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Reimpaare Freidanks bei Oswald von Wolkenstein

  • Christoph Petzsch

Zusammenfassung

In der hier vorgelegten Studie geht es nicht darum, zu klären, inwieweit der Text im Cento1 Oswalds von Wolkenstein Wer hie umb diser weide lust / sein ewig freud dort geben wil2 mit der Textüberlieferung in Freidanks »Bescheidenheit«3 übereinstimmt, und von welcher Art Abweichungen sind; diese Fragen bleiben indessen nicht unberührt. Hauptziel der Untersuchung ist die Aufdeckung des Sachverhalts bei Oswalds Verfahren, Reimpaare Frei-danks in Strophenform und Melodie zu setzen. Die Klärung dieser Fragen der Vortragsform verspricht Aufschlüsse nicht nur über Oswald von Wolkenstein in seiner Spätzeit, sondern auch über Fortleben und Vorstellungen vom Genotyp der Erfahrungssprüche aus der »Bescheidenheit« mehr als zweihundert Jahre später. Wir dürfen Oswald als stellvertretend für seine Zeit nehmen, wenngleich mit der Einschränkung, daß seine heimatliche Südtiroler Berglandschaft damals Rückzugsgebiet, und damit als recht konservativ zu beurteilen ist, wie auch das gesamte dort entstandene Spätwerk Oswalds erweist4. Lohnend erscheint eine solche, bisher fehlende5 Untersuchung des Freidank-Cento umso mehr, als die Handschrift zur Strophen-form eine Melodie überliefert. auch damit ist der Cento ein singulärer Fall in der gesamten Freidanküberlieferung; nachweisbares Weiterleben einzelner Reimpaare im liede des 15., auch noch des frühen 16. jahrhunderts steht auf einem anderen Blatt6.

