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1910–1914

  • Else Buddeberg
Part of the Sammlung Metzler book series (SAME)

Zusammenfassung

Nach dem Diktat des ‘Malte’ im Hause Kippenberg fährt Rilke von Leipzig nach Berlin und hat ein Wiedersehn mit seiner Frau und seiner Tochter. Dabei denkt er unendlich dankbar zurück an »das schöne herzliche Haus, das mir nun eine recht feste Stelle erscheinen will, in allem Beweglichen, Ungewissen«1. Beide Kippenbergs sind bald nach Rilkes Abreise auch in Berlin; im Februar ist Rilke wieder in Leipzig: die Freundschaft ist befestigt; der Buchdruck der ‘Aufzeichnungen’ schreitet voran. Kränkelnd und nervös geht Rilke im März nach Rom; aber im Lesen der Korrekturen freut er sich am Werden des Buches. Er meint, daß es dem ‘Malte’ gut ginge; Clara Rilke und »die Freunde« in Leipzig — wie er jetzt den Verleger und Frau Katharina nennt — sind seine ersten Leser: »er kommt tüchtig zu Herzen«. Im Juni ist das Buch fertig; und Rilke, nun in Paris, hält es in Händen. Die Dankbarkeit für beide Kippenbergs, die diesem Buch »an Überlegung, an verwendeter Erfahrung, an gutem Gewissen… (die) überaus endgültige Ordnung« gegeben haben, ist glücklich und tief2.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Verl. S. 97, 88.Google Scholar
  2. 2.
    Verl. S. 104.Google Scholar
  3. 3.
    Rudolf Kassner ‘Buch der Erinnerung’, 1948, S.308.Google Scholar
  4. 4.
    ebda, S.296.Google Scholar
  5. 5.
    Br. 07/14, S. 133.Google Scholar
  6. 6.
    Kassner ‘Buch der Erinnerung’, S.295.Google Scholar
  7. 7.
    In der ‘Einleitung’ zum ‘Briefwechsel’, S. XXII: steht das vielsagende Wort: „Was man unsere Freundschaft nennen mag…“Google Scholar
  8. 8.
    Br. 21/26, S.394; er gibt ergreifend ins Gefühl, daß Rilke dieses Wort Kassners „Was man unsere Freundschaft nennen mag…“ nie geschrieben haben würde.Google Scholar
  9. 9.
    Bassermann ‘Rilke’, S.466 ff., hat die Tragik im Verhältnis Rilkes zu Kassner sehr klar gesehen. Immer wieder machen es Kassners ‘Erinnerungen’ wider Willen deutlich. Kassner kommt oft auf die ‘Duineser Elegien’ zurück; manche geistreiche Wendung mag zunächst überraschen. Aber auch das verblüffendste Aperçu in seiner sehr einseitigen Richtigkeit — „richtig“ vom Blickpunkt der Kassnerschen Konzeption des eigenen Weltbildes — führt sehr schnell an die Grenze. Wenn es z. B. auf S. 301 heißt, die ‘Duineser Elegien’ gehen „den Weg der Überwindung der Kunst durch die Kunst“, so müßte man, um es einigermaßen zu retten, dem Wort „Kunst“ — wenigstens von Rilke aus gesehen — das erste Mal einen anderen Sinn geben als das zweite Mal. — Die Aufteilung der Welt in „Liebende und Geliebte“, in „Lebendige und Tote“, der Gegensatz von „Seelenwelt und Geistwelt“ (S. 167 f.), die Zugehörigkeit des Verses zu jener und der vollkommenen Prosa zu dieser — alles das in Bezug auf Rilke — klammert im Grunde „den Dichter“ aus der Problematik seiner, unserer Zeit aus. Gerade aber Rilke ist in einem ganz grundsätzlichen Sinn von den allgemeinen Existenz-Nöten der Zeit nicht abzulösen. Das muß auch dann gelten, wenn Rilke nicht die Mittel des dis kursiven Denkens gebrauchte, um der Probleme Herr zu werden. War Rilkes letztes Wort nicht ein Bekenntnis zu »Geist« und »Inbrunst« (10. Aug. 1926, Ged. S.436), also zu Seele und Geist? War Valéry nicht ein Mensch höchstgeschliffener Geistigkeit und schrieb er nicht doch vollkommene Verse? Kassner bekennt sich „primär zu einer Welt des Geistes“; von ihr aus habe er „erst den Zugang zur Seelenwelt finden können“. Aber auch von diesem vermeintlich gefundenen Zugang aus ist Kassner bis zur Abfassung seiner ‘Erinnerungen an R.M. Rilke’ (1926) nicht in die ‘Elegien’ eingetreten. Er ordnet sie ausschließlich der „Seelenwelt“ zu, — aber er fällt das Urteil über sie ausschließlich von seiner „Welt des Geistes“: „In der Welt des Geistes ist die Lehre der ‘Elegien’… falsch. So ist die Welt des Geistes“, — welche Bekräftigung wohl meint, daß man nur in ihr so apodiktisch wie in diesem Ausspruch denken kann. Auch weiterhin braucht Kassner die Kennzeichnung „falsche Idee“. „Eine falsche Idee“ sei es, daß jeder seinen eigenen Tod zu gebären habe; aber Kassner sieht dabei nicht, daß Rilkes Auffassung vom Tode entscheidende Wandlungen durchgemacht hat; daß der spätere Rilke nicht mehr so spricht. Zu diesem Satz muß man sich durchaus nicht zustimmend verhalten, um dem Begriff der Ganzheit von Leben und Tod näher treten zu können. Aber auch diese Ganzheit nennt Kassner in der ‘Einleitung’ eine „fallacy“; diese „fallacy“ „sei Grund, Unterlage einer wundervollen Dichtung“. Dieses „Lob“ wäre — von Rilke aus gesehen — die stärkste Entwertung seiner Dichtung. — Kassner spricht aus der Welt des Geistes von „Dialektik“. Seine Ausführungen lassen aber erkennen, daß der Vollzug dieses besonderen existenziellen Weiterschreitens, den Rilke im Ringen um Einsicht immer wieder mit dem ganzen Einsatz seiner Person geübt hat, überhaupt nicht aufgefaßt wurde. — Die Geschichte des Kassnerschen Satzes: „Von der Innigkeit zur Größe gibt es nur einen Weg: das Opfer“ in ihrer Beider Briefwechsel und in den ‘Erinnerungen’ mit der Wechsel weisen Ungenauigkeit der beiderseitigen Zitierungen (Br. I S. 309, Lou S. 342, ‘Erinnerungen’ S. 296; vgl. dazu Bassermann ‘Rilke’ S.468) ist ungemein aufschlußreich für die geradezu konstitutionelle Gegensätzlichkeit zwischen Kassner und Rilke. Aber wie bemüht bleibt — im Unterschied zu Kassner — — Rilke immer wieder, aus seiner „Seelenwelt“ Kassner zu verstehen und zu bewundern (vgl. Lou, S. 266 f.). — Kassner sagt, Rilke habe nie seinen Begriff der „Umkehr“ verstanden und dawider „eine oft unheimliche Mischung von Kindlichkeit und Per version“ gesetzt, (‘Erinnerung’, S. 169)! Wirkliche Trauer ergreift den Betrachter der Rilke-schen Einsamkeit in diesem Zusammenhang, daß es in der Kassnerschen „Welt des Geistes“ so erschütternde Mißverständnisse geben kann, wie Kassner sie der Zueignung der achten Elegie durch Rilke an ihn hat angedeihen lassen (S. 169). Kassner erblickte in der Widmung nur pronöncierte Abwehr zu seinem eigenen Begriff der „Umkehr“. Das zeigt nicht nur ein völliges Mißverstehen der Elegie selbst, sondern auch, das viel Gravierendere im rein Menschlichen, eine Verkennung der unbedingten Verehrung, die Rilke für Kassner hegte. Welch ein Fehlurteil überdies gegenüber Rilkes Haltung, wenn er eine Dichtung verschenkte! Und doch hatte Kassner einiges zu sagen gewußt über Rilkes „schöne Gabe Geschenke zu machen…“ — In einem späteren Aufsatz Kassners ‘Rainer Maria Rilke zu seinem sechzigsten Geburtstage am 4. Dezember 1935’ (‘Erinnerung’, S. 302 ff.) bekennt Kassner, daß ihm Rilkes Werk „bedeutender, wichtiger und erfüllter denn je“ erschienen sei. Der Ton scheint ein anderer, wenn auch die apodiktischen Urteile die gleichen sind und unbegreiflich Rilkes Stellung zur Psychoanalyse verkannt wird (vgl. Rilkes Äußerungen zur Psychoanalyse: Br. 07/14, S. 167ff., 182 if.; 14/21, 272; Lou, S. 249, 259 ff., 262 ff.). Kassner sagt in dem letzten Aufsatz manches Aufschlußreiche zu Rilkes Raumwelt; sie hat als Korrelat die Geschichtsfremdheit. Aber er schweigt dann wiederum zu Rilkes ganz entscheidendem Durchstoß zum Begreifen der heutigen geschichtlichen Situation, die in den Versen der siebenten Elegie zum Ausdruck kommt: »Immer geringer schwindet das Außen« und den Folgerungen daraus, wie sie für die geistige und die existenzielle Situation der Zeit gezogen werden (vgl. dazu hier das Kapitel über die ‘Duineser Elegien’). In der ‘Einleitung’ zum Briefwechsel mit der Fürstin (1951) ist Ton und Aburteilung gewisser „falscher Ideen“ Rilkes wieder sehr viel schärfer geworden.Google Scholar
  10. 10.
    Th. S. XVIII f.Google Scholar
  11. 11.
    Th. S. XXVI ff.Google Scholar
  12. 12.
    Th. S. XVIII.Google Scholar
  13. 13.
  14. 14.
    Br. 07/14, S.101.Google Scholar
  15. 15.
  16. 16.
  17. 17.
    Einleit. z. Briefw. S. XXXV.Google Scholar
  18. 18.
  19. 19.
    Th. S.39; dazu nach Jahren: Th. S.735.Google Scholar
  20. 20.
    Lou, S.250. »Leider in mir so wenig angepaßten Verhältnissen, daß ich Sitz und Haltung verlor und schließlich nicht anders mitkam als einer, den ein durchgegangenes Pferd abgeworfen hat und auf und ab im Bügel mitreißt«. Und doch haben die Erfahrungen auch dieser Reise sich tief in Rilke eingeprägt. Sie weisen zurück in seine Vergangenheit und vorwärts in die Zukunft seines Schaffens. Wie seltsam vorbestimmt er für die ägyptischen Eindrücke gewesen ist, dazu vgl. den Brief an seine Frau (Br. 06/07, S. 163 ff.), in dem er ihre ägyptischen Erlebnisse gleichsam vorwegnimmt, noch bevor sie selbst die Briefe aus Ägypten an ihn schrieb, durch die er auf eine so bewegende Weise an ihren Erlebnissen dieser fremden Kultur teilnimmt. In einem Brief vom 1. Febr. 1914 (Benvenuta, S. 22 ff.) gibt Rilke eine großartige Schilderung der Nacht, die er in der Wüste angesichts des großen Sphinx verbracht hatte. Sie gipfelt in den folgenden Worten: »Hinter dem Vorsprung der Königshaube an dem Haupte des Sphinx war eine Eule aufgeflogen und hatte langsam, unbeschreiblich hörbar in der reinen Tiefe der Nacht, mit ihrem weichen Flug das Angesicht gestreift: und nun stand auf meinem, von stundenlanger Nachtstille ganz klar gewordenen Gehör der Kontur jener Wange, wie durch ein Wunder eingezeichnet.« In der zehnten Elegie, in der Schilderung einer Landschaft des Todes, wird es einmal heißen »…hinter dem Pschent-Rand hervor, scheucht es die Eule. Und sie,/streifend im langsamen Abstrich die Wange entlang,/jene der reifesten Rundung,/zeichnet weich in das neue / Totengehör, über ein doppelt / aufgeschlagenes Blatt, den unbeschreiblichen Umriß.« ‘Ur-Geräusch’, das einer Aufhebung der Grenzen der Sinne gegen einander nachdenkt, war 1914 noch nicht geschrieben (es entstand 1919 in der Bibliothek von Soglio); aber ‘Erlebnis I und II’ lagen schon vor, die über jede meßbare Sinneserfahrung noch weiter hinausgehen. (Vgl. hier die Ausführungen über die Prosafragmente S. 328 ff.) In den zitierten Versen der zehnten Elegie laufen alle diese durch die Jahre getrennten und doch tief innerlich so eng verbundenen Erfahrungen zum dichtesten künstlerischen Ausdruck zusammen.Google Scholar
  21. 21.
    Verl. S. 112, 119.Google Scholar
  22. 22.
  23. 23.
    Lou, S.253.Google Scholar
  24. 24.
    Th. S.90f., 93, 92, 94.Google Scholar
  25. 25.
    Th. S.64,66.Google Scholar
  26. 26.
    Verl. S. 149.Google Scholar
  27. 27.
  28. 28.
    Br. 07/14, S.168.Google Scholar
  29. 29.
    Th. S.713, 728.Google Scholar
  30. 30.
    Th. S.734.Google Scholar
  31. 31.
    Lou, S.245 ff.Google Scholar
  32. 32.
    Lou, S.246, 255. Br. 07/14, S.112.Google Scholar
  33. 33.
    Br. 07/14, S.128.Google Scholar
  34. 34.
    Th. S. 247.Google Scholar
  35. 35.
    Br. 07/14, S. 185 f.Google Scholar
  36. 36.
