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Einleitung

Zwischen Empfindung und Reflexion
  • Ulrich Tadday

Zusammenfassung

Eine Diskursgeschichte der „Romantik” in der Musikanschauung des 19. Jahrhunderts müßte, der konventionellen Vorstellung von der „romantischen” Musikanschauung entsprechend, eigentlich mit einer Betrachtung der Schriften Wilhelm Heinrich Wackenroders und Ludwig Tiecks sowie E. T. A. Hoffmanns beginnen. Der Begriff läßt sich aber weder in den „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders” (1797) noch in den „Phantasien über die Kunst, für Freunde der Kunst” (1799) nachweisen. Die frühen zeitgenössischen Rezensionen sparen den Begriff ebenfalls aus.1 Selbst Friedrich Schlegel, der bedeutendste Philosoph der „Frühromantik”, benutzt ihn nicht, um die „Herzensergießungen” zu charakterisieren: In einem Brief an seinen Bruder August Wilhelm lobt er an Wackenroder „die Art der schönen Sentimental. [ität]”, findet ihn „einfach und musikalisch” — aber anscheinend nicht „romantisch”.2 Dagegen scheint E. T. A. Hoffmanns berühmte Rezension zu Beethovens 5. Symphonie (1810) einen nahezu idealen Ausgangspunkt zu bieten. E. T. A. Hoffmann bezeichnet Beethoven nicht nur als einen „rein romantischen (…) Komponisten, dessen Musik „die Hebel des Schauers, der Furcht, des Entsetzens, des Schmerzes” bewegt und „jene unendliche Sehnsucht” erweckt, „die das Wesen der Romantik ist”, sondern er stilisiert die reine Instrumentalmusik an sich zur „romantischsten aller Künste” und nennt sie fast „allein rein romantisch”.3 Wenn die Diskursanalyse der musikalischen „Romantik” trotzdem nicht mit der Rezension E. T. A. Hoffmanns beginnt, dann geschieht dies aus zwei guten Gründen: Zum ersten scheint es sehr unwahrscheinlich, daß die Rede vom „Romantischen” in der Musik in solch emphatischem Ton anhebt, wie ihn E. T. A. Hoffmann anschlägt.

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Anmerkungen zur Einleitung

  1. E. T. A. Hoffmann, „Beethoven, C moll-Sinfonie”, In: Dichtungen und Schriften sowie Briefe und Tagebücher, Gesamtausgabe, Hrsg. v. Walther Harich, 15 Bde., Bd. 12: Die Schriften über Musik, Weimar: Lichtenstein, 1924, S. 128 ff.Google Scholar
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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1999

Authors and Affiliations

  • Ulrich Tadday

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