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Der Minneleich im späten 13. Jahrhundert

  • Ingeborg Glier

Zusammenfassung

Den Literarhistoriker, der auszieht, die Wüste mittelalterlicher literarischer Gattungen zu vermessen, äfft manche Fata Morgana: liet, spruch, rede, maere, bîspel, buoch, gefresse. Aber gelegentlich stößt er auf rettende Oasen: tageliet (-wise), (vasnaht) spil, leich. Näher besehen haben freilich auch die Oasen ihre Tücken. — Der mittelhochdeutsche Leich scheint auf den ersten Blick eine der am wenigsten problematischen mittelalterlichen Gattungen zu sein. Nicht nur, daß wir hier — einmal wenigstens? — sicher sein dürfen, unter Leich das zu verstehen, was das Mittelalter darunter verstanden hat, es herrscht auch in der Forschung ein allgemeiner consensus darüber, was zu dieser Gattung gehört und was nicht. Letzteres wird vor allem dadurch erleichtert, daß der Leich im Rahmen der mittelhochdeutschen sangbaren Dichtung unverwechselbar formal zu beschreiben oder zu definieren ist. Metrisch und musikalisch unterscheidet er sich klar vom strophischen Lied und vom Spruch. Im Gegensatz zu manchen hochmittelalterlichen und sehr vielen spätmittelalterlichen Gattungen, die so eindeutig formal nicht zu fassen sind, besteht daher beim Leich eher die Gefahr, daß man ihn zu isoliert betrachtet. Dabei überschneidet er sich nach Themen und Tendenzen schon mit Lied und Spruch vielfach und bleibt auch in der handschriftlichen Überlieferung eng an sie gebunden. Noch fragwürdiger wird aber die vermeintliche Geschlossenheit der Gattung, wenn man nach Typen des Leichs fragt.

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Notizen

  1. 1.
    Hugo Kuhn, Minnesangs Wende (2. verm. Aufl., Tübingen 1967. Hermaea NF 1), S. 91–142, bes. S. 140.CrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Karl Heinrich Bertau, Sangverslyrik. Über Gestalt und Geschichtlichkeit mittelhochdeutscher Lyrik am Beispiel des Leichs (Göttingen 1964. Palaestra 240).Google Scholar
  3. 10.
    Konrad von Würzburg, Kleinere Dichtungen III. Die Klage der Kunst, Leiche, Lieder und Sprüche, hrsg. Edward Schröder. Mit einem Nachwort von Ludwig Wolff (2. Aufl. Berlin 1959), S. 15–19. — Der wilde Alexander: KLD Bd. 1, S. 15–19.Google Scholar
  4. 11.
    Rolf Haller (Der Wilde Alexander. Beiträge zur Dichtungsgeschichte des XIII. Jahrhunderts [Diss. Bonn 1934], S. 64) hält es für wahrscheinlicher, daß sich der wilde Alexander von Konrads von Würzburg Minneleich oder dessen »Trojanischem Krieg« anregen läßt, als daß Konrad den Leich des wilden Alexanders zum Vorbild nimmt. Beide könnten aber auch unabhängig voneinander auf die gleichen Traditionen zurückgreifen.Google Scholar
  5. 20.
    Ähnliche Beobachtungen zum geistlichen Leich bei Konrad von Würzburg und Heinrich Frauenlob s. Karl Heinrich Bertau, Über Themenanordnung und Bildung inhaltlicher Zusammenhänge in den religiösen Leichdichtungen des XIII. Jahrhunderts. In: ZfdPh 76 (1957), S. 129–149, bes. S. 148.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1969

Authors and Affiliations

  • Ingeborg Glier

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