    Es wird erst in der zusammengefaßten Darstellung dieses Werkes aufgezeigt werden können, daß die erste und die bald darauf entstandene zweite Elegie den klar erkennbaren Ausgang aus der Negativität umreißen. Mit den beiden ersten Elegien wird der Raum kenntlich werden, in dem das ganze Werk weiter schreitet. Die gründliche Darstellung des ‘Malte’ und der Nach-Malte-Zeit erlaubt die Kontinuität zu erkennen, in dem beide Werke mit ihrem so völlig entgegengesetzten Vorzeichen sich bewegen.Google Scholar
  37. 37.
    Br. 07/14, S. 186. »Ich habe keine Furcht vor dem Krankhaften, denn ich will es nicht festhalten, sondern nur durchmachen und überstehen. Es kommt mir nicht anders vor, als eine traurige Noth der Natur, wieder zum Heilen, Gesunden sich hinauszurechnen durch alle diese krausen Multiplikationen: sie versucht’s wie sie’s kann« (Benvenuta, S. 109).Google Scholar
  38. 38.
    Lou, S.252.Google Scholar
  39. 39.
    Lou, S.277f.; dazu S.284f.Google Scholar
  40. 40.
    Br. 07/14, S. 195 f.Google Scholar
  41. 41.
    Br. 07/14, S.207f.; GW V, S. 65, 66.Google Scholar
  42. 42.
    Br. 14/21, S. 86 f.Google Scholar
  43. 43.
    Br. 07/14, S. 231; es war nicht viel entstanden in den letzten anderthalb Jahren: die Übersetzung des ‘Kentauer’ von Maurice de Guérin (GW VI, S.51 ff.), ‘Die Liebe der Magdalena’ (GW VI, S.71 ff.); das schöne Gedicht ‘Mondnacht’, ‘Judith’s Rückkehr’, beides Juli 1911 (Ged. S.209, 210), das ‘Abendlied’ für die Tochter Ruth (Ged. S.213), drei Gedichte für Lou Andreas-Salomé, die die unauflösliche Bindung über alles Trennende hinweg noch einmal wieder aussagen (Ged. S. 211, 212); einige Fragmente und Ansätze zu den Elegien (Ged. S.214 ff.); ‘Erscheinung’, Frühling 1912 (Ged. S.97 f.).Google Scholar
  44. 44.
    Br. 07/14, S. 186 f.Google Scholar
  45. 45.
    Br. 07/14, S. 176 f.Google Scholar
  46. 46.
    Br. 07/14, S. 204 f. Für seine eigene Kunst gibt Rilke noch einmal eine Begründung seiner Stellung zum Häßlichen, die sich wie eine Rechtfertigung dieser bis „an-das-Äußerste-gehn“ im ‘Malte’ ausnimmt: »Und dann war da das Häßliche. Ich durfte davor nicht stehn bleiben in meiner Kunst, denn es war ja nicht meine Aufgabe, gegen den Dingen über zu sein, sondern: in ihnen drin. Dazu hatte ich ja die Innigkeit, daß ich auch im Häßlichen sei. Ich durfte mich nicht zu dem Aussätzigen legen, die Liebe fehlte mir, der Aussatz wäre unter mir nicht umgeschlagen in sein seliges Gegentheil. Aber ich sollte ganz hinein, dorthin wo des Aussatzes Unschuld war, wo er noch Kindheit hatte; dort mußte ich alle meine Kraft zusammennehmen und stark und dringend sein und ihm das Bewußtsein ausreden, daß er häßlich sei; solange bis er mir glaubte; denn das war seine Schönheit, daß er von sich nichts wußte, — daß er nur war. Und in dieser Schönheit erwarb ich ihn, er ward Ding, er ging ein in die Welt meiner Kunst« (Benvenuta, S. 106). Nachdem Rilke diesen tief in die Ängste und in die Verzweiflungen hineinlotenden Brief geschrieben hatte, sagt er, einen Tag später, das Ganze überlesend, in bemerkenswerter Objektivität vor sich selbst: »… ich bin am Ende auch durch eine gewisse Wendung in meinem Anschaun über den rein lyrischen Bereich hinausgelangt (obwohl eigentlich ein großer Theil meiner Entwicklung darin lag, einzusehn, daß er allumfangend sei, daß die Welt ganz hineingehe-) immerhin, es regt sich ein Drängen zur Gestalt, die einem manches unmittelbar abnähme, es einem, wäre es nur da, gleichsam, aus den Händen risse, es als ihr Eigenthum anerkennend« (Benvenuta, S. 107). Diese Briefe sind vom 16–20. Februar 1914 geschrieben. Man wird sich ihrer zu erinnern haben, wenn hier Rilkes Verhältnis zur Sprache betrachtet wird (S. 381 ff.). Mit diesen Briefen ist ein Schnittpunkt bezeichnet, den auch die Nachtgedichte erkennen lassen, die mit nur zwei Ausnahmen gerade in dem, im Augenblick des Briefes verflossenen Jahr 1913 /14 geschaffen wurden; (vgl. dazu hier S. 301 ff.).Google Scholar
  47. 47.
    Lou, S.249.Google Scholar
  48. 48.
    Br. 07/14, S. 169 f.Google Scholar
  49. 49.
    Lou, S.260, 259; Br. 07/14, S.183.Google Scholar
  50. 50.
    Br. 07/14, S. 183.Google Scholar
  51. 51.
    Lou, S.248.Google Scholar
  52. 52.
    Lou, S.254.Google Scholar
  53. 53.
    Br. 07/14, S.175.Google Scholar
  54. 54.
    Lou, S.248, 253.Google Scholar
  55. 55.
    Br. 07/14, S.191.Google Scholar
  56. 56.
    Lou Andreas-Salomé ‘Rainer Maria Rilke’, S. 77. In der ersten Einsamkeit des Schlößchens Muzot, im Dezember 1921, gibt Rilke eine reife Begründung für sein Einsamkeitsbedürfnis. Es hatte sich gerade wieder dieser eine Konflikt zwischen Liebe und Arbeit ereignet. Ohne diesen zu berühren, schreibt er in ruhiger Objektivität sich selbst gegenüber: »Aber jede ebenbürtige, auf Hülfe gestellte, menschliche oder freundschaftliche Beziehung müßte mir, so wie ich einmal bin, einen Grad von Umfang zumuten, der mir schon gleich wieder zu unabseh-lichen Ausgaben des Gemüts verleitend wäre und zu einer Rivalität gegen die Arbeit führen würde, fast unvermeidlich. Vielleicht ist es nur in diesen Jahren, wo mir so viel Arbeit und Besinnung nachzuholen bleibt, so gefährlich für mich, aber mir wird immer deutlicher, wie ich, wahrhaftig, zwischen Umgang und Arbeit mich zu entscheiden habe, als ob ich tatsächlich nur noch Eines zu geben hätte, das entweder unmittelbar an den Nächsten sich mitteilt, oder aber im Tresor der künstlerischen Gestaltung dauernder und gewissermaßen zu allgemeinerem Gebrauch aufbewahrt bleibt« (Br. II, S.272).Google Scholar
  57. 57.
    Th. S.99; dazu die Gedichte ‘An Marthe Hennebert’: Ged. S. 525, 526.Google Scholar
  58. 58.
