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Einleitung

  • Karl Konrad Polheim

Zusammenfassung

Seit etwa zweihundert Jahren denken deutsche Dichter und Kritiker über die Novelle nach. Von vielen Seiten her versuchen und versuchten sie, ihre Merkmale festzustellen und ihre Theorie zu ergründen. Man könnte den Beginn dieser Bemühungen etwa bei Wieland ansetzen, der es für nötig hielt, dem Worte »Novellen« in seinem ′Don Sylvio von Rosalva’ eine erklärende Anmerkung beizufügen1). Die Dichter selbst äußerten sich auch im 19. Jahrhundert vielfältig über Art und Technik der Novelle: Goethe, Tieck und Heyse sind die bekanntesten, ob mit Recht, wird noch zu besprechen sein. Mindestens ebenso bedeutend, wenn auch nicht so oft genannt, ist Friedrich Schlegel. Daneben stehen viele andere Dichter und Denker dieses Jahrhunderts, ihre Ausführungen freilich sind fast vergessen. Auf August Wilhelm Schlegel, Mundt, Storm und Vischer greift man gelegentlich zurück, aber wer berücksichtigt heute noch — von einzelnen Ausnahmen abgesehenalle die Äußerungen der Schleiermacher, Schelling, Solger, Bouterwek, Grillparzer, Rosenkranz, Alexis, Hauff, Laube, Gutzkow, Hebbel, Reinbeck oder Spielhagen, obwohl sie oft Wesentliches zur Novellentheorie auszusagen wußten und die Forschung schon durch ihre Verschiedenartigkeit vor manchem Irrweg hätten bewahren können? In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts steuerten zunächst wieder Dichter Beiträge zu unserem Problem bei, vor allem Paul Ernst, aber auch Robert Musil und später etwa Wilhelm Schäfer oder Hans Franck.

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Anmerkungen

  1. 2.
    O.Waigel, Die Kunstform der Novelle, Zs.f.d.dt.Unterricht, 29. Jg., 1915, S. 161 bis 184. — W.Pabst betont in seinem Literaturbericht (= Anm. 51), S. 85 ff., daß Waizel mit diesem Aufsatz »die Bemühung um Erkenntnis von Strukturmerkmalen auf den breiten Sockel umfassender Gelehrsamkeit« erhoben habe und daß damit »die kurze Studie zur Plattform jener lebhaften Bemühung um den Gattungsbegriff ’Novelle’ geworden« wäre. — Teilweise zehrt man bis heute, mittelbar oder unmittelbar, von Walzels Untersuchung.Google Scholar
  2. 3.
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  3. 4.
    A.Hirsch, Der Gattungsbegriff »Novelle« (= Germanische Studien, Heft 64), Berlin 1928.-Nur B.v.Wiese, Nov. I (= Anm. 235), S. 15, und Nov. (= Anm. 241), S. 23, verweist nachdrücklich darauf. — H. O. Burger (=Anm. 191), S. 89, schränkt allerdings ein, daß die Geschichte der Novellentheorie bei Hirsch eine »recht lückenhafte« sei.Google Scholar
  4. 5.
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  10. 12.
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  12. 15.
    Vgl. etwa: Günther Müller, Bemerkungen zur Gattungspoetik, Philosophischer Anzeiger, 3. Jg., 1929, S. 129–147. — Benedetto Croce, Ästhetik als Wissenschaft vom Ausdruck u. allg. Sprachwissenschaft (= Ges. philos. Schriften in deutscher Übertragung hg. von H.Feist, R. 1, Bd 1), Tübingen 1930. — Wolfgang Kayser, Geschichte der deutschen Ballade, Berlin 1936, S. 295 f. — A.Hirsch (= Anm. 4), S. 73 ff. — Actes du 3e Congrès international d’histoire littéraire (Lyon 1939), Helicon II, 1940, S. 95 ff.Google Scholar
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    M.Wehrli, Allgemeine Literaturwissenschaft (= Wissenschafdiche Forschungsberichte, Geisteswissenschaftliche Reihe, Bd 3), A.Francke A.G.Verlag, Bern 1951, 168 S.Google Scholar
  16. 19.
    Vgl. etwa: W.Kayser, Das sprachliche Kunstwerk (= Anm. 72), S. 330ff. — Fritz Martini, Poetik, in: Deutsche Philologie im Aufriß, 2. überarbeitete Auflage, Bd I, Erich Schmidt Verlag, Berlin 1957, Sp. 223 fr. — Vermittelnd H. Seidler, Die Dichtung (= Anm. 232), SS. 361 ff. u. 375. Vgl. auch Anm. 56 und 287.Google Scholar
  17. 20.
    E.Lämmert, Bauformen des Erzählens, J.B.Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1955, 296 S. — Das vergriffene Buch ist jetzt in einem unveränderten Neudruck (1964) wieder zugänglich.CrossRefGoogle Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1965

Authors and Affiliations

  • Karl Konrad Polheim

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