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Zum Verhältnis von Kontinuität und Diskontinuität in der Literaturwissenschaft der DDR in den 1980er Jahren. Das Beispiel des Kolloquiums »Theorie und Methoden der Interpretation literarischer Werke« (1986)

  • Dagmar Ende
  • Mandy Funke
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

In den bislang vorliegenden Arbeiten zur Geschichte der DDR-Literaturwissenschaft in den 1970er und 1980er Jahren werden einhellig ein Wandel der Leitbegriffe, Gegenstände und Diskursmerkmale sowie eine Pluralisierung der theoretischen und methodischen Ansätze konstatiert. Dissens besteht dagegen hinsichtlich Ausmaß und Wirkung der Differenzierungen, des Verhältnisses von Kontinuität und Diskontinuität und der sich darin manifestierenden Beziehungen zwischen Herrschafts- und Fachdiskurs.

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Literaturverzeichnis

  1. 1.
    Klaus Städkte: »Beispiele der Deformation wissenschaftlichen Denkens in den Geisteswissenschaften der früheren DDR«. In: Leviathan. 19 (1991) H. 1, S. 32–43, hier S. 33.Google Scholar
  2. 2.
    Angezeigt wird diese Perspektive z. B. auch, wenn Petra Boden eine »gewisse rhetorische Konsistenz in der DDR-Literaturwissenschaft« konstatiert, die »die Analyse aufwendig und schwierig« mache — Petra Boden: »›Es geht ums Ganze!‹ Vergleichende Beobachtungen zur germanistischen Literaturwissenschaft in beiden deutschen Staaten 1945–1989«. In: Euphorion 91 (1997), S. 247–275, hier S. 272. — In der Beobachtung der DDR-Literaturwissenschaft ist bislang selten detailliert den Besonderheiten ihrer Kommunikationsweisen, ihrer Texte nachgegangen worden.Google Scholar
  3. Zu nennen sind Untersuchungen zu rhetorischen und argumentativen Mustern eines bestimmten Diskussionsfeldes bzw. zu Merkmalen des literaturwissenschaftlichen Diskurses: Lutz Danneberg u.a.: »Die Rezeption der Rezeptionsästhetik in der DDR: Wissenschaftswandel unter den Bedingungen des sozialistischen Systems«. In: Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik Nr. 38/39, 1995, S. 643–702;Google Scholar
  4. Rainer Rosenberg: »Der ritualisierte Diskurs. Das Modell der offiziellen sowjetischen Literaturtheorie der 50er Jahre«. In: Zs. für Germanistik N. F. 2 (1993), S. 99–109; ders.: »Zur Geschichte der Literaturwissenschaft in der DDR«. In: Zs. für Germanistik N. F. 1 (1991), S. 247–256;Google Scholar
  5. ders.: »Zur Begründung der marxistischen Literaturwissenschaft in der DDR«. In: Petra Boden/R. R. (Hrsg.): Deutsche Literaturwissenschaft 1945–1965. Fallstudien zu Institutionen, Diskursen, Personen. (Literaturforschung). Berlin 1997, S. 204–240.Google Scholar
  6. 3.
    Erinnert sei hier etwa an die Auseinandersetzung mit Hayden Whites Betrachtung historiographischer Genres, an die handlungs- und kommunikationstheoretischen Textbeobachtungen in der Soziologie und an entsprechende Untersuchungen der (sprach-)analytischen Philosophie, vgl. Jürgen Fohrmann: »Die Allegorese der Wirklichkeit. Zu Hayden Whites rhetoriktheoretischem Ansatz am Beispiel der Schriften Metahistory und The Content of the Form«. In: IASL 18 (1993) H. 2, S. 161–168;Google Scholar
  7. Daniel Fulda: Wissenschaft aus Kunst. Die Entstehung der modernen deutschen Geschichtsschreibung 1760–1860. (European cultures, Vol. 7). Berlin/New York 1996;CrossRefGoogle Scholar
  8. Wolfgang Ludwig Schneider: Die Beobachtung von Kommunikation. Zur kommunikativen Konstruktion sozialen Handelns. Opladen 1994;CrossRefGoogle Scholar
  9. Tilmann Sutter (Hrsg.): Beobachtung verstehen, Verstehen beobachten. Perspektiven einer konstruktivistischen Hermeneutik. Opladen 1997;Google Scholar
  10. Axel Spree: Kritik der Interpretation. Analytische Untersuchungen zu interpretationskritischen Literaturtheorien. (Explicatio). Paderborn u. a. 1995;Google Scholar
  11. Werner Strube: Analytische Philosophie der Literaturwissenschaft. Definition, Klassifikation, Interpretation, Bewertung. (Explicatio). Paderborn u.a. 1993.Google Scholar
  12. 4.
    Lutz Danneberg: »Darstellungsformen in Geistes- und Naturwissenschaften«. In: Peter J. Brenner (Hrsg.): Geist, Geld und Wissenschaft. Arbeits- und Darstellungsformen von Literaturwissenschaft. Frankfurt a.M. 1993, S. 99–137, hier S. 99f.Google Scholar
  13. 6.
    Lutz Danneberg/Jörg Schönert: »Belehrt und verführt durch Wissenschaftsgeschichte«. In: Petra Boden/Holger Dainat (Hrsg.): Atta Troll tanzt noch. Selbstbesichtigungen der literaturwissenschaftlichen Germanistik im 20. Jahrhundert. (Literaturforschung). Berlin 1997, S. 13–57, hier S. 33.Google Scholar
