Advertisement

Märchen pp 101-112 | Cite as

Das Märchen als Träger von Wirklichkeit und als Dichtung

  • Max Lüthi
Part of the Sammlung Metzler book series (SAME)

Zusammenfassung

Seit die vergleichende Völkerkunde sich mit den Märchen beschäftigte, ist man auf die Verwandtschaft gewisser Märchenthemen mit Vorstellungen, Riten und Sitten mancher Naturvölker, aber auch mit Bräuchen der Kulturvölker aufmerksam geworden; ferner hat man die Beobachtung gemacht, daß das Märchen dort, wo es noch lebendiges mündliches Volksgut ist, sich in seinem Gewande bis zu einem bestimmten Grad dem Ort und der Zeit des Erzählers anpaßt (Assimilation, Requisitverschiebung, s. oben S. 81), gleichzeitig aber doch auch Elemente früherer Epochen und ferner Zonen bewahren kann (Requisiterstarrung) und daß es neben phantastischen Elementen ein schönes Maß von Alltagsgut, Alltagstun enthält (Wesselski, Peuckert). Man darf es als einen Träger gleichzeitig von vergangener und gegenwärtiger Wirklichkeit bezeichnen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Röhrichpassim;Google Scholar
  2. derselbe, Die Grausamkeit im deutschen Volksmärchen, Rhein. Jahrb. f. Volkskunde. 6, 1955, S. 176–224 (kriminalgeschichtliche Parallelen; jetzt auch Röhrich S. 123–158, jedoch ohne das Bildmaterial).Google Scholar
  3. v. D. Leyen, S. 45–88.Google Scholar
  4. D. Zelenin, The Genesis of the Fairy Tale, Ethnos 1940, Stockholm, S.54–58.Google Scholar
  5. V. J. Propp, Le radici storiche dei racconti di fate, Torino 1949 (nach dem russ. Original von 1946), passim.Google Scholar
  6. Paolo Toschi, Rappresaglia di Studi di Letteratura Popolare, Firenze 1957, S. 45–63 (Besprechung von Propp).Google Scholar
  7. P. Saintyves, Les Contes de Perrault et les récits parallèles. Leurs origines (coutumes primitives et liturgies populaires), Paris 1923.Google Scholar
  8. Heino Gehrts, Das Märchen und das Opfer, 1967 (s. oben S. 65).Google Scholar
  9. Derselbe, Märchenwelt und Kernerzeit, in Antaios X, 1968, S. 155 bis 183 (setzt die »Zertanzten Schuhe«, T. 306, zum Somnambulismus in Bezug).Google Scholar
  10. E.Meletinsky, Die Ehe im Zaubermärchen. Ihre Funktion und ihr Platz in der Struktur des Märchens, in: Acta Ethnographica 19, 1970, S. 281–292.Google Scholar
  11. Maria Gabriele Wosien, The Russian Folktale. Some structural and thematic aspects, München 1969 (im Kapitel III, S. 65–83, wird die Beziehung zu Brauch und Volksglaube diskutiert).Google Scholar
  12. Alfred Winterstein, Die Pubertätsriten der Mädchen und ihre Spuren im Märchen, 1928Google Scholar
  13. Karl Meuli, Vom Tränenkrüglein, von Predigerbrüdern und vom Trösten, in: Festschrift für Jakob Jud, Zürich 1943, S. 763–807.Google Scholar
  14. Anneliese Dymke, Die wirkliche Welt im deutschen Zaubermärchen, Diss. Würzburg 1951.Google Scholar
  15. Vilmos Voigt, Elemente des Vorstellungskreises vom „Herrn der Tiere“ im ungarischen Volksmärchen (Der König der Tiere), in: Acta Ethnographica XI, 1962, S. 391–430 („Beispiele für das verblassende Fortleben von Motiven der einstigen Glaubenswelt“ S. 423).Google Scholar
  16. Bruno P. Schliephacke, Der Sprung ins Zeitlose. Das Märchen „Der Ritt auf den Glasberg“ — ein religionsgeschichdiches Denkmal, in: Die Freundesgabe 1965, S. 11–20.Google Scholar
  17. Otto Kahn, Das Märchen vom „Löweneckerchen“ im Lichte der Rechtsgeschichte. Ebenda, S. 21–33.Google Scholar
  18. Derselbe, Rumpelstilz hat wirklich gelebt. Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde 17/18 (1966/ 1967) S. 143–171. Kahn möchte aus dem Wortlaut unserer Volksmärchen auf geschichtliche und sogar vorgeschichtliche Rechtsvorgänge und Sozialkonflikte schließen: „Versuche des kleinen Mannes, mit der bedrohten Frau aus der Bauern- oder Herrenschicht in Gleichberechtigung zu kommen.“ S. 177 (vgl. die Position Meletinskys, oben S. 102).Google Scholar
  19. Derselbe, Die gerettete Frau in den Froschkönigsfällen, in: Die Freundesgabe 1970, S. 34–45. Otto Holzapfel qualifiziert Kahns (ernst gemeinte) Darlegungen als schlimmen Aprilscherz (Volkskunde–Forum 2, 1968, S. 18–21).Google Scholar
  20. Hans Traxler, Die Wahrheit über Hänsel und Gretel, 1963. Dieses gelungene Scherzbuch, das eine Märchenarchäologie zu begründen vorgibt (Ausgrabung des Hexenhauses, Identifizierung von Hänsel und Gretel als Erwachsene, die im 17. Jh. die Erfinderin eines erfolgreichen Lebkuchenrezeptes ermordet hätten…) darf vom Märchenforscher nicht völlig ignoriert werden, da es von einer erstaunlich großen Leserschaft ernst genommen wird und so Verwirrung und Schaden stiftet.Google Scholar
  21. C. W. v. Sydow, Vara Folksagor, Stockholm 1941 (Unsere Volksmärchen, was sie von Glauben und Sitte der Vorzeit berichten).Google Scholar
  22. Georges Dumézil, L’idéologie tripartie des Indo–Européens, Bruxelles 1958 (zur Wirklichkeitsgrundlage der Dreizahl in der Sozialstruktur der Indogermanen).Google Scholar
  23. H. Bausinger, Historisierende Tendenzen im deutschen Märchen seit der Romantik. Requisitverschiebung und Requisiterstarrung, in: Wirk. Wort 1960, S. 279–286;Google Scholar
  24. derselbe, Formen der ‘Volkspoesie’, 1968, S. 168 (im Kapitel Märchen, S. 154–170).Google Scholar

