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1875–1902

  • Else Buddeberg
Part of the Sammlung Metzler book series (SAME)

Zusammenfassung

Rainer Maria Rilke kam am 4. Dezember 1875 in Prag zur Welt. Am 19. Dezember wurde er auf den Namen René Karl Wilhelm Josef Maria getauft; erst im Jahre 1896 in München formte er das René seines Namens in Rainer um.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Brief an Phia Rilke, 11. April 1922, Rilke-Archiv.Google Scholar
  2. 2.
    Br. 14/21, S. 399.Google Scholar
  3. 3.
  4. 4.
    Br. 07/14, S. 9.Google Scholar
  5. 5.
    ‘Larenopfer’ (1896) = GW I.Google Scholar
  6. 6.
    GW II, S. 91 f.: ‘Der Sohn’.Google Scholar
  7. 7.
    GW II, S. 32: ‘Der Knabe’.Google Scholar
  8. 8.
    ‘Ephemeriden’ (Prag 1900).Google Scholar
  9. 9.
    Carl Sieber ‘René Rilke’ (1932), S. 86.Google Scholar
  10. 10.
    ‘Die Turnstunde’: GW IV, S. 211 ff.Google Scholar
  11. 11.
    Br. 14/21, S. 350 f.Google Scholar
  12. 12.
    Sieber ‘René Rilke’, S. 85.Google Scholar
  13. 13.
    Br. 06/07, S. 219.Google Scholar
  14. 14.
    Sieber ‘René Rilke’, S.97.Google Scholar
  15. 15.
    ebda, S.101.Google Scholar
  16. 16.
    Th. S.461.Google Scholar
  17. 17.
    z.B. Br. 14/21, S.235; Br.11, S.458 f.Google Scholar
  18. 18.
    ‘Das Familienfest’: Erz. S.7 ff.Google Scholar
  19. 19.
    Erz. S.111 f.: ‘Einig’.Google Scholar
  20. 20.
    Erz. S. 341 f.: ‘Die Letzten’.Google Scholar
  21. 21.
    GW I, S. 243: ‘Mütter’.Google Scholar
  22. 22.
    Lou, S.143.Google Scholar
  23. 23.
    Ged. S.270.Google Scholar
  24. 24.
    Br.14/21, S.360.Google Scholar
  25. 25.
    Sieber ‘René Rilke’, S.94, Anm.63.Google Scholar
  26. 26.
    ebda, S.93 f.Google Scholar
  27. 27.
    ‘Erinnerung’: AW II, S. 271.Google Scholar
  28. 28.
    Br. 14/21, S. 350.Google Scholar
  29. 29.
    GW II, S. 29, 31.Google Scholar
  30. 30.
    GW I, S. 261.Google Scholar
  31. 31.
    GW II, S.32,47.Google Scholar
  32. 32.
    GW III, S. 52.Google Scholar
  33. 33.
    vgl. S. 20 f.; dazu aus Benvenuta, S. 56 f: »Was war es doch? Was war es doch, die Kindheit? Kann man anders nach ihr fragen als mit dieser rathlosen Frage, — was war es-, jenes Brennen, jenes Staunen, jenes ununterbrochene Nichtanderskönnen, jenes süße, jenes tiefe, jenes strahlende Thränenaufsteigenfühlen? Was war es? — Wie durchfuhrs mich, als ich (in der Zeit des Rodinuchs) zuerst beim heiligen Augustinus las: „Wohin sollte sie gegangen sein?“ Ist es möglich, sie wäre wirklich noch da, in uns, die Kindheit, die nicht hatte, wo sie hätte hingehen können, fort von uns? Aber da schwand sie so tief in uns hinein, und wir wandten uns hinüber zu den Dingen der Welt und nun stehen wir da mit fremdlings überfüllten Gesichtern und fragen: was war es? Da wir es lebten, kannten wir’s nicht, wir lebten es auf, wir wußten nicht, wie es hieß; und gerade darum hatten wirs ganz; ganz unerschöpflich…«Google Scholar
  34. 34.
    GW III, S. 54; vgl. dazu den viel späteren Ausdruck des gleichen Gedankens in einem Brief vom August 1920 (Br. 14/21, S. 310 f.): Rilke sieht wieder einmal Spitzen und schreibt… »es verlockt mich, in ihnen das Kunstwerk an sich zu entdecken, d.h. die vollkommene Verwandlung und Verzauberung ihres Hervorbringers, die sich im Werk vollzogen und verklärt hat. Wie sollte man nicht Spitzen so betrachten dürfen, die immer ein Leben für sich gewesen sind, eine Absage und eine schon dafür eingetauschte Freude und Dauer und Unerschöpflichkeit.« Der schon so früh gefaßte Gedanke der engsten Entsprechung von künstlerischer Gestaltung und Verzicht kehrt noch einmal, gleichfalls im Zusammenhang mit den Spitzen, wieder im Gedicht ‘Valangin’, ‘Die vier Kissen der vier Klöpplerinnen…’ (Ged. S. 416), letzte Strophe: »Fast wie Licht in einem lichten Leben,/fast wie schon vom Glück verbrauchtes Licht,/so verschenkt, so sinnlos hingegeben / und so nah schon wieder am Verzicht: / Licht für Spitzen. Klöppellicht.« Derselbe Gedanke in Br. II, S.425 f. (Dez. 1923) in einer entzückten Beschreibung alter Kaschmir-Shawls: »…jeder eine Welt für sich, ja wahrhaftig, jeder ein ganzes Glück, eine ganze Seligkeit und vielleicht ein ganzer Verzicht — … Wie vor Jahren in Paris die Spitzen, so begriff ich plötzlich, vor diesen ausgebreiteten und abgewandelten Geweben, das Wesen des Shawls! Aber es sagen? Wieder ein Fiasko. Nur so vielleicht, nur in den Verwandlungen, die ein greifliches langsames Hand-Werk erlaubt, ergeben sich vollzählige, verschwiegene Äquivalente des Lebens, zu denen die Sprache immer nur umschreibend gelangt, es sei denn, es gelänge ihr ab und zu, im magischen Anruf zu erreichen, daß irgend ein geheimeres Gesicht des Daseins uns, im Raume eines Gedichts zugekehrt bleibt…«Google Scholar
  35. 35.
