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Evaluation in der Wissenschaft am Beispiel der ›American Studies‹. Ein differenztheoretisch geleiteter Beitrag zur Selbstreflexion der ›American Studies‹

  • Sonka Meier
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

Die Verwissenschaftlichung der Gesellschaft hat im 20. Jahrhundert zu einer stetigen Bedeutungssteigerung der Wissenschaft in Verbindung mit einem enormen Wachstum des Hochschulwesens geführt. In diesem Zusammenhang wird der erheblich erweiterte Umfang des zur Verfügung gestellten Wissens als ›Informationsexplosion‹ wahrgenommen; durch diese quantitative Entwicklung wurde zugleich ein Verschleiß der externen Autorität dieses Wissens ausgelöst. So hat der Erfolg der Wissenschaft paradoxerweise dazu beigetragen, daß es in den letzten Jahrzehnten einerseits zur intern bedingten Überlastung und zum fortschreitenden Orientierungsverlust in der Entwicklung der Disziplinen gekommen ist und andererseits die öffentliche Wahrnehmung der Wissenschaften zunehmend negativ geprägt wird.1

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Literaturverzeichnis

  1. 1.
    Vgl. Peter Weingart: »Der Forschungsindex. Welche Forschung ist gut?« In: Bild der Wissenschaft Nr. 5, 1993, S. 34f.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. hierzu Paul Lauter: Canons and Contexts. New York 1991.Google Scholar
  3. 3.
    Durch den Gebrauch des Begriffs ›Postmoderne‹ soll hier also nicht etwa von einem tatsächlichen Ende der Moderne ausgegangen werden. Vielmehr sind die Phänomene, die als Indizien einer ›Postmoderne‹ reflektiert werden, auf den Prozeß der zunehmenden Globalisierung zu beziehen, also als Folge der Moderne im Luhmannschen Sinne anzusehen; vgl. hierzu Robert Weimann: »Das Ende der Moderne? Versuch über das Autoritätsproblem in unserer Zeit«. In: R. W./Hans Ulrich Gumbrecht (Hrsg.): Postmoderne — globale Differenz. Frankfurt a. M. 1992, S. 9–53.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Mike Featherstone: Undoing Culture. Globalization, Postmodernity and Identity. London 1995, hier S. 114.Google Scholar
  5. 5.
    John Carlos Rowe: »A Future for American Studies: The Comparative U. S. Cultures Model«. In: Günter Lenz/Klaus Milich (Hrsg.): American Studies in Germany. Frankfurt a.M. 1995, S. 262–278, hier S. 262.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. hierzu Paul Giles: »Reconstructing American Studies: Transnational Paradoxes, Comparative Perspectives«. In: Journal of American Studies 28 (1994), S. 335–358.CrossRefGoogle Scholar
  7. 7.
    Vgl. Niklas Luhmann: Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt a.M. 1997, hier S. 45ff.Google Scholar
  8. 8.
    Der Beitrag reagiert auf diese Weise auch auf die soziologische Diskussion der letzten Jahre, in der festgestellt wird, daß in den Sozialwissenschaften ein steigender Bedarf besteht, über den Kulturbegriff »theoretische Momente in die Soziologie einzuführen, die ihr bislang eher fremd sind« — vgl. Dirk Baecker: »Der Einwand der Kultur«. In: Berliner Journal für Soziologie 1 (1996), S. 5–14, hier S. 5.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. hierzu auch Winfried Fluck: »Literature, Liberalism, and the Current Cultural Radicalism«. In: Rüdiger Ahrens/Laurenz Volkmann (Hrsg.): Why Literature Matters. Theories and Functions of Literature. Heidelberg 1996, S. 211–234, hier S. 212.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. allgemein zum Begriff ›Beobachtung zweiter Ordnung‹ Niklas Luhmann: Die Kunst der Gesellschaft. Frankfurt a.M. 1997, insbes. S. 92–164, in bezug auf Wissenschaft insbes. S. 105f.Google Scholar
  11. 11.
