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Der Liebesmonolog im frühhöfischen Epos Versuch einer Typbestimmung am Beispiel von Eilharts Isalde-Monolog

  • Hadumod Bussmann
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Zusammenfassung

Das Gerüst der absoluten Datierungen der frühhöfischen Literatur lastet auf unsicheren Stützen: vereinzelte historische Daten und ihnen zuzuordnende Texte bilden die schmale Basis, über der die Literaturgeschichtsschreibung das Gebäude der relativen Chronologie aufzurichten bemüht sein muß. Für den Mangel an urkundlichen Zeugnissen haben philologische Argumente im weitesten Sinne einzustehen. Die Manipulierbarkeit der meisten Datierungsversuche — die Umdatierung eines einzigen Denkmals vermag das ganze Gebäude in Bewegung zu versetzen — resultiert vor allem aus der starken wechselseitigen Bedingtheit der methodischen Wege. Ob es sich dabei um textkritische, sprachgeschichtliche, stilistische oder literarhistorisch-vergleichende Beobachtungen handelt, immer weisen sich solche Teilergebnisse als Alternativlösungen aus, deren Gültigkeit von der besseren oder schlechteren Anpassungsfähigkeit an das fiktive Gerüst der Datierungen abhängig ist.

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Notizen

  1. 1.
    Eilhart von Oberge, hrsg. Franz Lichtenstein (Straßburg 1877. Quellen und Forschungen 19).Google Scholar
  2. 2.
    Edward Schröder, Eilhart von Oberg. In: ZfdA 42 (1898), S. 72–82. Auf Grund einer Verwechslung von Lichtenstein wird dieser Oberger laicus noch immer mit dem Hof Heinrichs des Löwen und seiner Frau Mathilde, Tochter der Eleonore von Aquitanien, in Verbindung gebracht. Heinrich der Löwe ist 1195, seine Frau bereits 1189 verstorben, die erste selbständige Urkundung Eilharts jedoch datiert erst von 1196; in dem früheren, zur Zeit der zweiten Verbannung Heinrichs abgefaßten Dokument von 1189 fungiert er noch als filius des Johannes de Obergen, woraus man auf die Jugendlichkeit des Zeugen schließen könnte.Google Scholar
  3. 3.
    Die Ursprünglichkeit dieser Autorennennung, die sich nur in den späten Hss. DBH findet, ist ebenso wie der Prolog Vers 1–46 textkritisch nicht zweifelsfrei. Auch der Komplex der urkundlichen Zeugnisse müßte neu angegangen werden. Siehe hierzu meine Einleitung zu: Tristrant. Synoptischer Text der ergänzten Fragmente mit der vollständigen Parallelüberlieferung, hrsg. Hadumod Bußmann (Tübingen 1969. ATB). Diese Ausgabe basiert auf meiner von Hugo Kuhn betreuten Dissertation, ebenso wie der vorliegende Aufsatz die komprimierte und erweiterte Fassung eines Kapitels jener Arbeit darstellt.Google Scholar
  4. 4.
    Zum Problem siehe die Zusammenfassung von Kurt Ruh, Höfische Epik des deutschen Mittelalters I: Von den Anfängen bis zu Hartmann von Aue (Berlin 1967. Grundlagen der Germanistik 7), S. 72 f.Google Scholar
  5. 5.
    Gelegentliche Vermutungen in dieser Richtung finden sich schon bei Franz Lichtenstein, Zu den deutschen Dichtungen von Tristan und Isalde. In: ZfdA 26 (1882), S. 13ff.Google Scholar
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  8. 6.
    Johannes Knieschek, Der cechische Tristram und Eilhart von Oberge (SB Wien CI 1882), S. 410–415.Google Scholar
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  10. 12.
    Der früheste deutsche Beleg dieser auf Ovid zurückzuführenden Tradition findet sich vermutlich in der »Kaiserchronik« 13 154ff. — Zusammenfassend hierzu: Karl Heyl, Die Theorie der Minne in den ältesten Minneromanen Frankreichs (Diss. Marburg 1911), S. 80 ff.Google Scholar
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    Minne als Turnierpartner: Roman d’Enéas 8631 ff.; wörtliche Parallelen zu Tristant 2512 uz dem spele gen: Cligès 676 und Eneide 10294. Zur Turnier-Terminologie siehe Erika Kohler, Liebeskrieg. Zur Bildersprache der höfischen Dichtung des Mittelalters (Stuttgart, Berlin 1935).Google Scholar
  13. 26.
    Zur Häufigkeit der Dienstwendungen in der Minneterminologie siehe Paul Kluckhöhn, Der Minnesang als Standesdichtung. Zuletzt abgedruckt in : Wege der Forschung XV (Darmstadt 1961), S. 68 und von Lieres, Sprachformeln, S. 152 f.Google Scholar
  14. 31.
    Zum Überblick über die vielfältige Literatur, die sich mit dem Einfluß Ovids aufs Mittelalter beschäftigt, sei verwiesen auf die bibliographischen Hinweise bei Karl Stackmann, Ovid im deutschen Mittelalter. In: Arcadia 1 (1966), S. 231–254, bes. Anm. 1.Google Scholar
  15. 32.
    Ilse Nolting-Hauff, Die Stellung der Liebeskasuistik im höfischen Roman (Heidelberg 1959), S. 41 f., unterlegt ihrer Darstellung eine ähnliche Unterscheidung, wenn sie zwischen „Monologklage” (Stichwort: Affektbestimmtheit) und „Liebesmonolog” (Stichwort : Räsonnement) unterscheidet.Google Scholar
  16. 33.
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  21. Heinz Fischer, Die Frauenmonologe der deutschen höfischen Lyrik (Diss. Marburg 1934), völlig unzulänglich; Nolting-Hauff, Liebeskasuistik, bes. S. 30–66.Google Scholar
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  • Hadumod Bussmann

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