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Die Teichnerreden im Umkreis der Zeitgenössischen Didaktik

  • Eberhard Lämmert

Zusammenfassung

Mit dem Terminus »Gebrauchskunst« hat Günther Müller in seiner Literaturgeschichte1 in Auseinandersetzung mit den Volksdichtungs-Theorien die deutsche Literatur des 14. und 15. Jahrhunderts umgreifend charakterisieren wollen. Das durchwaltende Hauptmerkmal für die Einstellung der »bürgerlich-ständischen« Gesellschaft zur Dichtung seien die »Zersinge-Kennzeichen«2, an denen sich auch das eigentümlich labile Verhältnis von Gehalt und Gestalt in fast allen Gattungen der Zeit am ehesten ermessen lasse. »Was man da singt, liest, spielt, betet, wird gar nicht als ein über das gelebte Leben erhobener literarisch-ästhetischer Kosmos angesehen, sondern wird im Leben gleichsam ›gehandhabt‹, … so wie man einen Becher zum Trinken, eine Bank zum Sitzen benutzt.«3 Unter diesem Gesichtspunkt erscheinen gerade die oft hervorgehobenen Unzulänglichkeiten jener Literatur: ihre weitgehende Formauflösung und die Einebnung individueller Ausdrucksmittel, als sinnfälliges Resultat ihrer zunehmenden sozialen Breitenwirkung. Schenkt man diesen Entwicklungsbedingungen der volkssprachlichen Dichtung des späten Mittelalters genügend Aufmerksamkeit, so wird man trotz aller neuen Erkenntnisse auch aus den romantischen Volksgeist-Theorien noch späten Gewinn ziehen können und sich nicht mit der leichten Widerlegung ihrer Ursprungs-Thesen begnügen: Nicht die Früh-, wohl aber die Spätgeschichte literarischer Gattungen und Einzelformen ist vielfach weniger von der Leistung Einzelner als von der Beteiligung vieler anonymer Beiträger bestimmt.

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Notizen

  1. 11.
    H. Fischer, Märendichtung (Ausg.) 1966, S. XI. — Vgl. auch Gabriele Schieb, Editionsprobleme, Beitr. (Halle) 89,1967, S. 406 f. u. 429 f.Google Scholar
  2. 13.
    Vgl. die Differenzierung der Vermögenslage und der Standesordnungen in verschiedenen Städtetypen bei Horst Jecht, Studien zur gesellsch. Struktur, 1926, S. 48–85.Google Scholar
  3. 20.
    Hierzu und zum Folgenden bes. H. Planitz, Das Wiener Stadtrecht, 1948, S. 320 ff., und Studien zur Rechtsgeschichte des städtischen Patriziats, 1950, S. 323 ff.Google Scholar
  4. 26.
    Vgl. W. Elert, Morphologie des Luthertums II, 21953, S. 52 ff. Im Teichnergedicht Nr. 517 wird anläßlich der Frage, ob der Teufel ein Bauer oder ein Edelmann sei, bezeichnenderweise zwischen der feststehenden, standesethisch negativen Bezeichnung pawr und dem realen Berufsstand des bumann (vgl. auch 473,3. 474,8. 563,41.) ausdrücklich unterschieden.Google Scholar
  5. 84.
    Vgl. Burger, Kunstauffassung, S. 19 f.; anders Nagel, Meistersang, S. 43. Zusammenstellungen von Belegen zu diesem Thema bei Stammler, Wurzeln d. Meistergesangs, 1923, S. 537 und in großer Zahl aus der späten Sammelhs. Wolf Bauttners bei Franz Steinz, Meistergesang in Mähren, Beitr. 19, 1894, S. 184–188, sowie bei Stackmann, H. v. M., S. 121, Anm. 82.Google Scholar
  6. 98.
    Th. Hampe, Spruchsprecher … in Nürnberg, 1894, S. 28 ff. — Vgl. auch Schmeller, Bair. Wb. 3,588.Google Scholar
  7. 100.
    Augenzeugenbericht vom Jahre 1465, gegeben 1507. Neueste und wohl schlüssige Darstellung des Authentizitätsproblems mit Lit. bei F. Neumann, Freidanks Herkunft und Schaffenszeit, ZfdA. 89, 1959, S. 219 f.Google Scholar
  8. 101.
    Vgl. G. Zappert, Über sog. Verbrüderungsbücher, SB. Wien 10, 1853, S. 434 ff.Google Scholar
  9. 106.
    Vgl. St. Beissel, Gesch. d. Verehrung Marias in Dl. während d. Ma., 1909, zu den Admonter Benediktinern S. 107, zu Dominikanern und Franziskanern S. 258, 501, u. ö.Google Scholar
  10. 120.
    Vgl. zur afrz. Tradition und den besonderen Problemen der Artusepik E. Köhler, Zur Selbstauffassung des höfischen Dichters, in: Der Vergleich, Festgabe f. H.Petriconi, 1955, S. 69–71.Google Scholar

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  • Eberhard Lämmert

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