    GW III, S. 53.Google Scholar
  36. 36.
    Das Gedicht ‘Laß dir, daß Kindheit war…’ ist in Schloß Berg am Irchel im Dezember 1920 entstanden. Der von Ernst Zinn besorgte Band ‘Gedichte 1906–1926’ führt es in der Zweiten Reihe des Ersten Teils (S.126 ff.) auf (‘Fragmentarisches’, zusammengestellt für den geplanten Anhang zu den ‘Duineser Elegien’, Februar 1922); so ist es auch in GW III, S.465 ff., unter ‘Letzte Gedichte und Fragmentarisches’ aufgenommen worden (die frühere Datierung auf den Winter 1913/14 ist aufgegeben worden). Es scheint, daß Rilke dann die Absicht hatte, dieses Fragment zu einer Elegie auszugestalten; die in ‘Gedichte 1906–1926’, S. 586 ff., gegebene Fassung und Bezeichnung als ‘Unvollendete Elegie’ weist darauf hin. Die deutlich fühlbaren Spannungen im letzten Teil des Entwurfs lassen ahnen, daß Rilke die Arbeit an diesen Versen selbst als nicht abgeschlossen betrachtet hatte. Wir wenden uns diesem Gedicht in einiger Ausführlichkeit zu. Es erlaubt, die Betrachtung der Rilkeschen Kindheit zu einem gewissen Abschluß zu bringen. Gleichzeitig ist an ihm, das so viel später entstand, ein Beispiel gegeben für die merkwürdig unterirdische Kontinuität, in der Themen der Rilkeschen Dichtung weiterreifen. Diese Beharrung ist kein eigensinnig-willkürliches Festhalten am einmal aufgegriffenen „Motiv“. Sie ist vielmehr eine Kontinuität im tiefen Grunde der Existenz. So weist dieses Gedicht über sich selbst hinaus in die volle Reife der Elegien-und Sonetten-Stufe; und geht ebenso hinter sich zurück in Zeiten, in denen das Grundwort „Verwandlung“ noch nicht gefunden worden war, — weil in diesen Zeiten die eigene Verwandlung noch nicht einmal versucht werden konnte.Google Scholar
  37. 37.
    vgl. dazu das späte Gedicht ‘Wie die Natur die Wesen überläßt…’, Ged. S.411.Google Scholar
  38. 38.
    Achte Elegie; GW III, S. 295.Google Scholar
  39. 39.
    Vierte Elegie; GW III, S.277.Google Scholar
  40. 40.
    Heidegger ‘Sein und Zeit’ (1929), §§ 30, 40.Google Scholar
  41. 41.
    Rilke selbst hat bei der Bestimmung der zum Umkreis von Elegien und Sonetten zu veröffentlichenden Gedichte das nun Folgende wieder ausgeschaltet. Von den sich anschließenden 24 Versen sind 18 ungemein wichtig, aufschlußreich und auch schön. Nur die letzten sechs sind nicht in Übereinstimmung gesetzt, überschneiden sich zum Teil mit den vorhergehenden und lassen erkennen, daß diese 24 Verse, als relativ Ganzes betrachtet, über den Entwurfscharakter nicht hinausgelangt sind. Wie eng für Rilke das Ding „Puppe“ und ihr Symbolcharakter verknüpft war mit schwersten ungelösten Nöten der Kindheit, das zeigt der Anfang 1914 geschriebene Aufsatz ‘Puppen’: GW IV, S.265 ff.; vgl. dazu die mit Lou Andreas-Salomé gewechselten Briefe: Lou, S. 341, 347 f.Google Scholar
  42. 42.