Literatur

  1. Lüthi, passim;Google Scholar
  2. derselbe, Volksmärchen und Volkssage, 21966, passim (besonders S. 145–159: Volksmärchen und Literaturwissenschaft);Google Scholar
  3. derselbe, Volksliteratur und Hochliteratur, 1970, passim;Google Scholar
  4. derselbe, Das Märchen als Gegenstand der Literaturwissenschaft, Kieler Bericht S. 161–168;Google Scholar
  5. derselbe, Das Volksmärchen als Dichtung und als Aussage, in: Der Deutschunterricht 6, 1956, S. 5–17;Google Scholar
  6. derselbe, Es war einmal. Vom Wesen des Volksmärchens, 31968;Google Scholar
  7. derselbe, So leben sie noch heute, 1969;Google Scholar
  8. derselbe, Rumpelstilzchen. Thematik, Struktur- und Stiltendenzen innerhalb eines Märchentypus, in: Antaios XII, 1971, S. 419–436.Google Scholar
  9. de Vries, passim; Obenauer, passim; Pinon, S. 16–23, 37–45.Google Scholar
  10. Robert Petsch, Wesen und Formen der Erzählkunst, 21942, S. 45 bis 59 (Das Märchen als Urform der erzählenden Dichtung) ;Google Scholar
  11. derselbe, Die Kunstform des Volksmärchens, in: Zeitschr. f. Volksk. 7, 1935, S. 1–30;Google Scholar
  12. derselbe, Wesen und innere Form des Volksmärchens, in: Niederdt. Zeitschr. f. Volksk. 15, 1937, S. 1–25.Google Scholar
  13. Mia I. Gerhardt, Two wayfarers. Some medieval stories on the theme of good and evil, Utrecht 1964.Google Scholar
  14. Agnes Kovàcs, Rhythmus und Metrum in den ungarischen Volksmärchen, in: Fabula 9, 1967, S. 169–243.CrossRefGoogle Scholar
  15. H. Bausinger, Zur Struktur der Reihenromane, in : Wirk. Wort 6, 1955/56, S. 296–301;Google Scholar
  16. derselbe, Möglichkeiten des Märchens in der Gegenwart, in: Festschr. v. d. Leyen, S. 15–30.Google Scholar
  17. Dorothee Bayer, Der triviale Familien- und Liebesroman im 20. Jh., 1963, bes. S. 142–152 (Volksmärchen und Trivialroman).Google Scholar
  18. Hugo Kuhn, Zur Typologie mündlicher Sprachdenkmäler, 1960.Google Scholar
  19. André Jolles, Einfache Formen, 41968, S. 218–246.Google Scholar
  20. Wolfgang Mohr, Einfache Formen, RL I (21958), S. 320–328.Google Scholar
  21. Kurt Ranke, Einfache Formen, Kieler Bericht S. 1–11;Google Scholar
  22. derselbe, Einfache Formen, in: Das Fischer Lexikon, Literatur 2, 1965, 21968, S. 184–200.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1962

Authors and Affiliations

  • Max Lüthi

There are no affiliations available

Personalised recommendations