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Funktionsformen der althochdeutschen binnengereimten Langzeile

  • Walter Haug

Zusammenfassung

Die binnengereimte deutsche Langzeile hat die Forschung zunächst vorwiegend von der Frage ihrer Entstehung her beschäftigt. Das ist nicht unverständlich. Diese Versform taucht im 9. Jahrhundert fertig ausgebildet in der deutschsprachigen Überlieferung auf. Da Vorstufen in der eigenen Tradition fehlen, mußte es sich anbieten, im Bereich der mittellateinischen Literatur nach Anknüpfungspunkten zu suchen. Wenn es sich nachweisen ließ, daß in der binnengereimten Langzeile ein lateinisches Metrum übernommen wurde, dann konnte man sie als eine mehr oder weniger bewußt gegen die ältere alliterierende Langzeile vorgetragene neue Form verstehen. Möglicherweise war sie dann sogar programmatisch als christliche Form gegen die heimisch-germanische Tradition geschaffen worden. Aber die Suche nach lateinischen Vorlagen führte zu sich widersprechenden Ergebnissen. Keine der angebotenen Entstehungshypothesen vermochte sich überzeugend durchzusetzen. Zwei Hauptpositionen zeichneten sich ab: einmal der Ansatz bei der ambrosianischen Hymnenstrophe, deren vierhebige Verse in der Doppelung eine achthebige Langzeile ergeben können, und zum andern der Ansatz beim leoninischen Hexameter, dem freilich nur auf dem Umweg einer vulgärsprachlichen Rhythmisierung acht Hebungen abzugewinnen sind.1

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Notizen

  1. 2.
    Otfrids Evangelienbuch, hrsg. Oskar Erdmann (4. Aufl. von Ludwig Wolff, Tübingen 1962. ATB 49).Google Scholar
  2. 5.
    Vgl. dazu die Übertragung des Entelechie-Begriffs auf die Gattungsentwicklung bei Hugo Kuhn, Gattungsprobleme der mittelhochdeutschen Literatur. In: Dichtung und Welt im Mittelalter (Stuttgart 1959), S. 56 ff.CrossRefGoogle Scholar
  3. 9.
    Dazu grundlegend: Elisabeth Berg, Das Ludwigslied und die Schlacht bei Saucourt. In: Rhein. Vjbl. 29 (1964), S. 175–199.Google Scholar
  4. 11.
    Zum Stofflichen: John Ernst Matzke, Contribution to the History of the Legend of Saint George. In: PMLA 17 (1902), S. 464–535 und 18 (1903), S. 99–171.Google Scholar
  5. 13.
    Ich zähle nach der sinngemäßen Zeilenfolge, wie das Althochdeutsche Lesebuch sie am Rande rechts andeutet. Vgl. dazu Hermann Menhardt, Die Überlieferung des ahd. 138. Psalms. In: ZdfA 77 (1940), S. 76–84.Google Scholar
  6. 14.
    Vgl. Fritz Willems, Psalm 138 und althochdeutscher Stil. In: DVjs. 29 (1955), S. 429–446. Teilweise ergänzend: Otto Ludwig, Der althochdeutsche und der biblische Psalm 138. In: Euphorion 56 (1962), S. 402–409.Google Scholar

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  • Walter Haug

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