    Dem Buch von Peter Demetz ‘René Rilkes Prager Jahre’ (1953) verdanken wir eine interessante Schilderung der Atmosphäre Prags in den 80 er und 90 er Jahren des vorigen Jahrhunderts, seiner sozialen und nationalen Vorurteile, des gesellschaftlichen Anspruchs der deutschen Oberschicht und darinnen, widerspruchsvoll zwischen Wollen und Können, der Stellung von Rilkes elterlichem Haus, seiner weiteren Verwandtschaft und all der Spannungen, die Phias Geltungstrieb und des Vaters mehr oder weniger gescheiterte Karriere für die kleine Familie mit sich führte. Das Kapitel IV ‘Traditionen der deutschen Literatur in Böhmen’ ist, über die Milieudarstellungen hinausgehend, wichtig. Wie der Verfasser dann aber die völlig unbegreifliche Behauptung aufstellen kann, daß Rilke immer tiefer und inniger verwachsen sei mit dem Existenzentwurf, den seine Mutter ihm zugedacht hatte, daß er alles das gelebt habe, was Phia zu leben versäumen mußte, ist unverständlich; denn die dem entgegenstehenden Tatsachen sind durch Briefe, Dichtung und Zeugnisse anderer derart erhärtet, daß eine Richtigstellung im einzelnen sich erübrigt. Was Demetz über den Menschen und den Dichter zu sagen weiß, was er über sein Verhältnis zur eigenen und zur Fremdsprache beizubringen hat — und alles das ohne Berücksichtigung dessen, was Rilke selbst zu diesen Fragen ausgesagt hat — ist von einer kaum verborgenen Abneigung bestimmt. Die Stelle aus dem Pariser Brief Rilkes an den Philologen Professor August Sauer (Jan. 1914, Br. I, S. 470 ff.), dessen Förderung sich Rilke in seiner frühen Zeit erfreuen durfte, ist so ausgeschnitten, daß der von Rilke gefühlte Ernst der deutschsprachlichen Situation im alten Österreich, insbesondere in Prag, überhaupt nicht fühlbar wird (S. 202). Rilke spricht hier aus einer tiefen Bewunderung für Stifter, — aber gerade das verschweigt das Zitat. Die tieferen Gründe, aus denen es Rilke immer wieder trieb, den Wurzeln der Sprache nachzugehen, sind nicht bedacht; sie werden nicht anerkannt und z.B. Rilkes Lektüre des von ihm geliebten Grimmschen Wörterbuches nur aus der „Armseligkeit“ seines eigenen (Rilkes) Sprachschatzes gedeutet. Mit welchem Ernst und welcher Verantwortung spricht z.B. der Brief an Ernst Norlind (Frühjahr 1907, Br. 06/07, S. 241 ff.) von der Versuchung, in einer anderen als der Muttersprache den künstlerischen Ausdruck zu suchen: »Aber ich bin dabei auch zu der Einsicht gekommen, daß man diesem Drängen nicht zu sehr nachgeben, vielmehr immer wieder seine Kraft daran setzen muß, in der eigenen Sprache alles zu finden, mit ihr alles zu sagen: denn sie, mit der wir bis tief ins Unbewußte hinein zusammenhängen, und nur sie kann uns, wenn wir uns um sie bemühen, schließlich die Möglichkeit geben, ganz präzise und genau und bestimmt, bis in den Nachklang jedes Nachklangs hinein, unseres Erlebens Endgültigkeit mit ihr darzustellen. Das Material des Schreibenden ist nicht nachgiebiger als das irgend einer anderen Kunst und nicht leichter zu umfassen!« Dadurch ist das Buch genau so unerfreulich, nur nun aus dem umgekehrten Vorzeichen, wie die peinlichen Verhimmelungen vieler Produkte einer sentimentalen Rilke-Schwärmerei, gegen die es sich voll Affekt wendet. Demetz präsentiert sich in der angemaßten Rolle eines Wahrheitsfanatikers, berufen, einem großen Dichter die Maske herunterzureißen, die dieser vermeintlich vor seine moralischen und literarischen Jugendsünden gedeckt habe. Das Motiv zu dem offensichtlichen Ressentiment wird nicht deutlich. Was an Tatsächlichkeiten dabei herauskommt, Rilkes vielseitige Beziehungen seiner frühesten Zeit zu verschiedenen Literaten und auch Dichtern, die Betriebsamkeit seines ersten literarischen Ehrgeizes, war im einzelnen bekannt. Es war aber noch nie mit dieser Akribie der Entwertung zusammengestellt worden. In dem langen Brief an Pongs vom 17. Aug. 1925 (Br. II, S.456 ff.) spricht Rilke von seinen »zeitigsten Publikationen… jenen Versuchen und Improvisationen, von denen ich, ein weniges später, nur wünschen konnte, ich hätte die Überlegung gehabt, sie in meinem Schultisch-Laden zurückzuhalten. Daß sie trotzdem hinausgerieten, ja von mir mit allen Mitteln hinausgedrängt wurden, hat den gleichen Grund, durch den sie mir heute so ungeeignet scheinen, die Anfänge dessen zu bedeuten, was mir nach und nach gelingen sollte. Wenn ich töricht genug war, jene Nichtigkeiten ausspielen zu wollen, so trieb mich dazu der ungeduldige Wunsch, meiner widerstrebenden Umgebung mein Recht auf solche Betätigung zu erweisen–, ein Recht für das, wenn diese Versuche einmal hinausgestellt waren, auch andere namhaft einzutreten sich geneigt zeigen möchten. Ja mehr als alles hoffte ich wohl dieses: in der Öffentlichkeit solche zu finden, die mir helfen könnten, Anschluß an jene geistigen Bewegungen zu gewinnen, von denen ich mich in Prag, selbst unter besseren Umständen, als die meinigen waren, ziemlich ausgeschlossen glaubte. Es ist die einzige Zeit in meinem Leben, da ich nicht innerhalb der Arbeit rang, sondern mit ihren dürftigen Ansätzen nach Anerkennung ausging: dies vor allem wird es wohl sein, was mit sich brachte, daß ich, bald darauf schon, so wie ich (etwa ein Jahr vor der ersten russischen Reise) zum ersten Mal in eine vorläufige Mitte meiner eigentlichen Natur mich eingesetzt fand, mit einer gewissen Beschämung jene Vorzeit verleugnete, obwohl ihr Staub noch auf meinen Büchern lag. Dabei verurteilte ich freilich nur meine eigene Einstellung und vergaß nicht der Hülfen, die mir zuteil geworden waren.