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Raum und Zeit als Kategorien der Literaturwissenschaftsforschung

  • Michel Espagne
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

Wissenschaftsgeschichte der Literaturwissenschaft zu betreiben heißt, seit die ältere Heldengeschichte überwunden ist, den Differenzierungsprozeß der Forschungsgebiete zu untersuchen. Die institutionelle Dimension des wissenschaftlichen Lebens (Berufungssystem, Finanzierung, Gründung und Ausstattung der Institute und Bibliotheken) muß dabei mit innerwissenschaftlichen Tendenzen (Entstehung neuer Unterdisziplinen, wissenschaftliche Debatten, Schwerpunkte der Veröffentlichungen) in Einklang gebracht werden. So widersprüchlich die innerwissenschaftliche und die institutionell-organisatorische Ebene auch scheinen mögen, es geht in beiden Fällen um die synoptische Erfassung eines sozialen Systems. Daß dieses System entwicklungsfähig ist, wird zwar stillschweigend vorausgesetzt, spielt aber in den Darstellungsversuchen keine zentrale Rolle. Es wird meistens auch die Tatsache ausgeklammert, daß das Wissenschaftssystem als Konstrukt des Wissenschaftshistorikers etwas mit dessen Zeithorizont zu tun hat. Dabei macht zum Beispiel Klaus Weimar in seiner paradigmatischen Geschichte der deutschen Literaturwissenschaft von vornherein kein Hehl daraus, daß er von einer rückläufigen Zeitwahrnehmung ausgeht, das heißt die Komponenten des 1989 als Germanistik bezeichneten Lehr- und Forschungsbetriebs so weit wie möglich in die Vergangenheit zurückverfolgt.1 Die Zeitdimension spielt in der Gestaltung der Fachgeschichte eine heimliche Rolle, der man jetzt näher auf die Spur gehen sollte.

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Literaturverzeichnis

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  • Michel Espagne

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