    Th. S. 280.Google Scholar
  59. 59.
  60. 60.
    Lou, S. 255 f.Google Scholar
  61. 60a.
    Ged. S. 99 f.Google Scholar
  62. 61.
    Lou, S. 283.Google Scholar
  63. 62.
    Kassner stellt aus seiner Kenntnis auch der Duse Rilke und „diese größte Schauspielerin ihrer Zeit und wahrscheinlich aller Zeiten“ in eine nahe Verwandtschaft zueinander, gewissermaßen aus der seelischen Konstitution; ‘Erinnerungen’, S. 308.Google Scholar
  64. 63.
    Th. S. 170ff., 177 ff., 181 ff., 185 ff.; s. die spätere ausführliche Schilderung dieser Begegnung: Benvenuta, S. 76 f.-Das Gedicht ‘Bildnis’ in ‘Neue Gedichte’ (GW III, S. 201) ist vor der persönlichen Berührung mit der Duse entstanden.Google Scholar
  65. 64.
    Th. S. 196, 200.Google Scholar
  66. 65.
    vgl. dazu das Gedicht ‘Erscheinung’, Ged. S. 97, und die ‘Erinnerungen’ der Fürstin, S.47 f.Google Scholar
  67. 66.
    J. Gebser ‘Rilke in Spanien’, 1940, S. 14 f.Google Scholar
  68. 67.
    Th. S.69; Verl. S.179.Google Scholar
  69. 68.
    Br. 07/14, S.268 f.Google Scholar
  70. 69.
    Th. S.229, 226 f.Google Scholar
  71. 70.
    ‘Requiem für eine Freundin’ (Paula Becker-Modersohn), ‘Requiem für Wolf Graf von Kalckreuth’; GW II, S.319 ff.Google Scholar
  72. 71.
    Th. S.236.Google Scholar
  73. 72.
    Verl. S.55. Zu Rilkes Ablehnung des Selbstmordes als möglichem Ausweg aus einer verzweifelten Situation ist folgende Briefstelle vom Dezember 1913 interessant: »Ich muß gestehen, es sind alle diese unerhörten Verhältnisse, die mir, hier zu sein, bei allem Schmerz, köstlich machen-, und je weiter ich lebe, desto nötiger scheint es mir, auszuhalten, das ganze Diktat des Daseins bis zum Schluß nachzuschreiben; denn es möchte sein, daß erst der letzte Satz jenes kleine, vielleicht unscheinbare Wort enthält, durch welches alles mühsam Erlernte und Unbegriffene sich gegen einen herrlichen Sinn hinüberkehrt. Und wer weiß, ob wir nicht in jenseitigen Verhältnissen irgendwie davon abhängen, daß wir hier zu dem Ende gekommen sind, das uns nun einmal bereitet war; auch ist keine Sicherheit dafür gegeben, daß wir, aus zu großer Müdigkeit von hier hinausflüchtend, drüben nicht vor neuen Leistungen stehen, vor denen sich die Seele, bestürzt und unberufen wie sie ankäme, erst recht beschämt fände« (Br. I, S. 454).Google Scholar
  74. 73.
    GW IV, S.28off.Google Scholar
  75. 74.
    Ihm folgt kurz darauf ‘Erlebnis II’ und die Niederschrift: ‘Eigentlich war er längst frei…’ Beide Fragmente sind im Zusammenhang mit ‘Erlebnis I’ zu betrachten.Google Scholar
  76. 75.
    Ihre besondere Tragweite wird in unserer Biographie unmittelbar vor der Darstellung des im Wallis entstehenden Spätwerkes zu würdigen sein (s. S. 360 ff).Google Scholar
  77. 76.
    Marie Fürstin zu Thum und Taxis-Hohenlohe ‘Erinnerungen an R. M. Rilke’,1933,8.45; ‘Erscheinung’, Ged. S.97.Google Scholar
  78. 77.
    Br. 07/14, S.296 ff.Google Scholar
  79. 78.
    Th. S.318.Google Scholar
  80. 79.
    vgl. dazu das Gedicht ‘Erscheinung’, Ged. S.97.Google Scholar
  81. 80.
    veröffentlicht im ‘Insel-Almanach auf das Jahr 1919’.Google Scholar
  82. 81.
    ‘Erlebnis II’ nicht in GW; man findet es im Anschluß an ‘Erlebnis I’ in AW II, S.267, und außerdem, allerdings falsch eingeordnet, in Br. 21/26, S.310. ‘rlebnis II’ stammt mit ‘rlebnis I’ aus dem Jahr 1913.Google Scholar
  83. 82.
    Der Zusammenhang zum Spätwerk also, in den hier ‘Erlebnis’ gestellt wird, ist nichts anderes als der Schluß aus Rilkes eigenem, sehr ernst und verpflichtend aufgenommenem Wort. Es spricht deutlich aus, daß das Duineser Erlebnis nicht in sich selbst beschlossen bleibt; sein Licht hat gezündet und weit Zurückliegendes erhellt; seine weiterwirkende Kraft ist Same der Zukunft; er liegt heute ausgereift im Spätwerk vor aller Augen. Im folgerichtigen Nachziehen der Linien, die von ‘Erlebnis’ weiter vorwärts weisen, ist auch in die vor ‘Erlebnis’ liegende Vergangenheit zurückzusehen, um die unbeirrbare Kontinuität zu erkennen, in der Schicht und Schicht übereinander die Elemente des Spätwerkes wachsen.Google Scholar
  84. 83.
    Br. 14/21, S. 226.Google Scholar
  85. 84.
    Es folgen nun noch einige schwerverständliche Worte: »und — (der Zwischenraum) — überfüllt davon, wie ein trüber Rauch Gestalt von Gestalt betrog«. Das, was also dieser Zwischenraum an »Verhältnis« (= Verhältnismäßigkeit und wohl auch an konkreten bestehenden oder verlorenen Verhältnissen) »in sich aufsaugte«, soll wohl mit diesen Worten als formlos, unwirklich geworden und unwirksam gemacht, gekennzeichnet werden. In diesen Verhältnissen waltet nun ein gemeinsames Maß (= »Verhältnis«-mäßigkeit) nicht mehr ob. Das Diffuse sich lösender Verhältnisse ohne Verhältnismäßigkeit — so wird wohl zu verstehen sein — »überfüllte« wie »mit einem trüben Rauch« den »Zwischenraum«, in dem Mensch auf Mensch, erkennbar in ihrer Gestalt, auf einander zugehen, wenn ein Verhältnis zwischen ihnen bestehen oder sich bilden soll. Nun aber in der Unverhältnismäßigkeit und Ungemäßheit der sich lösenden Beziehungen war eine scharfe Konturiertheit als Bedingung jeden gestalthaften Verhältnisses aufgehoben.Google Scholar
  86. 86.
    Sie wäre in Parallele zu setzen zu der Positivität des Nichts bei Heidegger.Google Scholar
  87. 86.
    AW II, S. 270 ff.Google Scholar
  88. 87.