« Und nun gedenkt Rilke jener, die schon in Prag sich seiner literarischen Versuche angenommen und der Unterstützung, die er auch von außen aus dem Reich hatte finden dürfen. Er spricht noch seitenlang von dem, was ihm nun erst an Wichtigem und Förderlichen begegnete. Dankbar erkennt er und erkannte er schon damals an, daß ihm von wohlmeinenden und reiferen Autoren manches in die Hand gegeben wurde, oft in der stillschweigenden Aufforderung, sich selbst zu einer strengeren Erarbeitung des Künstlerischen zu erziehen. — Die moralischen Urteile über die „Selbststilisierungen“ eines Jugendlichen — nach Demetz’ Meinung habe sie der spätere Rilke fortgesetzt — entbehren jeder schlüssigen Begründung. Wenn man sich, um unbewiesene und entwertende Behauptungen aufzustellen, dem erschütternden Eindruck der Prosafragmente ‘Die Turnstunde’ und ‘Erinnerung’, sowie des späteren Briefes an seinen ehemaligen Deutschlehrer hart verschließen kann, so ist wohl die Vermutung erlaubt, daß hier unausdeutbare Affekte eine Objektivität der Darstellung verhindert haben. Das Demetzsche Buch will in erster Linie einen Mythos zerstören. Die seitenlangen scharfen, ja hämischen Aussetzungen an den Ungeformtheiten und Verblasenheiten der frühen Produktion dienen vorwiegend diesem Zweck und nicht einer literarischen Kritik. Mit einer solchen wären nur offene Türen einzurennen gewesen; denn über den Unwert dieser Erzeugnisse ist man sich durchaus einig. Wenn es gegolten hätte, den jungen Rilke in seiner dichterischen Unzulänglichkeit und seinem unruhigen Ehrgeiz darzustellen, — warum hat der Verfasser sich dann nicht die Kritik zu eigen gemacht, die Rilke selbst — und nicht nur im hier zitierten Brief — unnachsichtig geübt hat? Daß dieser unberatene junge Mensch aus der Ungeformtheit und richtunglosen Sentimentalität seiner Anfänge herausfand, ist das allein Bemerkenswerte, und das umso mehr, als er den Stachel dazu in sich selber fand. Denn dem kritischen Leser von heute ist die freundliche Anerkennung, die diesen Erzeugnissen entgegengebracht wurde, fast unbegreiflich; sie hätte ihn schließlich dabei beharren lassen können, wenn er eben nicht der Dichter des ‘Malte’, der ‘Neuen Gedichte’ und des Spätwerkes geworden wäre. Dieser einzig entscheidende Aspekt liegt dem Buch in seiner indiskreten und grundsätzlich entwertenden Haltung völlig fern.Google Scholar
  43. 43.
    Erz. S. 301 ff.Google Scholar
  44. 44.
    Lou, S. 18.Google Scholar
  45. 45.
    Lou, S. 21.Google Scholar
  46. 46.
    Lou, S. 26; der ‘Lebensrückblick’ von Lou Andreas-Salomé (Max Niehans Verlag, Zürich, und Insel-Verlag, Wiesbaden 1951) bestätigt es ausdrücklich.Google Scholar
  47. 47.
    Bis jetzt wurde das eben zitierte Gedicht als aus glühendem Gottverlangen entstanden gedeutet.Google Scholar
  48. 48.
    ‘Lebensrückblick’, S. 139 ff. und S. 173 ff.Google Scholar
  49. 49.
    Tgb. S. 15 ff.Google Scholar
  50. 50.
    Tgb. S. 38, 48.Google Scholar
  51. 51.
    Tgb. S. 354: »Vielleicht bin ich mehr als nur Beter. Vielleicht ist eine Art Priestertum mir aufgetragen…«Google Scholar
  52. 52.
    Die ersten Ansätze einer Formulierung des werdenden Gottes s. Tbg. S. 353: »Daß er nicht vollendet sei. Wann sollte er auch geworden sein?«Google Scholar
  53. 53.
    Tgb. S. 140.Google Scholar
  54. 54.
    Zu dem Irrtum Lous über die Entstehung des ersten Teiles des ‘Stunden-Buches’ vgl. die Anmerkung zu S. 179 im ‘Lebensrückblick’ auf S.356.Google Scholar
  55. 55.
    Tgb. S.133; Lou, S. 34.Google Scholar
  56. 56.
    Tgb. S. 135; Lou, S.34.Google Scholar
  57. 57.
    Tgb. S.134, 135 ff.Google Scholar
  58. 58.
    Tgb. S.138.Google Scholar
  59. 59.
    Es entstanden: das erste Buch des ‘Stunden-Buches’: ‘Das Buch vom mönchischem Leben’ in der Zeit vom 20. Sept. bis 14. Okt. 1899; GW II. Etwas später entstanden die ‘Geschichten vom lieben Gott’ und ‘Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke’; GW IV. Vor der Veröffentlichung im Jahre 1906 hat Rilke den ‘Cornet’ überarbeitet; das kleine Werk erreichte ungewöhnliche Auflagenziffern. Rilke schreibt darüber im Brief an H. Pongs unterm 17. August 1924 (Br. II, S. 462): »Der ‘Cornet’ war das unvermutete Geschenk einer einzigen Nacht, einer Herbstnacht, in einem Zuge hingeschrieben bei zwei im Nachtwind wehenden Kerzen…«Google Scholar
  60. 60.
    ‘Lebensrückblick’ S. 150.Google Scholar
  61. 61.