    Niklas Luhmann: »Takt und Zensur im Erziehungssystem«. In: N. L./Karl-Eberhard Schorr (Hrsg.): Zwischen System und Umwelt: Fragen an die Pädagogik. Frankfurt a.M. 1996, S. 280.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. das »Vorwort« zu Niklas Luhmann: Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft. Bd. 1. Frankfurt a.M. 1993.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. hierzu und zu anderen praktizierten Evaluationsmethoden Stefan Hornbostel: Wissenschaftsindikatoren. Bewertungen in der Wissenschaft. Opladen 1997.Google Scholar
  14. 14.
    Daniel Fallon: »Kein Geheimnis und nicht mühsam. Evaluation von Forschung, Lehre und Service in den USA«. In: Forschung und Lehre 8 (1998), S. 403–405, hier S. 403.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. hierzu Rudolf Stichweh: »Die Autopoiesis der Wissenschaft«. In: R. St. u. a. (Hrsg.): Theorie als Passion. Frankfurt a.M. 1987, S. 447–481;Google Scholar
  16. Niklas Luhmann: Die Wissenschaft der Gesellschaft. Frankfurt a. M. 1990.Google Scholar
  17. 16.
    Henry Nash Smith: »Can American Studies Develop a Method?« In: American Quarterly 9 (1957), S. 197–208.CrossRefGoogle Scholar
  18. 17.
    Zu den bis heute anhaltenden Debatten um diesen und andere Gründungstexte der ›American Studies‹ siehe auch Thomas Claviez: Grenzfälle. Zum Verhältnis von Mythos und Ideologie in den American Studies. Phil. Diss. (FB Neuere Fremdsprachliche Philologien) Freie Universität Berlin 1996, S. 177.Google Scholar
  19. 18.
    Ausführlich zum modernen Wissenschaftssystem vgl. Luhmann (Anm. 15); Rudolf Stichweh: Zur Entstehung des modernen Systems wissenschaftlicher Disziplinen: Physik in Deutschland 1740–1890. Frankfurt a. M. 1984.Google Scholar
  20. 19.
    Vgl. hierzu auch eine andere prominente Publikation der Gründungsphase der ›American Studies‹: Robert Spiller: »Value and Method in American Studies: The Literary Versus the Social Approach«. In: Jb. für Amerikastudien 4 (1959), S. 11–24.Google Scholar
  21. 20.
    Vgl. dazu Georg Bollenbeck: Bildung und Kultur. Glanz und Elend eines deutschen Deutungsmusters. Frankfurt a.M. 1996. Bollenbeck stellt in überzeugender Weise heraus, daß er ein spezifisch deutsches (gesellschaftliches) Deutungsmuster beschreibe, jedoch finden sich in der kulturellen Entwicklung der amerikanischen Identität deutliche Parallelen.Google Scholar
  22. 25.
    Zum Verfall des traditionellen Geniekonzepts siehe Brigitte Scheer: Einführung in die Philosophische Ästhetik. Darmstadt 1997, insbes. S. 102ff.Google Scholar
  23. 30.
    Siehe aber Klaus Fischer: »Leistung, nicht Konsens messen! Evaluation und Finanzierung aus der Sicht eines Wissenschaftshistorikers«. In: Forschung und Lehre 8 (1998), S. 399–402.Google Scholar
  24. 31.
    Vgl. hierzu auch Winfried Fluck: »Das ästhetische Vorverständnis der American Studies«. In: Jb. für Amerikastudien 18 (1973), S. 110–129.Google Scholar
  25. 34.
    Vgl. hierzu Bärbel Rompeltien: Germanistik als Wissenschaft: Zur Ausdifferenzierung und Integration einer Fachdisziplin. Opladen 1994.Google Scholar
  26. 36.
    Siehe als Beispiel dieser Dynamik die Entwicklung von der ›Myth-and-Symbol-School‹-Phase, die sich an die ›take-off‹-Phase der ›American Studies‹ unmittelbar anschließt. Zur folgenden Kritik dieser Tradition vgl u. a. Robert Sklar: »American Studies and the Realities of America«. In: American Quarterly 22 (1970), S. 597–605.CrossRefGoogle Scholar
  27. Eine neue Phase beginnt mit Lawrence W. Levine: Black Culture and Black Consciousness. Afro-American Folk Thought from Slavery to Freedom. New York 1977.Google Scholar
  28. 37.
    Als prominente Texte, die sich entlang der in der ›take-off‹-Phase der ›American Studies‹ entwickelten Leitlinien um das Herausarbeiten zentraler amerikanischer Mythen und Symbole bemühen, sollen an dieser Stelle genannt werden: Leo Marx: The Machine in the Garden. Oxford 1964;Google Scholar