    Br. 07/14 S. 111.Google Scholar
  89. 88.
    Die Fürstin wußte es und hat es einmal auf ihre so unsagbar treffende Weise ausgesprochen. Th. S. 254: „Nein… Sie sind kein „Heiliger“ — und wenn sie den ganzen Tag und die ganze Nacht auf Ihre Knie (auf ihre geistigen Knie bien entendu) herum rutschen. Und es ist gut so. — Ein Heiliger hätte niemals die Elegien geschrieben-“.Google Scholar
  90. 89.
    Ged. S.105 f. (14. Jan. 1913).Google Scholar
  91. 90.
    vgl. das Gedicht ‘Es winkt zu Fühlung fast aus allen Dingen’ (1914), Ged. S. 119. Rilkes Konzeption von Ganzheit, von Tod und Leben, schließt auch den Engel in die »Dinge« dieses Gedichtes ein. Der eine, alles umfassende Raum der bewirkenden Wirklichkeit des Menschen ist als »Weltinnenraum« ins Wort gefaßt. In seiner Wirklichkeit stehen auch Mensch und Engel.Google Scholar
  92. 91.
    Der Bedeutungszusammenhang der letzten Strophe ist auf eine doppelte Weise an den hypothetischen Bedingungssatz »wenn du mich nicht fühltest« geknüpft. Dieser Bedingungssatz weist vor und zurück. Da unendlich viel zum Verständnis des Rilkeschen Engels und damit der Situation des Menschen vor der Transzendenz gewonnen wäre, sei eine noch weitergehende, wenn auch barbarische Zerpflückung und Vergröberung der Strophe einmal erlaubt; sie sei vorerst im Zusammenhang abgedruckt: Daß ich lärme, wird an dir nicht lauter, wenn du mich nicht fühltest, weil ich bin. Leuchte, leuchte! Mach mich angeschauter bei den Sternen. Denn ich schwinde hin. Man streiche in den beiden ersten Verse die beiden „nicht“, hebe die Hypothese auf und kehre um: Wenn du mich fühlst, so wird an dir lauter, daß ich lärme, und du wirst mich hören. Damit ist die rückwärtige Verbindung der Bedingung herausgestellt. Die vorwärtsweisende zielt auf das »weil ich bin«: Weil ich bin, fühlst du mich. Wenn du mich aber, aus diesem Grunde, daß ich bin, fühlst, so wirst du mich auch hören.Google Scholar
  93. 92.
    GW IV, S. 285; Lou, S. 435.Google Scholar
  94. 93.
    Der Dichter, in Nachfolge des Sängerheros, verwandelt ins gültige Wort, was er erfährt. Er selbst ist ein Verwandelter, der darum fähig geworden ist, Verwandlungen zu vollziehen. Die Sonette sind, jedes einzelne, ein Zeugnis der Verwandlung, — Verwandlung als kosmisch-metaphysisches Gesetz; und der, der die ‘Sonette’ in der Nachfolge von Orpheus singt, bringt diese Verwandlungen dar. In der Verwandlung zu stehen, das ist die Situation, die der Mensch auf sich zu nehmen hat. Die besondere Aufgabe des Dichters ist es, alles Geschaute und Erfahrene in der künstlerischen Form des Wortgesanges dem Weltinnenraum anzuverwandeln. Will man also das im Prosafragment Verlautbarte in der vollen Bedeutung erkennen, die schon die ganze Diktion ihm zuweist, so sieht man sich getrieben, den Fäden nachzuspüren, die vom Fragment zum Spätwerk führen. Die brieflichen Äußerungen Rilkes sind dafür eine große Hilfe. Man wird den Lohn in einem unmittelbaren Verständnis der ‘Sonette’ gewinnen.Google Scholar
  95. 94.
    vgl. zu dem Wirklichkeitsbegriff und seinem Wahrheitsgehalt bei Rilke, was W. F. Otto in seiner Schrift ‘Gesetz, Urbild und Mythos’, 1951, zu den Erlebnisformen ursprünglicher Zeiten sagt: Der Mythus bringt das Sein der Dinge ans Licht — „als Gestalt“ (S.78), Mythus ist „Wort“ im Sinne des Wirklichen (S. 57).Google Scholar
  96. 95.
    Die Ausführlichkeit, in der die Prosafragmente und das Engelgedicht interpretiert wurden, nimmt in einem zusammengefaßten Anlauf diese Schwierigkeiten vorweg. Der innere Weg dieses Dichterdaseins spiegelt sich darin, und das fast mühelose Begreifen der Hauptwerke Rilkes wird die Frucht dieser eingehenden Betrachtung sein.Google Scholar
  97. 96.
    Ged. S.61.Google Scholar
  98. 97.
    Ged. S.99, 115.Google Scholar
  99. 88.
    W. Günther ‘Weltinnenraum’, 2. Aufl. 1952, S. 125, hat einen Katalog dieser Auffassungen zusammengestellt. Er selbst neigt dazu, in der verlorenen Geliebten vor allem die so lange unerfüllt bleibende Sehnsucht nach der Vollendung der Elegien zu erblicken.Google Scholar
  100. 99.
    Th. S.248.Google Scholar
  101. 100.
    Die ‘Spanische Trilogie’, Ged. S. 101 ff. Das schon erwähnte ‘An den Engel’, Ged. S. 105, ‘Auferwek-kung des Lazarus’, Ged. S.220, ‘Himmelfahrt Mariae I u. II’, Ged. S.218 f.; Gedichtfragmente und Anfänge aus dem Umkreis der Elegien. Über ‘Erlebnis I und II’ und die ‘Niederschrift’ wurde schon gehandelt. Th. S.255, 269.Google Scholar
  102. 101.
    Verl. S.202, 204.Google Scholar
  103. 102.
    Th. S.276; Br. 07/14, S.338.Google Scholar
  104. 103.
    Th, S.276.Google Scholar
  105. 104.
    Br. 07/14, 8.321, 318.Google Scholar
  106. 105.
    Verl. S. 201, 207.Google Scholar
  107. 106.
    Th. S.284.Google Scholar
  108. 107.
    Th. S.254.Google Scholar
  109. 108.
    Rodin hatte Clara Rilke versprochen, daß sie ihn portraitieren dürfe, und dann, nachdem sie schon in Paris war, diese Zusage wieder zurückgezogen. Auch hatte er, im letzten Moment wieder mißtrauisch geworden, Rilke die für eine Neu-Herausgabe des Rodinbuches bestimmten schönen Photographien wieder fortgenommen; Verl. S. 212 f.Google Scholar
  110. 109.
    Verl. S.216, 205, 210, 215.Google Scholar
  111. 110.
    Th. S.294 f.; Lou, S. 299; Th. S. 303 f. Warum hat Lou in ihrem Erinnerungsbuch, das so viel Schaden im Rilkeverständnis angerichtet hat, gerade diese ihr von Rilke mit so überzeugten Worten zugeschriebene Fähigkeit seinem Andenken gegenüber verleugnet?Google Scholar
  112. 111.
