Advertisement

»Christ ist erstanden gebessert« Zu Luthers Stellung in der Geschichte des deutschen Gemeindeliedes

  • Gerhard Hahn

Zusammenfassung

Die extremen, von konfessioneller Polemik diktierten Urteile über Luthers Stellung in der Geschichte des deutschen kirchlichen Liedes, die entweder diese Gattung überhaupt erst mit dem Reformator beginnen ließen oder ihm aber jede Eigenleistung in seiner Rezeption mittelalterlicher Traditionen absprachen, — diese Urteile haben sich unter dem Druck der Fakten längst eingependelt. Eine ‚Vaterschaft‘, wie die beliebte hymnologische Metapher für richtungweisende und zukunftsträchtige Leistung lautet, wird Luther nicht mehr bestritten, angesichts der Tradition aber, die er antraf und nutzte,1 eingeschränkt auf das evangelische Kirchenlied.2 Insbesondere der genaue Vergleich der Lutherlieder mit ihren Vorlagen, wie ihn vor allem Friedrich Spitta3 durchgeführt hat, erschloß eine Fülle von Beobachtungen, die der Metapher Inhalt geben. Sein Vergleichsverfahren hat — neben der folgenreichen liturgischen Aufwertung der Lieder bei Luther insgesamt (von Spitta allerdings unterschätzt) — Kontinuität und Veränderung vor allem der theologischen Gehalte, mehr am Rande auch der literarischen Gestaltung und da und dort wenigstens andeutungsweise auch der musikalischen Form sichtbar gemacht. Wenn das Ergebnis dennoch nicht befriedigt, dann weniger deshalb, weil die Beobachtungen besonders aus der Sicht des Literatur- und Musikwissenschaftlers durchaus ergänzbar sind, sondern deshalb, weil die verschiedenen Aspekte, liturgische Situation, theologische Aussage, literarische und musikalische Gestaltung, ungenügend aufeinander bezogen sind.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Notizen

  1. 5.
    Abgedruckt im Anhang nach: Martin Luther, Die deutschen geistlichen Lieder, hrsg. Gerhard Hahn (Tübingen 1967. NDL N. F. 20), S. 14–16 (Nr. 8).CrossRefGoogle Scholar
  2. Entspricht: D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe, Haupthrsg. Wilhelm Lücke, Bd. 35 (Weimar 1923, Neudr. 1964), S. 443–445 (Nr. 16); künftig zitiert WA 35.Google Scholar
  3. 9.
    Im Anhang abgedruckt nach dem Wittenberger Gesangbuch 1533 (Faksimile: Das Klugsche Gesangbuch 1533, ergänzt u. hrsg. Konrad Ameln [Kassel, Basel 1954]), also in der Fassung, in der es ab 1529 (Ausgabe verschollen) in die Wittenberger Gesangbücher aufgenommen wurde. Zu einer Sinnvariante gegenüber der ältesten Überlieferung vgl. u. Anm. 28.14 So auch Ernst Sommer, Die Metrik in Luthers Liedern. In: Jahrb. f. Liturgik u. Hymnologie 9 (1964), S. 29–81, bes. S. 52.25 Walther Lipphardt, Christ ist erstanden. Zur Geschichte des Liedes. In: Jahrb. f. Liturgik u. Hymnologie 5 (1960), S. 96–114; Zitat S. 112. Vgl. u. Anm. 50.Google Scholar
  4. 26.
    Im Anhang abgedruckt nach Analecta hymnica medii aevi, hrsg. G. M. Dreves, Cl. Blume (u. H. M. Bannister), Bd. 54 (Leipzig 1915), S. 12 £. (Nr. 7).33 Vgl. Walther Hinck, Goethes Ballade »Der untreue Knabe«. Zur Geschichte der siebenzeiligen Strophe in mittelalterlicher und neuerer deutscher Lyrik. In: Euphorion 56 (1962), S. 25–47.Google Scholar
  5. 39.
    Vgl. Franz Joseph Dölger, Sol salutis. Gebet und Gesang im christlichen Altertum (2. Aufl. Münster 1925), bes. S. 364–410.Google Scholar
  6. 40.
    Grundsätzliches zuletzt bei Heinrich Bornkamm, Luther als Schriftsteller (SB Heidelberg, Phil.-hist. Kl., 1965, 1. Abh.), S. 14–16. 31.42 Emil Sehling, Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts I (Leipzig 1902), S. 700–710, bes. 704. Ich danke Johannes Bergsma für den freundlichen Hinweis.51 Zur liturgischen Grundentscheidung Luthers und liturgischen Praxis vgl. Walter Reindell, Das De tempore-Lied des ersten Halbjahrhunderts der reformatorischen Kirche (Würzburg 1942. Musik und Schrifttum 1).Google Scholar
  7. 52.
    Zu Luthers Lehre vom Wort, Sakrament und Glauben sei hier nur summarisch verwiesen auf die Gesamtdarstellung seiner Theologie durch Paul Althaus, Die Theologie Martin Luthers (2. Aufl. Gütersloh 1963).Google Scholar
  8. 60.
    Vgl. Konrad Ameln, Luthers Liedauswahl. In: Jahrb. f. Liturgik u. Hymnologie 5 (1960), S. 122–125.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1969

Authors and Affiliations

  • Gerhard Hahn

There are no affiliations available

Personalised recommendations