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1922–1926

  • Else Buddeberg
Part of the Sammlung Metzler book series (SAME)

Zusammenfassung

Die Unbewußtheit, in der sich die Produktion der ‘Sonette an Orpheus’ vollzogen hatte, war so tief, daß, nun sie vorlagen, ihre künstlerische Bedeutung von Rilke erst allmählich erkannt wurde1 »So wie damals neben den ersten großen Elegien (auf Duino), in vor- und nachbewegten Nebenstunden, das ‘Marien-Leben’ sich einstellen mochte, so ist diesmal eine Reihe von (etwas über fünfzig) Sonetten entstanden, ‘die Sonette an Orpheus’ genannt.« Wie unangemessen dem dichterischen Wert nach ist allein schon jener Vergleich. Im Ausdruck des Jubels über die Vollendung der ‘Elegien’ an Lou wird der Sonette ebenfalls nur nebenbei Erwähnung getan. Einzig das, vielleicht künstlerisch unvollkommenste Sonett-der »freie glückliche Schimmel mit dem Pflock am Fuß, der uns einmal, gegen Abend, auf einer Wolga-Wiese im Galopp entgegensprang« — nennt er aus rein persönlicher Bewegung in Erinnerung an die mit Lou in Rußland verlebte Zeit. Objektiv betrachtet, ist dieses Sonett vielleicht nur darum wichtig, weil es wieder einmal einen Anlaß bietet, Rilkes Zeitbewußtsein zu erkennen: »Was ist Zeit? — Wann ist Gegenwart? Über so viel Jahre sprang er mir, mit seinem völligen Glück, ins weitoifene Gefühl.« Anfang Juni besucht ihn die Fürstin auf Schloß Muzot; er liest ihr einen Tag die ‘Elegien’ und am anderen Tag alle fünfzig ‘Sonette’ vor. Der Brief, in dem sie Rilke dafür dankt, ist ein sprechendes Zeugnis für die tiefe Verbundenheit, mit der sie dem Dichter der ‘Elegien’ über Jahre des Getrenntseins und des Verstummens gläubig nahe geblieben war. Die Fürstin war es, die durch die Intensität ihres Hören-Könnens Rilke auch die Bedeutung der ‘Sonette’ erst ins Gefühl gab, nachdem sie schon Monate auf seinem Stehpult gelegen, im Ganzen für den Verleger und in einzelnen Stücken von ihm für Freunde abgeschrieben worden waren. Seinen Dank für diesen unbeirrten Glauben der Fürstin an seine Berufung faßt Rilke in die Worte: »Glauben Sie Ihre Aufnehmung hat mir erst die Leistung, die da war, abgeschlossen und reich und beglückend vollendet.« Dieses erfüllte Wiedersehn im Sommer 1922 war wohl der Höhepunkt ihrer beider Freundschaft.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Th. S.700; Lou S. 465; Th. S.716; vgl. auch hinsichtlich der Sonette: Br. 21/26, S.142, 144.Google Scholar
  2. 2.
    Lou S. 469; Br. 21/26, S. 121.Google Scholar
  3. 3.
    Th. S.727.Google Scholar
  4. 4.
    Lou, S. 479 f.Google Scholar
  5. 5.
    Th. S.723.Google Scholar
  6. 6.
    Nölke, S. 95 ff.Google Scholar
  7. 7.
    Salis, S. 137.Google Scholar
  8. 8.
    Th. S.740.Google Scholar
  9. 9.
    Br. 14/21, S. 228 f.; Br. 21/26, S. 161; Lou, S. 477; Th. S. 740, 734; Br. 21/26, S. 157, 178, 193.Google Scholar
  10. 10.
    vgl. Salis, S. 142 ff.; ‘Gedenken und Abschied’ von Valéry in ‘Stimmen der Freunde’, 1931.Google Scholar
  11. 11.
    vgl. über Valéry: E. R. Curtius ‘Französischer Geist im Neuen Europa’, 1925, S. 147–183.Google Scholar