    Lou, S.300.Google Scholar
  113. 112.
    Th. S.322, 317.Google Scholar
  114. 113.
    Verl. S.266, 542, Anm. 266. Auch der Plan der Fürstin zerschlug sich dann.Google Scholar
  115. 114.
    GW V, S. 269 f., 271 f.Google Scholar
  116. 115.
    Th. S. 323. Was dann auch geschah; vgl. Verl. S.256: »In den ‘Weißen Blättern’ vom Januar stehen wieder ein paar einfach herrliche Gedichte Werfeis — ich bin wieder ganz, wo ich im Sommer war, und gehe für ihn durch alle Feuer«; ebenso S.268 f. und Th. S.324.Google Scholar
  117. 116.
    Charles du Bos ‘Begegnung mit Rainer Maria Rilke’ in ‘Lancelot’ 1947, Heft 8, S. 58 f. In einem Brief vom Februar 1924 (Br. II, S. 436 f.) in Bezug zu Georges Abwendung von jeder Interpunktion, spricht Rilke »von der hohen göttlichen Geburt eines Georgeschen Gedichts«, die allein es erlaubt, »diese Unterscheidungszeichen (die ja übrigens von sehr unschuldiger Art sind) zu verleugnen«.Google Scholar
  118. 117.
    Th. S.417.Google Scholar
  119. 118.
    Lou, S. 313, 314, 315.Google Scholar
  120. 119.
    Th. S. 323, 321.Google Scholar
  121. 120.
    Lou, S. 315.Google Scholar
  122. 121.
    Ged. S. 465.Google Scholar
  123. 122.
    Th. S.336.Google Scholar
  124. 123.
    André Gide ‘Die Rückkehr des verlorenen Sohnes’, übertragen von Rainer Maria Rilke, 1914, jetzt GW VI, S. 149 ff.Google Scholar
  125. 124.
    Th. S.345.Google Scholar
  126. 125.
    Verl. S.246.Google Scholar
  127. 126.
    Ged. S.223, 465; vgl. dazu hier S. 269 ff.Google Scholar
  128. 127.
    Br. 07/14, BR.329, 333.Google Scholar
  129. 128.
    Lou, S. 322; vgl. zum folgenden: Rainer Maria Rilke ‘Briefwechsel mit Benvenuta’, 1954, S.28, 36, 33, 65 f., 130, 60 f.Google Scholar
  130. 129.
    Ged. S.554 ‘Benvenuta’; Ged. S.336.Google Scholar
  131. 130.
    Br. 07/14, S.207, 186.Google Scholar
  132. 131.
    vgl. ‘Puppen. Zu den Wachspuppen von Lotte Pritzel’, GW IV, S. 265; vgl. dazu Lou, S. 341, 347 f. Rilke besaß farbige Abbildungen dieser Puppen. Für das Folgende: Magda von Hattingberg ‘Rilke und Benvenuta, Ein Buch des Dankes’, 21947, S. 106 f., 202 f., 209.Google Scholar
  133. 132.
    Dieses ‘Buch des Dankes’ von Frau von Hattingberg vergreift sich an den außerordentlichen Briefen Rilkes in einer Weise, daß das Wesentliche in ihnen gerade nicht abgedruckt ist. Das Mitgeteilte aber steht in einem überaus banalen Text, so daß es fast alle Aufschlußkraft und alle Eigenheit in dem tieferen Sinne verliert, der über den Anlaß der sich anbahnenden Beziehung hinaus und tief zurück in Rilkes innere Entwicklung weist. Frau von Hattingbergs souveräne Verfügung über die Briefe Rilkes geht so weit, daß sie das Ganze eines Briefes zerpflückt und seine Teile „aus literarischen Gründen“ (wie Kurt Leonhard entschuldigend in der Veröffentlichung der Originalbriefe schreibt; 1954, Anm. 122) irgendwo einordnet. Sie scheut sich nicht aus diesen Teilen „Gespräche“ zwischen Rilke und ihr zu befrachten, wobei dann freilich die Antworten der Gesprächspartnerin das ihre dazu tun, um diese Zerreißung noch peinlicher zu machen.Google Scholar
  134. 133.
    Th. S.377, 384.Google Scholar
  135. 134.
    Lou, S.332, 334, 333, 339.Google Scholar
  136. 135.
    Th. S.401, 410, 416, 445.Google Scholar
  137. 136.
    Hattingberg ‘Buch des Dankes’, S. 301; zu dem Vorwort von Kurt Leonhard zum ‘Briefwechsel mit Benvenuta’ (1954) können einige Einwände nicht verschwiegen werden: Es heißt, daß das ‘Buch des Dankes’ der Frau von Hattingberg und das nachfolgende Auswahlbänd-chen „infolge bestimmter Umstände einen so unklaren Text (gegeben habe), daß es nunmehr eine dringende Notwendigkeit ist, den vollständigen und reinen Wortlaut zugänglich zu machen“ und „nach den Originalmanuskripten (den) sorgfältig überprüften Text herzustellen“. Diese nach den erst erschienenen Publikationen so sehr erwünschte Garantiererklärung scheint sich aber nicht auf den „dernière lettre“, den „gleichsam testamentarischen Brief“ an Magda von Hattingberg zu beziehen. Warum ist kein Datum genannt? Der Brief wird im Vorwort nach dem ‘Buch des Dankes’ zitiert; zum mindesten ist der Wortlaut, in dem Kurt Leonhard von diesem Brief spricht, so schwebend, daß man nicht schließen darf, die Garantiererklärung für die Authentizität der Pariser Briefe bezöge sich auch auf diesen. Teile dieses „dernière lettre“ muten den aufmerksamen Leser der Originalbriefe — aus anderen Zusammenhängen — durchaus bekannt an. Der ganze Brief aber — oder besser gesagt, die mitgeteilten Auszüge — als ein relativ Ganzes genommen, scheinen dem mit dem Briefwerk Rilkes Vertrauten sehr unrilkisch. Nach den Erfahrungen, die man mit dem ‘Buch des Dankes’ von Frau von Hattingberg machen mußte, ist darum die Frage nicht unberechtigt, ob auch hier wieder „aus literarischen Gründen“ umstilisiert worden ist. Denn die schon erwähnte Anm. 122 spricht nur von der an sich harmlosen Geschichte mit der alten Dame, für die es unerheblich ist, ob sie nun in Gesprächsform oder in Briefform mitgeteilt wurde; denn von beiden Fassungen ist ja Frau von Hattingberg schließlich die Urheberin. Die Anm. 122 erwähnt mit keinem Wort die viel weittragenderen und für ein Verständnis der ganzen inneren Situation so folgenschweren Umdichtungen, die das ganze ‘Buch des Dankes’ durchziehen. — Um der philologischen Treue und um der durch manche unklare Veröffentlichung immer schon so sehr erschwerten Erkenntnis von Rilkes Entwicklungsgang willen drängt sich ein weiterer grundsätzlicher Einwand auf. Kurt Leonhard schreibt: „Kurz vor den Benvenuta-Briefen oder gleichzeitig sind… drei berühmte Fragmente entstanden.