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Fatzer

  • Judith Wilke
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Zusammenfassung

Das zwischen 1926 und 1930 entstandene Fatzer-Fragment ist das umfangreichste Bruchstück in B.s Nachlass: Auf über 500 Seiten finden sich Typoskripte neben flüchtig notierten Handschriften in Notizbüchern und auf losen Zetteln, darunter einige Skizzen und aus Zeitungen ausgeschnittene Photographien. Disparat ist auch die Fülle der in diesem Konvolut versammelten Textsorten und Schreibweisen: Dialog-, Szenen- und Fabelentwürfe, Stück- und Szenenpläne, konzeptionelle Überlegungen, Chöre und Monologe sowie Gedichte, Prosatexte und theoretische Reflexionen. Die Handlung des geplanten Stücks reflektiert die Erfahrung des ersten Weltkriegs aus der Perspektive der krisengeschüttelten Weimarer Republik: Vier Männer desertieren aus dem Krieg, verstecken sich hinter der Front in Mülheim a. d. Ruhr und warten auf die Revolution. B.s Entwürfe schildern, wie diese kleine Gruppe von Illegalen den Krieg an der ›Heimatfront‹ erlebt und wie sich die Wut über ihre Lage und das Ausbleiben der Revolution nach innen entlädt, vor allem gegen ihren Anführer, den Fatzer. Der überwiegende Teil des Fragments kreist um diese Fabel, während ungefähr ein Viertel der Entwürfe keinen Bezug zur Handlung aufweist. Die Entstehungsgeschichte des Fatzer lässt sich nur bedingt rekonstruieren, und die Edition der Texte bleibt in hohem Maße abhängig von interpretatorischen Entscheidungen.

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  • Judith Wilke

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