  12. 12.
    Valéry in ‘Stimmen der Freunde’, S. 173.Google Scholar
  13. 13.
    Br. 21/26, S. 49; Lou, S. 477.Google Scholar
  14. 14.
    Lou, S. 458.Google Scholar
  15. 15.
    Ged. S.409.Google Scholar
  16. 16.
    Th. S. 751.Google Scholar
  17. 17.
    Verl. S. 443 f., 445.Google Scholar
  18. 18.
    Th. S. 785 f.Google Scholar
  19. 19.
    auszugsweise mitgeteilt bei Salis, S. 158, u. Anm. 41 auf S. 249.Google Scholar
  20. 20.
    Lou, S. 486,489.Google Scholar
  21. 21.
    Ged. S.70, 283 f.; Verl. S. 454 f.Google Scholar
  22. 22.
    Lou, S. 491.Google Scholar
  23. 23.
    Br. 21/26, S. 299 f.Google Scholar
  24. 24.
    auszugsweise mitgeteilt bei Salis, S. 165.Google Scholar
  25. 25.
    Verl. S. 477, 479; Maurice Betz ‘Rilke in Paris’, 1948, S. 54; tragikomische, aber auch erschütternde Bilder in dem Kapitel: ‘Von Seiten der Prinzessin’, ebda, S. 92 ff.; Verl. S. 480.Google Scholar
  26. 26.
    Maurice Betz, S. 129, nennt einige Namen. Auch solchen, die ihm fern stehen mochten, jungen Schriftstellern aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, vielfach Verstörten, wandte er sich zu und „ahnte in diesen Büchern ein drängendes Streben, eine wachsende Kraft…“Google Scholar
  27. 27.
    Th. S. 819, 829, 833, 834 ff., 836 f. Frau Klossowska lebte in Paris; inwieweit die Unentschlossenheit und die Depression Rilkes mit ihr zusammenhängt, ist nicht ersichtlich.Google Scholar
  28. 28.
    Verl. S. 491 f., 497 f.; die französische Übersetzung erschien bei Émile-Paul Frères in Paris im Oktober 1925.Google Scholar
  29. 29.
    Verl. S. 495; Lou, S.498f.Google Scholar
  30. 30.
    Verl. S. 508,503 f.Google Scholar
  31. 31.
    Salis, S. 209.Google Scholar
  32. 32.
    Th. S. 841.Google Scholar
  33. 33.
    Salis, S. 214.Google Scholar
  34. 34.
    Th. S. 869.Google Scholar
  35. 35.
    an Frau Wunderly, mitgeteilt bei Salis, S. 223.Google Scholar
  36. 36.
    „einem Feenmärchen entstiegen“, nennt André Germain sie; zitiert bei Maurice Betz, S. 188. Vgl. dazu die Anm. 435 auf S. 598 Bd. III und den dort abgedruckten Brief Rilkes an Mme. Nimet Eloui Bey.Google Scholar
  37. 37.
    Salis, S. 200.Google Scholar
  38. 38.
    ‘Stimmen der Freunde’, S. 174.Google Scholar
  39. 39.
    Verl. S. 521.Google Scholar
  40. 40.
    Verl. S. 522.Google Scholar
  41. 41.
    ‘Gedichte in französischer Sprache’, 1949, S. 76.Google Scholar
  42. 42.
    Verl. S. 524.Google Scholar
  43. 43.
    In dem Buch von Salis findet sich, geschöpft aus persönlicher Kenntnis und aus den Mitteilungen der treuen Freundin Frau Wunderly-Volkart sowie aus den Berichten des behandelnden Arztes die Schilderung von Krankheit und Tod Rilkes. Das Folgende stützt sich auf die dort mitgeteilten Tatsachen, S. 226 ff.Google Scholar
  44. 44.
    Lou, S. 640 ff.Google Scholar
  45. 45.
    Br. 21/26, S. 394, 395.Google Scholar
  46. 46.
    Salis, S. 231.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1954

Authors and Affiliations

  • Else Buddeberg

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