    Die Beurteilung des ‘Stunden-Buches’ als dichterische Leistung ist auch heute noch sehr unterschiedlich. Zwei Beispiele seien dafür angeführt: Werner Günther ‘Weltinnenraum’ (Erich Schmidt Verlag, Bielefeld 1952), S. 58: „Hier war ein Dichter von göttlichem Auftrag in seinen Grundfesten erschüttert, hier sang ein Ergriffener aus heimgesuchter Menschenbrust. In reiner Hingabe an Übergroßes schuf Rilke in diesem Werk ein Breviarium dichterischer Hingenommenheit, wie es in deutscher Sprache seit Hölderlins Tagen nicht mehr erlebt worden.“ Werner Kohlschmidt ‘Rilke’ (Wildner Verlag, Lübeck 1948), S. 53: „Es ist ein sentimentales Mißverständnis, das allerdings durch das Rilkesche Schalten mit dem Gottesbegriff nahe genug gelegt wird, wenn man es (das ‘Stundenbuch’) auf irgend eine religiös verbindliche Aussage hin festlegen will. Das dichterisch Eigene mit der ersten Andeutung von Größe daran ist die überquellende Fülle der Bilder, mit denen die Wirklichkeit umschrieben, angesprochen, auch ausgesagt wird.“ Erörterungen darüber, ob der Rilkesche Gottesbegriff im Stundenbuch ein mythischer oder ein mystischer sei, sind unfruchtbar, weil keine Bezeichnung adäquat genug wäre und jede daher so viele Einschränkungen verlangen würde, gebrauchte man sie dennoch, daß schließlich nur ein ausgehöhlter Begriff übrig bliebe. Rilke versuchte im Januar 1910, unmittelbar nach der Beendigung des ‘Malte’, wieder einmal auszudrücken, was ein Gebet ist (Br. I, S. 277). Im ‘Malte’ gibt es so erschütternde Gebete; und in diesem Brief liegen die Akzente wieder etwas anders als im soeben abgeschlossenen Malte-Buch: »Oh que je me sais ce matin loin de ces avares qui, avant de prier, demandent si Dieu existe. S’il n’est plus ou pas encore: qu’importe. Ce sera ma prière qui le fera car elle est toute création telle qu’elle s’élance vers les cieux. Et si le Dieu qu’elle projette hors de soi ne persiste point: tan mieux: on le fera de nouveau, et il sera moins usé dans l’étern ité.« Das Gleiche hätte von einer Frage nach einer Transzendenz oder Immanenz seines Gottesbegriffes zu gelten. Hier ist das Problem noch ernster, weil gerade Rilkes spätere Entwicklung zum modernen Problem des Transzendierens zeigen wird, daß die noch bis etwa zu Beginn dieses Jahrhunderts gültige Reichweite beider Begriffe inzwischen gegenstandslos geworden ist. Vgl. dazu die Erörterung des Transzendenzproblems auf S. 64; ferner die Erläuterungen zu den Gedichten ‘Aus dem Umkreis Nächte’, S. 284 ff. In den ganz persönlich bedingten Rilkeschen Anrufungen Gottes, die im engsten Widerspiel zu seiner Liebesbindung an Lou aufstiegen, sind alle Elemente seiner Existenz, die schon früh gegenwärtigen und die erst spät zukünftigen, in der Erschütterung begriffen. Darum wären sowohl mythische wie mystische, pan-entheistische, transzendente, transzendentale sowie erlebens- und bildungsmäßige Strukturen aufzuzeigen. Aber eben dieses könnte nicht in der Weise geschehen, daß es dazu führen würde, das Ganze eindeutig zu betiteln. Das Wichtigste ist jedenfalls dies, was an Eigenem aufleuchtet: und das ist das „Übersteigen“ in dem Sinn, der dem modernen Begriff des Transzendierens sehr nahe kommt. Wollte man ihn wissenschaftlich präzisieren, so müßte man auf Heideggers ‘Sein und Zeit’ zurückgreifen. Am eingängigsten ist Heideggers Begriff des Transzendierens wohl in ‘Wesen des Grundes’ (1949) S. 18 formuliert worden. Diesem Problem wird noch in der Spätzeit sehr nachdrücklich zu begegnen sein.Google Scholar
  62. 62.
    ‘Lebensrückblick’ S. 152 f.Google Scholar
  63. 63.
    Es sind das die Gedichte, die ein erstes Mal unter dem Titel ‘Mir zur Feier’ im Jahre 1899 erschienen sind. Auf dieses kleine in Vorbereitung begriffene Bändchen wies Rilke Stefan George bei der Begegnung in den Boboli-Gärten im Jahre 1898 hin. Stefan George sagte bei dieser Gelegenheit zu Rilke, daß er zu früh publiziert habe. Diese Gedichte wurden dann in Paris überarbeitet und erschienen als ‘Die frühen Gedichte’ im Insel-Verlag, nachdem Anton Kippenberg alle früheren Ausgaben Rilkescher Veröffentlichungen bei sich vereinigt hatte. Jetzt stehen sie unter dem Titel ‘Frühe Gedichte’ in GW I. Diese zum Teil schönen, eng stimmunghaft gebundenen Verse verschweben in Traum und Schönheit; sie zeigen die leisen, zarten Töne, die Rilke wohl zuerst bei Jacobsen gefunden haben mag; die Erlebnisse der Italienreise schwingen nach. Der Fortschritt im Gestalterischen gegenüber den ‘Ersten Gedichten’ (GW I), ‘Advent’, ‘Traumgekrönt’ ist unverkennbar. ‘Die frühen Gedichte’ zeigen Rilke in der dichterischen und menschlichen Verfassung, in der er den Boden Rußlands betreten sollte.Google Scholar
  64. 64.
    ‘Lebensrückblick’, S. 184.Google Scholar
  65. 65.
    Darüber im ‘Lebensrückblick’ S.189 ff., S.209 ff.: ‘Das Erlebnis Freud’. ‘Nachtrag: Erinnertes an Freud’; vgl. zu ihrer Auffassung von Rilkes Dichtertum: Lou Andreas-Salomé ‘Rainer Maria Rilke’ (Insel-Verlag 1928). Das Buch ist ganz unter dem Zeichen ihrer psychoanalytischen Einstellung geschrieben. Die Grenzen dieser Betrachtungsweise zeigen sich insbesondere in den Bemerkungen zu den ‘Duineser Elegien’.Google Scholar
  66. 66.