“ Er nennt ‘Bestürz mich, Musik’, ‘Du im Voraus Verlorne Geliebte’ und ‘Perlen entrollen’. Nach der peinlich gewissenhaften Chronologisierung von Ernst Zinn (in Ged. 1953, von Kurt Leonhard als „Nachlaßband“ zitiert) sind diese Gedichte entstanden: ‘Bestürz mich, Musik’, Mai 1913; ‘Perlen entrollen’, entworfen Venedig Anfang Juli 1912, vollendet Ende 1912 in Spanien; ‘Du im Voraus verlorne Geliebte’, Winter 1913/14 (vgl. zu dem Vers dieses Gedichts: »Gassen fand ich, — du warst sie gerade gegangen« den Brief an Lou vom 21. Oktober 1913, von seiner kurzen Flucht nach Rouen berichtend: »Wirst Du mirs glauben, daß der Blick einer Vorüberkommenden in einer stillen Gasse Rouens, mich so bewog, daß ich fast nichts sehen konnte hernach, mich für nichts sammeln?« Lou, S. 315 f.). Ferner heißt es: „Gleichzeitig mit den Briefen an Benvenuta setzte Rilke die ‘Gedichte an die Nacht’ fort.“ Die Nachtgedichte gehören in entstehungsmäßigen Zusammenhang zu der spanischen Reise und ihrer Raumerfahrung. Von 22 Nachtgedichten (dazu kommen noch einige Fragmente) sind nur zwei im Februar 1914 entstanden: ‘Hebend die Blicke vom Buch…’ (Ged. S. 113) und ‘Ach aus eines Engels Fühlung falle’ (Ged. S. 242). In diesem letzteren könnte man einen deutlichen Bezug zu Rilkes Hinneigung und „Zurücknehmung“ (vgl. Benvenuta-Briefe, S.33) erkennen: »Strömung zögert, Strömung drängt hinüber, Tiefe wirkt und Hindernis«. Alle anderen Gedichte liegen vor den Briefen an Benvenuta (der erste Brief Rilkes trägt das Datum vom 26. Januar) und zwei der Gedichte 10 Jahre später. Im Interesse einer erst in ihren Anfängen begriffenen Erkenntnis der Zusammenhänge von Leben und Werk Rilkes ist es vielleicht nicht unwichtig, einer neuerlichen Legendenbildung um Benvenuta zuvorzukommen.Google Scholar
  138. 137.
    Br. 07/14, S. 363.Google Scholar
  139. 138.
    Lou, S. 341, 349 f. Es scheint völlig unverständlich, wie man diesem schweren, Rechenschaft ablegenden Gedicht gegenüber sprechen kann von „einem geflügelten Entzücken“, von „euphemistischer Ungefährheit“, von einem „dialektischen Drüber-Hin-Spielen-Wollen, um einer ersten aufdämmernden Einsicht vielleicht noch ausweichen zu können“ (Bassermann, S.64; ähnlich auch Günther, S. 132 und S. 315 Anm. 77). Man vergleiche demgegenüber den Brief an Lou, S. 348 f., und darin das immer wieder bohrende Suchen nach einem Begreifen-Wollen der Zusammenhänge. Wie kann man hier Rilke „erbittlich“ nennen, der unerbittlich mit sich selbst um sein Schaffen ringt. Vgl. auch die neuerliche Veröffentlichung der Benvenuta-Briefe.Google Scholar
  140. 139.
    vgl. Br. 06/07, S. 349.Google Scholar
  141. 140.
    Ged. S.243. Dieses einen halben Tag früher entstandene Gedicht umkreist dieselben Fragen in einer anderen dichterischen Verkleidung: Draußen die Fülle und Kraft des gewalttätigen Lebens und wohl auch der großen Entscheidungen, — das Gegenbild der Waldteich, ein Innenraum, der nur spiegelt; der Dichter aber ist einer, »der beides weiß«. Nachts allein im Zimmer mit »der Kerze kleinem Kreis« wäre das Bild des Teiches und des Sturmmeeres heraufzurufen; aber beides entrinnt. Es ließen sich vielleicht »Blüten denken — jenes Gartens Blüten« — »Blicke, Stimmen, Bücher, ach wer kennt, was in ihm überwiegt«. Dagegen der Waldteich = Mildheit; das Meer = Schrek-ken. Damit sind drei Lebenskreise gezeichnet. Der hier spricht, bittet, daß ihn »eines ganz ergreifen möge« (der Akzent liegt auf dem Wörtchen „ganz“) — aber er weiß, daß dann die »Liebe überwöge«. Jedoch auch in dieser möglichen Entscheidung ist Resignation, denn das letzte Wort ist: »Wo ist einer, der sie kann.« Das Ende zerflattert; das Gedicht streift nur den Kern der gültigeren ‘Wendung’.Google Scholar
  142. 142.
    Lou, S. 352 f.Google Scholar
  143. 143.
    Ged. S. 51Google Scholar
  144. 144.
    Nur so versteht sich die Vision der vollkommenen Liebe am Ende der fünften Elegie und die in der siebenten Elegie immerhin möglich gewordene Liebeserfüllung. Vielleicht ist sie Rilke nur einmal wirklich zuteil geworden; vgl. die »Lettres françaises à Merline 1919–1922«, Paris 1950. Man weiß wenig Einzelheiten, vielleicht vermittelt die in Arbeit befindliche umfassendere Ausgabe dieser Briefe, die leider noch nicht zugänglich war, größere Klarheit.Google Scholar
  145. 145.
    Th. S. 341.Google Scholar
  146. 146.
    Einige wichtigste: ‘Christi Höllenfahrt’, ‘Em-maus’, ‘Winterliche Stanzen’, ‘Sankt Christoforus’, ‘Narziß I u. II’, ‘Hinter den schuldlosen Bäumen…’, ‘Zu der Zeichnung John Keats’, ‘Wie der Abendwind’, ‘Tränen, Tränen, die aus mir brechen…’, ‘Stimme eines Armen an der Hand des Engels’, und vor allem für das Weiterwachsen der Elegien Ende 1913 die ursprüngliche Fassung der zehnten Elegie. Daneben die Michelangelo-Übertragungen.Google Scholar
  147. 147.
    Mit den Datierungen von Ernst Zinn bestätigen sich Zusammenhänge zwischen ihnen nun auch in der zeitlichen Folge ihrer Entstehung, die auf die Entwicklung des Rilke zugehörigen besonderen und sehr eigenständigen Weltgefühls zielen.Google Scholar
  148. 148.
    GW III, S. 418 f. Aus diesen Versen mit dem hin- und zurückschwingenden Übersteigen ist eine Bestätigung abzuleiten dafür, den Engel der Elegien Gestalt der Transzendenz (Gen. subj. und obj.) zu nennen. An dieser Stelle könnte der Engel stehen; aber gerade hier ist er nicht genannt. Dafür steht er in genau der gleichen Spannung in anderen Nachtgedichten.Google Scholar
  149. 149.
