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Doppelweg

  • Hans Fromm

Zusammenfassung

Hugo Kuhn hatte in den ersten Jahren nach dem letzten Kriege kaum den ‚Geist der Zeit’ an seiner Seite, als er in verschiedenen Ansätzen dem Struktursinn mittelalterlicher volkssprachiger Dichtung, ihrer im Vollzug des Textes gemachten Aussage nachzuspüren begann. Neopositivismus und Interpretation beherrschten die Bühne. Inzwischen hat unsere Wissenschaft mit Bauformen, Vollzugseinheiten und ihrer inhaltlichen Relevanz umzugehen gelernt. Die Wichtigkeit zahlenmäßiger Entsprechung wird auch von denen anerkannt, die bei zahlenkompositorischen Untersuchungen die Spreu vom Weizen gesondert sehen möchten, und zur Analogie als Denkform hat man das Gesetz der „ungenauen Regelmäßigkeit” begriffen, in dem das Mittelalter schöpferisch war.

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Notizen

  1. 1.
    Hugo Kuhn, Dichtung und Welt im Mittelalter (Stuttgart 1959), S. 133–180.CrossRefGoogle Scholar
  2. 3.
    Reto R. Bezzola, Le sens de l’aventure et de l’amour (Paris 1947), S. 82 ff. u. ö. Die Grundlagen des Verständnisses legte Wilhelm Kellermann, Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman (Halle 1936), S. 6 £. u. ö. Bezzola und vor allem Erich Köhler (Ideal und Wirklichkeit in der höfischen Epik. Studien zur Form der frühen Artus- und Graldichtung [Tübingen 1956], S. 236–256) erweiterten die Beobachtungen und versuchten eine geistesgeschichtlich-weltanschauliche Deutung des Formprinzips. — Unbefriedigend bleibt in diesem Zusammenhang Jean Frappier (Chrétien de Troyes. 2me éd. [Paris 1957], S. 227), der eine dreiteilige Komposition des Chrétienschen Artusromans anbietet: 1. Weg bis zur Krise, 2. Krise, 3. Weg nach der Krise. Die Szene der „Krise” als eigenen Strukturteil zu begreifen, kann wenig für sich geltend machen. Wichtiger wäre gewesen, das der ganzen Epoche eigene Reizspiel zwischen Zweiteiligkeit und triadischer Struktur herauszuheben. Diese ergibt sich dadurch, daß der „zweite Weg” in zwei episodisch aufeinander bezogenen Strängen verläuft (AB1B2. So können zweiseitige Oppositionen entstehen.Google Scholar
  3. 4.
    Hugo Kuhn, Die Klassik des Rittertums in der Stauferzeit. In: H. O. Burger, Annalen der deutschen Literatur (Stuttgart 1952), S. 110;Google Scholar
  4. Gabriele Schieb, Heinrich von Veldeke (Stuttgart 1965), S. 61 f.CrossRefGoogle Scholar
  5. 5.
    Michael Curschmann, Der Münchener Oswald und die deutsche spielmännische Epik (München 1964), S. 127–129.Google Scholar
  6. 8.
    Zusammenfassend und ältere Literatur zum Thema verzeichnend K. Büchner, P. Vergilius Maro, der Dichter der Römer (Stuttgart 1960. S. A. aus der RE), Sp. 417–420; Franz Josef Worstbrock, Elemente einer Poetik der Aeneis (Münster 1963), bes. S.119f.Google Scholar
  7. 9.
    Werner Schröder: Dido und Lavinia. In: ZfdA 88 (1957/1958), S. 161–195; weitere Überlegungen in dieser Richtung liegen mir in einer in meinem Veldeke-Seminar (WS 1967/68) von Hugo Kuhns Schüler W. Burkhard angefertigten Seminararbeit vor.Google Scholar
  8. 11.
    Kurt Ruh, Höfische Epik des deutschen Mittelalters (Berlin 1967), I, S. 80 f.Google Scholar