    ‘Lebensrückblick’, S. 152. Es ist nicht uninteressant, in diesem Zusammenhang in der Monographie Lou Andreas-Salomés aus dem Jahre 1910 zu blättern: ‘Die Erotik’; der Abschnitt ‘Erotik und Kunst’ und ‘Erotik und Religion’ wirft manches Schlaglicht auf die Verfassung Rilkes, aus der ein Teil der Stundenbuchge-dichte hervorgegangen sein mag.Google Scholar
  67. 67.
    ‘Lebensrückblick’, S. 153. Wie tief sie das bedauert, ist zu spüren. Man vgl. dazu ihre Gegenüberstellung Rodins und Rilkes, ‘Lebensrückblick’ S. 160: „Für Rodin löste seine eminente Gesundheit und Mannheit das Problem, wie an allererster Stelle dem Kunstziel und dennoch auch unbefangener Freude und Entspannung zu leben sei, ja wie diese umso einheitlicher wiederum der Kunst zugute kämen.“Google Scholar
  68. 68.
    ebda, S. 153, 179 f.Google Scholar
  69. 69.
    Br. 21/26, S. 185: »… es ist eine unbeschreibliche Diskretion zwischen uns, und wo einmal Nähe war und Durchdringung, da spannen sich neue Fernen…«Google Scholar
  70. 70.
    ebda: »Jetzt würdest Du mich ihn kaum je nennen hören… Das Faßliche entgeht, verwandelt sich, statt des Besitzes erlernt man den Bezug, und es entsteht eine Namenlosigkeit, die wieder bei Gott beginnen muß, um vollkommen und ohne Ausrede zu sein.«Google Scholar
  71. 71.
    ‘Lebensrückblick’, S.154.Google Scholar
  72. 72.
    So schrieb Rilke zwei Jahre vor seinem Tode in dem langen Brief an Hermann Pongs (Br. II, S.456 ff.).Google Scholar
  73. 78.
    Zu dem Gedicht des ‘Stunden-Buches’: ‘Weit war ich, wo die Engel sind’, in dem Luzifer genannt ist, hat Lou bemerkt, daß sie frühzeitig, sobald ihr der Luzifergedanke dieses Gedichts deutlich geworden sei, Rilkes Schicksal vorausgesehen habe (!); ‘Lebensrückblick’, Anm. 155, S.351.Google Scholar
  74. 74.
    ebda, S.179 f.Google Scholar
  75. 75.
    ebda, S.156.Google Scholar
  76. 76.
    Br.7/14, S.131.Google Scholar
  77. 77.
    Br. 21/26, S. 185.Google Scholar
  78. 78.
    Ob zu recht oder unrecht, wie Rilkes ganze Auffassung von Rußland, sei hier nicht untersucht.Google Scholar
  79. 79.
    Wie sehr Rilke sich der Unterschiedenheit von Gott und Engel bewußt gewesen ist, dafür folgende Brief stelle: »Es vertrüge sich nicht mit der Leidenschaftlichkeit der Engel, Zuschauer zu sein, sie übertreffen uns an Handlung genau so weit, als Gott über ihnen Handelnder ist«; Br.07/14, S.275.Google Scholar
  80. 80.
    ‘Lebensrückblick’, S.156.Google Scholar
  81. 81.
    Es ließe sich zu diesem Thema eine ganze Bibliographie zusammenstellen mit dem Ziel zu zeigen, wie Lous Fehlurteile die Literatur zum Engel der ‘Duineser Elegien’ und damit negativ die Aufnahme des ganzen Werkes beeinflußt haben.Google Scholar
  82. 82.
    ‘Lebensrückblick’, S.173.Google Scholar
  83. 83.
    Lou, S.37, S.520, Anm. 37. ‘Lebensrückblick’ S.182 f.Google Scholar
  84. 84.
    vom 4. August 1900; Lou, S.37.Google Scholar
  85. 85.
    ‘Lebensrückblick’, S.183 f.Google Scholar
  86. 86.
    Tgb. S.233 f. Man kann also eine gewisse Skepsis in Bezug auf Lous Schilderung vom „Aufsteigen der Gebete“ nicht verschweigen, besonders wenn man bedenkt, daß das erste Stundenbuch bereits vor der zweiten Rußlandreise, das zweite aber erst vom 18.–25. Sept. 1901 in Westerwede geschrieben worden ist.Google Scholar
  87. 87.
    vom 26. Febr. 1901; Lou, S. 41 ff.; nach Lou, S. 521 (Anm. 41) war dieser Brief bei Abfassung des ‘Lebensrückblicks’ nicht in Lous Händen, sondern lag im Rilke-Archiv. Gewisse Stilisierungen dieser Episode im ‘Lebensrückblick’ finden damit ihre Erklärung.Google Scholar
  88. 88.