    Vgl. dazu das gewissermaßen programmatisch an den Anfang des zweiten Teiles der ‘Sonette an Orpheus’ gesetzte Sonett: »Atmen, du unsichtbares Gedicht!«Google Scholar
  150. 150.
    GW III, S. 417 f.Google Scholar
  151. 151.
    GW III, S. 418; beide Fassungen von 1913; in Ged. einmal S. 56, so wie Rilke Selbstes veröffentlicht hatte; dann S. 230 mit der dritten Strophe, wie er dieses Gedicht verschenkt hatte.Google Scholar
  152. 152.
    GW III, S. 419.Google Scholar
  153. 153.
    GW III, S. 417.Google Scholar
  154. 154.
    GW III, S. 406; Ged. S.44.Google Scholar
  155. 155.
    ‘Der Ball’; GW III, S.251.Google Scholar
  156. 156.
    Das Gedicht ‘Ist Schmerz, sobald an eine neue Schicht…’ (Ged. S.229) ist ausdrücklich den Nachtgedichten zugeordnet; wenn man in den letzten beiden Versen Und doch erkenn ich, besser als die meisten einst Auferstehenden, die Seligkeit als ihren besonderen Gegenstand „Verwandlung“ erkennt: Verwandlung auf der Grundlage der in den ersten Versen vollzogenen Bejahung von Leid und Schmerz, so hat man fortan Verwandlung zu verstehen als den Vollzug im einen identischen Sein, das, im Nachtraum gleichsam sich ausbreitend, vorge-stellt wird. Zu diesem Sein stößt sich das Selbst aus seinen Erfahrungen in einem grenzenüberwindenden Anlauf ab. — Vgl. zu der Bedeutung, die der Nachtraum für Rilkes Weltgefühl hat den Brief an Benvenuta, S. 24 f.: »…daß der Blick auf eine Landschaft, auf das Meer, auf die groß ausgestirnte Nacht uns die Überzeugung von Zusammenhängen und Einverständnissen eingiebt, die wir nicht zu überschauen vermöchten.« Das Gedicht ‘Siehe, Engel fühlen durch den Raum…’ (Ged. S. 234) bezeichnet diesen in den Nachtgedichten umschriebenen Raum als »ihr (der Engel) ausgebildetes Gebiet«. In diesen Versen wird deutlich, daß das Übersteigen als die Seins weise von Dasein durch die magischen Bezüge hindurch und über sie hinaus bis zu dem vorzudringen sucht, was als die Transzendenz gemeinhin bezeichnet wird (das Transzendente). Rilke stellt es seit der ersten Elegie unmißverständlich mit den Engeln dar (vgl. auch ‘O von Gesicht zu Gesicht…’ Ged. S. 239). — ‘So, nun wird es doch der Engel sein’, Ged. S. 236. Man erinnere sich der »un vereinlichsten Kontraste«, erinnere sich dieses Ausdrucks, den Rilke für das Leiden an dem Widerspruch zwischen dem Leben und der großen Arbeit, zwischen menschlich-irdischem Liebesverlangen und dem alles andere absorbierenden Auftrag, dem zukünftigen Werk, gefunden hatte. Der Gegenstand der Elegien ist der Bezug des Menschen zum Transzendenten, verkörpert im Engel. Ihn ruft er hier an. Das erste Wort: »So« — setzt deutlich einen Schlußpunkt in der Auseinandersetzung mit den Unvereinbarkeiten. Auch dieses Gedicht gehört dem Umkreis der Nachtgedichte an. In ihrem Raum, von ihm genährt, ist die Entscheidung ausgesprochen, — wieder einmal, so oft Rilke weiterhin auch gegen sie verstoßen wird. Und wieder wird damit deutlich, daß innerhalb der magisch erfühlten Bezüge ein letzter höchster Bezug — der zum Engel — noch zu gestalten ist. — ‘Einmal nahm ich…’ (Ged. S. 238) spricht die Unbehaustheit dieses Dichters aus in der nur-menschlichen Fühlweise. Er, der mit einer so außergewöhnlichen Fühlfähigkeit begabt ist, nimmt ein geliebtes Gesicht in die Hände und nennt es doch »den Unbegreiflichsten der Gegenstände«; obwohl es sich so willig hinhält, obwohl er ihm ganz offenbar zugewandt ist, gibt es schließlich kein anderes »Wesen in der kalten Nacht, das mir unendlicher entgeht«. Verlust ist die Essenz dieser Verse, die Ende 1913 geschrieben sind. — Im Februar 1914 entsteht: ‘Ach, aus eines Engels Fühlung falle…’ (Ged. S. 242). Ein Engel möge aus seinem Fühlen einen Schein fallen lassen … in dieses Meer auf einem Mond, drin mein Herz, stillringende Koralle, seine jüngsten Zweigungen bewohnt. Dieses seltsame Bild ruft die Vorstellung von Menschenleere und Einsamkeit herauf, in der ein Herz mit neuen Bewegungen und vielleicht mit neuerlichen Hinwendungen ringt. Das wird deutlicher noch ausgesprochen: Strömung zögert, Strömung drängt hinüber, Tiefe wirkt und Hindernis. Wieder ist der Dichter in die »un vereinlichsten Kontraste« gestellt. Und doch hatte er Ende 1913, also ganz kurz vorher, schon diesen selben ewigen Konflikt zu beenden vermeint, als er in schönen, klaren, ganz entschiedenen Versen (Ged. S. 237) ausrief: Hinweg, die ich bat, endlich mein Lächeln zu kosten (ob es kein köstliches wäre), unaufhaltsam genaht hinter den Sternen im Osten wartet der Engel, daß ich mich kläre. Es ist das ein Engel, »den ich nicht lockte, der kam…« Dieser Vers am Ende des Gedichts gibt ganz unmittelbar eine schicksalhafte — mehr noch: eine seinsgemäße — Konstellation ins Gefühl: Der Engelanruf auf Duino verlangt Antwort; sie ist nur mit der ganzen Existenz dessen zu leisten, dem auferlegt ward, sie zu geben.Google Scholar
  157. 157.
    Ged. S. 235.Google Scholar
  158. 158.
    Enge bildliche Entsprechungen bestehen; in ‘Perlen entrollen’ heißt es: »deines hohen mittleren Auftritts…« — dazu das Nachtgedicht: »Deinem großen Aufschaun zu genügen…«. Mit dem, was in ‘Perlen entrollen’ nächtens einströmt, »bild ich ein großes Gesicht« — dazu das Nachtgedicht: stand ich aufwärts, stand und bog mich zurück und lernte die Erkennung. Auch die Verse hier: »Doch du kommst nicht oder kommst zu spät« haben ihre Parallele: Bist du nicht endlich in ihr, Unsägliche? Noch eine Weile, und ich besteh dich nicht mehr… Im anderen Gedicht ist die Geliebte von vornherein eine »im voraus verlorne, Nimmergekommene«.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Else Buddeberg

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