  29. R.W. B. Lewis: The American Adam. Chicago 1965.Google Scholar
  30. 39.
    Siehe z.B. Sacvan Bercovitch: »The Problem of Ideology in American Literary History«. In: Critical Inquiry 12 (1986), S. 631–653.CrossRefGoogle Scholar
  31. 40.
    Siehe etwa Nina Baym: »Melodramas of Beset Manhood: How Theories of American Fiction Exclude Women Authors«. In: American Quarterly 33 (1981), S. 123–139.CrossRefGoogle Scholar
  32. 42.
    Vgl. zum Begriff ›Demokratisierung der Kultur‹ Winfried Fluck: »›Amerikanisierung‹ der Kultur. Zur Geschichte der amerikanischen Populärkultur«. In: Harald Wenzel (Hrsg.): Die Amerikanisierung des Medienalltags. (Nordamerikastudien Bd. 4). Frankfurt a.M./New York 1998, S. 13–52.Google Scholar
  33. 46.
    Vgl. zur Auflösung der räumlichen und zeitlichen Ordnungen Wolfgang Schäfer: »Ungleichzeitigkeit als Ideologie«. In: W. Sch.: Ungleichzeitigkeit als Ideologie. Beiträge zur historischen Aufklärung. Frankfurt a. M. 1994, S. 132–150, hier S. 142f.Google Scholar
  34. 48.
    Richard E. Sykes: »American Studies and the Concept of Culture: A Theory and a Method«. In: American Quarterly 15 (1963), S. 253–270, hier S. 254.CrossRefGoogle Scholar
  35. 49.
    Ausführlich hierzu Niklas Luhmann: »Inklusion und Exklusion«. In: Helmut Berding (Hrsg.): Nationales Bewußtsein und kollektive Identität: Studien zur Entwicklung des kollektiven Bewußtseins in der Neuzeit. Bd. 2. Frankfurt a.M. 1994, S. 15–46.Google Scholar
  36. 50.
    Jürgen Habermas: »Die postnationale Konstellation und die Zukunft der Demokratie«. In: J. H.: Die postnationale Konstellation. Politische Essays. Frankfurt a.M. 1998, S. 91–169, hier S. 99.Google Scholar
  37. — Vgl. zum Prozeß der kulturellen Konstruktion der USA Volker Bischoff/Marino Mania: »›Melting Pot‹-Mythen als Szenarien amerikanischer Identität zur Zeit der ›New Immigration«. In: Bernhard Giesen (Hrsg.): Nationale und kulturelle Identität: Studien zur Entwicklung des kollektiven Bewußtseins in der Neuzeit. Bd. 1. Frankfurt a. M. 1991, S. 513–536, sowie Bernhard Giesen:«Einleitung«. In: ebd., S. 9–18.Google Scholar
  38. 51.
    Vgl. hierzu auch Rudolf Stichweh: »Nation und Weltgesellschaft«. In: Bernd Estel/Tilman Mayer (Hrsg.): Das Prinzip Nation in modernen Gesellschaften. Opladen 1994, S. 83–96, hier S. 87.CrossRefGoogle Scholar
  39. 52.
    Jürgen Habermas: Die Neue Unübersichtlichkeit. Frankfurt a. M. 1984.Google Scholar
  40. 59.
    Vgl. hierzu auch Niklas Luhmann: Legitimation durch Verfahren. Frankfurt a. M. 1998.Google Scholar
  41. 61.
    Vgl. zur kulturellen Bedingtheit der zunehmenden Globalisierung auch Roland Robertson: Globalization. Social Theory and Global Culture. London 1992.Google Scholar
  42. 64.
    Vgl. hierzu auch Klaus H. Schmidt/David Sawyer: »Introduction«. In: K. H. Sch./D. S. (Hrsg.): Blurred Boundaries: Critical Essays on American Literature, Language, and Culture. Frankfurt a.M. 1996, S. 7–25.Google Scholar
  43. 67.
    Vgl. hierzu auch Winfried Fluck: »The ›Americanization‹ of History in New Historicism«. In: Monatshefte 84 (1992) H. 2, S. 220–228.Google Scholar
  44. 68.
    Vgl. Rudolf Stichweh: Wissenschaft, Universität, Professionen: soziologische Analysen. Frankfurt a.M. 1994.Google Scholar
  45. 70.
    Vgl. Randy Martin: »Academic Labor: An Introduction«. In: Social Text 15 (1997) H. 51, S. 1–9.Google Scholar
  46. 71.
    Vgl. Dietmar Braun/Uwe Schimank: »Organisatorische Koexistenzen des Forschungssystems mit anderen gesellschaftlichen Teilsystemen: Die prekäre Autonomie wissenschaftlicher Forschung«. In: Journal für Sozialforschung 32 (1992) H. 3, S. 319–334;Google Scholar
  47. Uwe Schimank: Hochschulforschung im Schatten der Lehre. Frankfurt a. M./New York 1995.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Sonka Meier

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