    Die Schlußfolgerungen, die Lou zieht — allerdings erst nach Rilkes Tode und oft im Gegensatz zu ihren freundschaftlichen und auf ihn eingehenden Antworten — ruhen auf ihrer wie ein Axiom ausgesprochenen Anschauung: Es ist „das tödliche Verhängnis desjenigen, der als Künstler dermaßen bis ans Letzte vordrang, daß er sich erst über der Grenze der Kunst ans Ziel finden konnte — wo er sich selbst nicht mehr aufgenommen fand“ (‘Rainer Maria Rilke’, S.114); da zahle er dann, „als ihm gleichsam die Verlautbarung des Unsäglichen gelang, dieses Himmelreich mit der Höllenfahrt alles Säglichen, Sagbaren, worin das Menschsein sich beheimatet“. Die philosophisch-psycho-logisierenden Folgerungen, die sie daran knüpft — auch noch im Hinblick auf Hölderlins Geisteskrankheit — münden dann in den Urteilsspruch, Rilke sei in seiner Kunst „endlich über den künstlerischen Schein hinüber (gerissen) in eine Art von Seins-Usurpierung, die ihn vergewaltigte“ (S. 115). Auch auf den nun folgenden Seiten ihres Buches macht sich wieder ihre psychologisie-rende Auffassung von Kunst breit. Die apodiktischen Aussprüche über „das Wesen der Kunst“ sind denkbar weit entfernt von dem, was Rilke unter Kunst verstand. Man kann sie eben nur als ihre private und überdies sehr anfechtbare Auffassung zur Kenntnis nehmen; sie schließt aber zum Wesen Rilkes nichts auf und steht sehr oft in völligem Gegensatz zu dem, was sie selbst einst zu Rilkes Niederbrüchen geschrieben hatte. Zur Zeit ihres Briefwechsels war ihr gerade dieses Niedergeworfensein ein Beweis für „die Größe seiner Besitztümer“ (Lou, S. 339 f.). Sie schien zu wissen auch um die Bedingungen des Negativen für die schöpferische Leistung (344 f., 347 f.), um die Unausweichlichkeit, mit der einem so unerhörten Schöpfungsauftrieb eine Reaktion folgen müsse. Wie weit entfernt ist ihre einstmalige Aufnahme der Elegien, insbesondere der achten und neunten (S. 466 ff.), von dem, was sie dann nachträglich darüber schreibt. Später scheint ihr Rilke durch die Engel der Elegien, die „über das Kunstgeschaffene hinaus, seiendere waren…“ in Frage gestellt (‘Rainer Maria Rilke’, S.100). Und was hatte sie einst zu sagen gewußt von der „wegschenkenden Gebärde des Schaffenden“, die Gott erkundet (Lou, S.470 f.); von der Notwendigkeit des Wagens und Gefährdetseins, auf daß eine Dichtung wie die Saltimbanques zustande kommen könne (S.473). Wie war es möglich gewesen, daß sie zu der neunten Elegie die folgenden Worte an Rilke geschrieben hatte: „Das Gewaltigteste und Lindeste zugleich ist für mich die Neunte. Da ist auch kaum Lesen, Weiterlesen bis zum Schluß möglich, so wie es nur in Gärten ist, deren Wege man garnicht als Wege benutzen kann, weil jeden Schritt das Umblühende, Umgrünende festhält, aufhält; überall wieder, in jeder Strophe, jedem Strophenteil sitze ich nieder, fühle mich in einer Laube, als müßten sich Zweige über mir zusammenflechten zu unerhörter Heimat…“ und so fort. Wie konnte ein derartiges Heimatgefühl aus „Seins-Usurpierung“ erwachsen sein? Hatte sie vergessen, daß sie in diesem Zusammenhang einmal sagen konnte: „das Deine so als das Meine zu empfangen, als des Lebens wahrhaftige Vollendung“ — — — dafür wolle sie „dankbar bleiben bis ans Ende, bis an den neuen Uranfang…“ (S.474 f.). Was für einen bejahenden Accent trägt die Rilke so tief beglückende Mitteilung ihres Briefes (S.485 ff.) gegenüber der Darstellung ihres Rilke-Buches vom Jahre 1928 (S. 122). Damals hatte sie ihm von Patienten geschrieben: „Andere horchten zum erstenmal auf an Deinem Ton als dem des Lebens: und das war von unbeschreiblicher Erschütterung, daß sie ihn hörten und verstanden, ehe sie noch das Verständlichste des sie umgebenden Tages lebendig zu fassen vermochten oder gar etwas aus dem Bereich der Kunst“. Und nun nach seinem Tode gewinnt sie aus der beglückten Dank-Antwort Rilkes darauf (S.489) ihre eschatologischen Aspekte. Woher nimmt Lou das Recht zu der Behauptung, Rilke habe sich im Schaffen der ‘Elegien’ zerstört gefühlt, Rilke, der bis in die späteste Zeit nie aufgehört hat die Gnade zu fühlen, die ihm vergönnte, die ‘Elegien’ zu Ende schreiben zu dürfen? Wieso hat er „an diesem Punkt seine eigene Fragwürdigkeit erlitt(en), der mit ihr den Erfolg des Seins begleichen mußte“ (‘Rainer Maria Rilke’, S.122). Wie ist es möglich von dem „Verjenseitigenden der Engelverkündigung, dies dadurch Entwirklichende, Entwertende des Irdischen“ zu sprechen (S. 105) gegenüber Rilkes immerwährender Rühmung des Hiesigen, des Sichtbaren? Ihre psychoanalytischen Expektorationen zu Engel und Leiblichkeit, die Verbindung, in der sie das stärkere Dasein der Engel in der ersten Elegie zu „Ängsten des Höllischen“ setzt und beides dann wieder zur dritten Elegie, „zur Physis“ als dem „letzten Wort für das Entsetzliche“, — alles das findet dann die Nachfolge bei Urs von Balthasar ‘Apokalypse der deutschen Seele’. Es wäre eine nicht unfruchtbare Aufgabe, die Widersprüche aufzuzeigen, die zwischen dem zuerst erschienenen Rilke-Buch von Lou Andreas-Salomé, ihren Briefen an Rilke, ihrem ‘Lebensrückblick’ in Lous Auffassung von Rilkes Persönlichkeit und Dichtung bestehen. Es wäre eine mühselige Aufgabe darum, weil ihre oft chiliastisch-überschwengliche, dann wieder in der Terminologie der Psychoanalyse sich ergehende, im Ganzen aber völlig unklare Diktion es möglich macht, zu jeder Aussage das ihr durchaus widersprechende Gegenteil aufzuzeigen. Die hier gegebene Anmerkung bringt nur eine schwache Probe von dem, was eigentlich aufzuzeigen nötig wäre.Google Scholar
  89. 89.
