Ged. S. 76), Februar 1924, unmittelbar nach der Begegnung mit Valéry entstanden und vielleicht ihn meinend, spricht die Gewalt der Beschwörung drohend aus. Der Beschwörende selbst ist in sie eingeschlossen: Doch sein Gesicht, wie mit gedeckten Zeigern, hat Mitternacht. Gebunden ist auch er. Ebenso in der gleichnishaften aufzufassend Gestalt ‘Der Goldschmied’ (vollendet Spätherbst 1925, Ged. S. 89); auch er ist ein Magier; hier ist dasselbe Phänomen gestaltet: Und das Gold, es scheint mit mir verständigt; in der Flamme hab ich es gebändigt, aber reizen muß ichs um den Stein. Und auf einmal, um den Stein zu fassen, schlägt das Raubding mit metallnem Hassen seine Krallen in mich selber ein. Die unaufhebbare Verbindung zum großen Werk entspringt in der Mitte der Existenz des schaffenden Künstlers; das sagen wieder diese Gedichte aus; das Bekenntnis zur Verwandlung ist damit geleistet. Zwei Widmungsstrophen für einen Bildhauer, im August 1924 in die ‘Elegien’ eingeschrieben (Ged. 415), bestätigen es: Unser ist das Wunder vom geballten Wasser, das der Magier vollbracht. Welche Freude, welche Macht, Leben, das dahinstürzt, aufzuhalten! Aber freilich: als bemühte Über sind wir doch nicht Herren der Gewalten; denn nun reißen sie uns dort hinüber, und wir stürzen still in die Gestalten.Google Scholar
  22. 22.
    Ged. S. 81, Oktober 1924.Google Scholar
  23. 23.
    Ged. S. 94: ‘An der sonngewohnten Straße…’ (Juni 1924).Google Scholar
  24. 24.
    Ged. S. 95: ‘Welt war in dem Antlitz der Geliebten’: (Juli 1924).Google Scholar
  25. 25.
    Ged. S.184.Google Scholar
  26. 26.
    Ged. S.188.Google Scholar
  27. 27.
    ‘Narziß’, Ged. S.107, 54; ‘Über die Quelle geneigt’, Ged. S. 275; ‘Fragmente zum Narziß’, GW VI, S. 363 f.; vgl. zum Narziß-Problem auch Lou, S. 350.Google Scholar
  28. 28.
    Ged. S. 78 f.Google Scholar
  29. 29.
    Ged. S. 151.Google Scholar
  30. 30.
    Ged. S. 152.Google Scholar
  31. 31.
    Ged. S. 436.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Else Buddeberg

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