  9. 13.
    Vgl. zu Benoit: A. Adler, Militia et Amor in the Roman de Troie. In: Rom. Forschungen 72 (1960), S. 1429, undGoogle Scholar
  10. Reto R. Bezzola, Les origines et la formation de la littérature courtoise en Occident (500–1200) (Paris 1967), III, I, S. 290f.; zu Herbort: Ehrismann II, II, S. 101 f., Ruth Auernhammer, Die höfische Gesellschaft bei Herbort von Fritzlar (1939);Google Scholar
  11. Franz Josef Worstbrock, Zur Tradition des Troiastoffes und seiner Gestaltung bei Herbort von Fritzlar. In: ZfdA 92 (1963), S. 267–74.Google Scholar
  12. 16.
    Vgl. Friedrich Neumann, Wann dichtete Hartmann von Aue? In: Studien zur deutschen Philologie des Mittelalters. Fs. Panzer (Heidelberg 1950), S. 66–70. — Zu Hartmanns auch sprachlich kongenialem Quellenverständnis bündig und trefflich Ruh, Höfische Epik, S. 105 f.Google Scholar
  13. 17.
    Commentum Bernardi Silvestris super sex libros Eneidos Vergilii. Ed. Guilelmus Riedel (1924). Der Kommentar reicht nur bis V. 636 (VI. Buch der Aeneis), hatte aher wohl das Ganze im Auge. Vgl. Hennig Brinkmann, Wege der epischen Dichtung im Mittelalter. In: ASNS 200 (1963/64), S. 401–435.Google Scholar
  14. 18.
    Vgl. dazu Joseph de Ghellinck, Iuventus, gravitas, senectus. In: Studia mediaevalia in honorem … R. J. Martin (Brugis Flandorum [1949]), S. 39–59. Vgl. z. B. MPL 40, 42f.: sunt aetates sex etiam in uno homnine: infantia, pueritia, adolescentia, iuventus, gravitas et senectus.Google Scholar
  15. 18a.
    Arthur Witte, Der Aufbau der ältesten Tristandichtungen. In: ZfdA 70 (1935), S. 167 ff. — Der Versuch, schon für das „Waldleben” das Prinzip der Doppelung aufzudecken, scheint mir übrigens nicht ganz geglückt zu sein; denn nur durch äußerste Abstraktion läßt sich die Wiederholung sichtbar machen, und da wird es schwer, an volkstümliche Herkunft der Doppelung zu glauben, an die allein hier wohl zu denken wäre.Google Scholar
  16. 19.
    Helmut de Boor, Frühmittelhochdeutscher Sprachstil. In: ZfdPh. 51 (1926), S. 244–274 und 52 (1927), S. 31–76; jetzt wieder abgedruckt in den Kleinen Schriften (Berlin 1964), I, S. 21–96, vgl. bes. S. 43.Google Scholar
  17. 20.
    Ernst Friedrich Ohly, Sage und Legende in der Kaiserchronik (Münster 1940), S. 193f.; Curschmann, Münchener Oswald, S. 132–135, und neuerdings Karen Baasch, Die Crescentialegende in der deutschen Dichtung des Mittelalters (Stuttgart 1968), Register s. v. Wiederholungsprinzip. Curschmann sucht der Verdoppelung wieder ein konkretes inhaltliches Bedeutungsnovum abzugewinnen; der Text scheint mir aber die nötige ‚Problemqualität4 nicht herzugeben. — Nicht zugänglich war mir Siegfried Jäger, Studien zur Komposition der Crescentia der Kaiserchronik, des Vorauer und des Straß-burger Alexander und des Herzog Ernst B. (Phil. Diss. Bonn 1968).Google Scholar
  18. 21.
    Priester Wernher, Maria. Bruchstücke und Umarbeitungen, hrsg. Carl Wesle (Halle 1927), V. 2427–72 und A 2085 D 2369-A 2202 D 2480.CrossRefGoogle Scholar

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  • Hans Fromm

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