    Die Schlußsätze zu Rilkes Tod auf S. 112 ihres Buches sprechen von seinen letzten Briefen, die er auf dem Sterbebett an Freunde und auch an sie geschrieben habe, dankbar Pflege und Hilfe rühmend, die ihm zuteil wurden. Lou schließt daran die Worte: „Das war das ihm menschlich noch Erfahrbare. Darunter steht, weit darüber hinaus, der einzige Satz: ‘Aber die Höllen!’ Anrede und Lebewohl waren russisch.“ Rilke hat diese Worte nicht geschrieben. Das Rilke-Archiv hatte dazu eine Richtigstellung von Frau Andreas-Salomé verlangt, die in der „Deutschen Zukunft“ am 8. März 1936 erschien: „Nach Mitteilung von Frau Lou Andreas handelt es sich aber keineswegs um ein ‘letztes Wort’ Rilkes. Rilke hat dieses Wort überhaupt nicht gesprochen, sondern, wie Frau Andreas uns schreibt, sei es ihr ins Buch über ihn gekommen, ‘weil es mit so vielen Erinnerungen an unsere Gespräche zusammenhängt’. Mit ‘letztes Wort’ oder dergleichen hat es nichts zu tun. Um weiteren Mißbrauch des Wortes vorzubeugen, stellen wir dies ausdrücklich fest. Weimar, im Februar 1936. Ruth Sieber-Rilke. Dr. Karl Sieber.“ (abgedruckt verdienstvollerweise bei Bassermann ‘Der späte Rilke’ 21948, S. 529). Rilke und Lou hatten sich zum letztenmal bei der Abfahrt Rilkes in die Schweiz, sieben Jahre vor seinem Tode, gesehen.Google Scholar
  90. 90.
    Tgb. S. 315.Google Scholar
  91. 91.
    vgl. dazu ‘Ein Buch der Freundschaft’, hrsg. v. Rolf Hetsch 1932; Paula Modersohn-Becker ‘Briefe und Tagebuchblätter’, 1952. Beide Bücher vermitteln einen Eindruck von dieser wunderbaren Frau und großen Malerin, die in nicht einmal 10 Jahren ihr Lebenswerk schuf. Als erste wohl in Deutschland tat sie den Schritt über den Impressionismus hinaus. Die Monographie Rilkes kann noch nicht von ihrer Kunst sprechen. Selbst im Jahre 1903, als Rilke ihr einen Einführungsbrief an Rodin mitgab, schreibt er von der Freundin als »femme d’un peintre allemand très distingué«. Rilke war zu dieser Zeit der Kunst Cézannes noch nicht in einem tieferen Sinn begegnet; dieser Kunst Cézannes, die dann einen so gewaltigen Eindruck auf ihn machen sollte, ist die Kunst Paula Modersohns verwandt. Erst im ‘Requiem für eine Freundin’ (Nov. 1908; GW II. S.323 ff.) setzt Rilke nicht nur ihrer menschlichen sondern auch ihrer künstlerischen Persönlichkeit das ergreifende Denkmal. Anläßlich der ersten Paula Modersohn-Ausstellung der Kestner-Gesellschaft (Hannover 1917) schreibt Rilke an den damaligen künstlerischen Leiter Dr. Küppers: er beglückwünsche ihn dazu, »dem ergreifenden und entscheidenden Werke dieser Frau die Möglichkeit eingeräumt (zu haben), endlich in seiner eigensten Bedeutung auf einen weiteren Kreis zu wirken«.Google Scholar
  92. 92.
    Vgl. Richard Muther, ‘Studien und Kritiken II’, 1901, S. 280.Google Scholar
  93. 93.
    Br. 21/26, S.185.Google Scholar
  94. 94.
    Tgb. S. 360 f.Google Scholar
  95. 95.
    ebda, S. 266.Google Scholar
  96. 96.
    ebda, S. 362. f.Google Scholar
  97. 97.
    ebda, S. 275.Google Scholar
  98. 98.
    ebda, S.286.Google Scholar
  99. 99.
    ebda, S. 371.Google Scholar
  100. 100.
    ebda, S. 306,324.Google Scholar
  101. 101.
    ebda, S.4o8 (29. Nov. 1900), S.415 (13. Dez. 1900).Google Scholar
  102. 102.
    Sie ist unabhängig von der Bekanntschaft Rilkes mit Kierkegaard, die erst im Mai 1904 geschah. Man muß an die soviel spätere Analyse der Angst in Heideggers ‘Sein und Zeit’ denken.Google Scholar
  103. 108.
    Tgb. S. 419.Google Scholar
  104. 104.
    Nur die ‘Einleitung’ ist aufgenommen in AW II, S.227 ff.; vgl. dazu ‘Von der Landschaft’, ebda, S.221 ff.Google Scholar
  105. 105.
    ebda, S.228.Google Scholar
  106. 106.
    GW II, S.206; AW II, S. 230.Google Scholar
  107. 107.
    GW II, S. 183.Google Scholar
  108. 108.
    ‘Worpswede’, S. 58.Google Scholar
  109. 109.
    AW II, S.231; ebda auch die folgenden Zitate.Google Scholar
  110. 110.
    Tgb. S.315.Google Scholar
  111. 111.
    AW II, S.242.Google Scholar
  112. 112.
    13. Okt. 1907; Br. 06/07, S. 377.Google Scholar
  113. 113.
    Aw II, S.242.Google Scholar
  114. 114.
    ebda, S. 226.Google Scholar
  115. 115.
    ebda, S. 247.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1954

Authors and Affiliations

  • Else Buddeberg

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