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Notizen

  1. 5.
    Werner Marold, Kommentar zu den Liedern Oswalds von Wolkenstein (Teildruck der Diss. Göttingen 1927), S. 39 ff., trägt zur Melodie nichts, auch zum Text nur sehr wenig bei. Eine Neubearbeitung des Kommentars bereitet W. Roll (Hamburg) vor.Google Scholar
  2. 8.
    Ein Cento aus Freidank bei Oswald von Wolkenstein. In: Festschrift f. Wilhelm Braune (Dortmund 1920), S. 255–59 (vgl. schon Ignaz v. Zingerle, SB Wien 1870, S. 638 ff.).Google Scholar
  3. 9.
    Vgl. Schatz, Ausgabe, S. 120. U. G. Baranow, Teilnehmer einer Freidank-Ubung im Deutschen Seminar der Universität München im Sommersemester 1968, gelangte mit Eingrenzung der in Frage kommenden Handschriften auf h und i noch weiter, ohne die Vorlage Oswalds genau bestimmen zu können. — Hermann Paul kam zu dem Ergebnis, daß der lat.-dt. Freidank der Berliner Papierhs. a am nächsten steht, welche die „ursprüngliche, ganz prinziplose Anordnung“ am besten bewahrt, vgl. Über die ursprüngliche Anordnung von Freidanks Bescheidenheit. In: SB München 1899, S. 167ff.; dort 168 und 250ff.12 Zu verstehen als Hinleitung zum „Wiedererkennen einfacher Grundwahrheiten" einer von Gott gesetzten Weltordnung; s. Karl Stackmann, Der Spruchdichter Heinrich von Mügeln. Vorstudien zur Erkenntnis seiner Individualität (Heidelberg 1958), S. 109. Dem zu dienen, sah Oswald nach so bewegtem Leben und allen seinen Erfahrungen im Alter als ausschließliche Aufgabe seiner Kunst an — nur am Ende seines Lebens und nur in dieser Hinsicht den meistern jener Jahrhunderte vergleichbar.Google Scholar
  4. 16.
    Vgl. Oswald von Wolkenstein »Es ist ain altgesprochen rat« als gesungenes Lied. In: Germanistik in Forschung und Lehre, hrsg. Rudolf Henß und Hugo Moser (Berlin 1965), S. 151–156; 153.Google Scholar
  5. Der gleiche Sachverhalt wird auch als „unendliche Wiederholung“ bezeichnet, vgl. Siegfried Beyschlag, Langzeilen-Melodien. In: ZfdA 93 (1964), S. 157–176; dort 160 u. ö. — Vgl.Google Scholar
  6. noch K. Bertau, Epenrezitation im dt. Mittelalter. In: Etudes Germaniques 20 (1965), S. 1–17; 13 ff.18 Vgl. u. a. die Spezialstudien Ernst Ferdinand Kossmann, Die siebenzeilige Strophe in der deutschen Literatur (Den Haag 1923); weiterführend Walter Hinck, Goethes Ballade »Der untreue Knabe«. Zur Geschichte der siebenzeiligen Strophe in mittelalterlicher und neuerer deutscher Lyrik. In: Euphorion 56 (1962), S. 25–47.Google Scholar
  7. 19.
    Winsbeckische Gedichte nebst Tirol und Fridebrant, hrsg. Albert Leitzmann (3., neubearb. Aufl. von Ingo Reiffenstein, Tübingen 1962. ATB Nr. 9).24 Google Scholar
  8. Werner Hofmann (Altdeutsche Metrik [Stuttgart 1967. Slg. Metzler 64]) befindet bei einer „Hergerstrophe“ (Bauweise wie Tirolstrophe) auf „einteilig gebaute Strophe mit Betonung des Strophenschlusses“, ohne die Einteiligkeit zu begründen (S. 88). Helmuth Thomas sieht Einteiligkeit nur im Text (vgl. oben Anm. 21, dort Sp. 2407).29 Vgl. Verfasser, Text- und Melodietypenveränderung bei Oswald von Wolkenstein. In: DVjs. 38 (1964), S. 491–512; ders., Die Bergwaldpastourelle Oswalds von Wolkenstein. Text- und Melodietypenveränderung II. In: ZfdPh 87 (1968), Sonderheft Lyrik des Mittelalters, S. 195–222.Google Scholar
  9. 38.
    38 Vergleichbares in jener Zeit: Nur zwei Jahrzehnte nach Entstehung von Oswalds Cento wählte der Autor eines geistlichen Kontrafakts Geeignetes aus der res contra-facienda systematisch aus. Näheres vgl. Verf., Geistliche Kontrafakta des späten Mittelalters. In: AfMw. 25 (1968), S. 19–29.40 Begriffsbildung von Otto Behaghel, Beziehungen zwischen Umfang und Reihenfolge von Satzgliedern. In: Indogermanische Forschungen 25 (1909), S. 110–142 („[. . .] eigenartiges rhythmisches Gefühl, die Neigung, vom kürzeren zum längeren Glied überzugehen, was ich, um einen ganz kurzen Ausdruck zu gewinnen, als das Gesetz der wachsenden Glieder bezeichnen möchte“ [S. 139]).47 Wolfgang Mohr, Vortragsform und Form als Symbol im mittelalterlichen Liede. In: Festgabe f. Ulrich Pretzel (Berlin 1965), S. 128–158, dort 128.Google Scholar
  10. 48.
    Jetzt zu vergleichen in: Die Colmarer Liederhandschrift. Faks.-Ausgabe ihrer Melodien hrsg. Friedrich Gennrich (Langen bei Frankfurt 1967), S. 186.Google Scholar
  11. 50.
    Vgl. Aufbau und Entstehung des cgm 4997 (Kolmarer Liederhandschrift). In: DVjs. 34 (1960), S. 189–243, dort 233 f. Zu den jüngeren meistern gehören bei Husmann z. B. der Harder und Lesch, d. h. meister des 15. Jahrhunderts.Google Scholar
  12. 51.
    Die Sangesweisen der Colmarer Handschrift und die Liederhandschrift Donaueschingen, hrsg. Paul Runge (Leipzig 1896, Nachdruck Hildesheim 1965), Nr. 110.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1969

Authors and Affiliations

  • Christoph Petzsch

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