  14. 7.
    Ursula Heukenkamp: »Theorie der Interpretation statt ›Kunst der Interpretation‹«. In: Weimarer Beiträge 28 (1982) H. 4, S. 150–157, hier S. 150f.Google Scholar
  15. 8.
    Wolfgang Thierse/Dieter Kliche: »DDR-Literaturwissenschaft in den siebziger Jahren. Bemerkungen zur Entwicklung ihrer Positionen und Methoden«. In: Weimarer Beiträge 31 (1985) H. 2, S. 267–308, hier S. 297f. Noch hier macht sich allerdings der Wunsch nach einer erneuten Homogenisierung bemerkbar, wenn etwa die »Begründung einer materialistischen Hermeneutik/Interpretationstheorie« als eines der »besonders dringliche[n] Desiderata literaturtheoretischer, systematischer Forschung« bezeichnet wird. (S. 278f.)Google Scholar
  16. 11.
    Christoph König: »Wissen, Werte, Institutionen«. In: Wilfried Barner/Christoph König (Hrsg.): Zeitenwechsel. Germanistische Literaturwissenschaft vor und nach 1945. Frankfurt a.M. 1996, S. 361–384, hier S. 366.Google Scholar
  17. 12.
    Clemens Knobloch: »Zum Status und zur Geschichte des Textbegriffs. Eine Skizze«. In: LiLi 20 (1990) H. 77, S. 66–87, hier S. 79, Anm. 32 (Hervorhebungen im Original).Google Scholar
  18. 13.
    Dem Axiom ›Text als kommunikatives Ereignis‹ sind z. B. alle Beiträge des folgenden Bandes verpflichtet: Wolfgang Motsch (Hrsg.): Ebenen der Textstruktur. Sprachliche und kommunikative Prinzipien. Tübingen 1996.Google Scholar
  19. Der Begriff ›kommunikativer Akt‹ wird gegen den herkömmlichen intentionalistischen Sprachhandlungsbegriff gesetzt bei Dietrich Busse: Textinterpretation. Sprachtheoretische Grundlagen einer explikativen Semantik. Opladen 1992, vgl. S. 13–24 und S. 164f.Google Scholar
  20. 14.
    Auch in den zahlreichen einschlägigen Arbeiten allein der Linguistik wird meist anwendungsorientiert vorgegangen. Zunächst werden für eine systematische Analyse prinzipiell notwendige Aspekte benannt, danach erfolgt eine pragmatische Selektion. Vgl. z. B. Armin Burkhardt: »Sprache in der Politik. Linguistische Begriffe und Methoden«. In: Englisch-amerikanische Studien 3 (1988) H. 4, S. 333–358, hier S. 336f. und S. 356f.;Google Scholar
  21. Hermann Oldenburg: Angewandte Fachtextlinguistik. ›Conclusions‹ und Zusammenfassungen. (Forum für Fachsprachen-Forschung 17). Tübingen 1992, S. 60–70 und S. 86–116;Google Scholar
  22. Hartmut Schröder: Aspekte sozialwissenschaftlicher Fachtexte. Ein Beitrag zur Fachtextlinguistik. (Papiere zur Textlinguistik 60). Hamburg 1987, S. 125–260 und S. 264f. — Für Anregungen und kritische Hinweise zum linguistischen Ansatz haben wir Armin Burkhardt zu danken.Google Scholar
  23. Vgl. auch Armin Burkhardt: Soziale Akte, Sprechakte und Textillokutionen. A. Reinachs Rechtsphilosophie und die moderne Linguistik. (Reihe Germanistische Linguistik 69). Tübingen 1986; ders.: Zwischen Monolog und Dialog. Das Parlament, seine Sprache und die Welt des Zwischenrufens. Habil.-Schrift Braunschweig 1993.CrossRefGoogle Scholar
  24. 15.
    Neben in Anm. 3 und 13 genannten Arbeiten sind Beispiele der aktuellen interdisziplinären Diskussion bzw. Anwendung dieser Aspekte: Birgit-Nicole Krebs: Sprachhandlung und Sprachwirkung. Untersuchungen zur Rhetorik, Sprachkritik und zum Fall Jenninger. Berlin 1993;Google Scholar
  25. Frank Liedtke: Grammatik der Illokution. Über Sprechhandlungen und ihre Realisierungsformen im Deutschen. (Tübinger Beiträge zur Linguistik 436). Tübingen 1998.Google Scholar
  26. Vgl. auch die Beobachtung von sprachlichen Wertungen als Sprechhandlungen in: Renate von Heydebrand: »Zur Analyse von Wertsprachen in der Zeitschrift Euphorion/Dichtung und Volkstum vor und nach 1945. Am Beispiel von Hans Pyritz und Wilhelm Emrich«. In: Barner/König (Anm. 11), S. 205–230, und Renate v. Heydebrand/Simone Winko: Einführung in die Wertung von Literatur. Systematik — Geschichte — Legitimation. Paderborn u. a. 1996.Google Scholar
  27. 16.
    ›Intentionalistisch‹ erfolgt z. B. die Untersuchung von Illokutionen und Argumentationen bei Werner Strube, der damit die »Struktur der Sprechtätigkeiten« aufdecken will, die »die Sprache des traditionellen Literaturwissenschaftlers« kennzeichnet; seine »Modell-Beispiele« konstruiert er zu großen Teilen aus »repräsentativen«, »typischen« Äußerungen — Strube (Anm. 3), S. 9. Eine kritische Überprüfung der Analyse-Aspekte der sog. ›klassischen Sprechakttheorie‹ erfolgt z. B. in Alexander Schwarz: »Text als Handlung«. In: Alexander Schwarz u. a.: Alte Texte lesen. Textlinguistische Zugänge zur älteren deutschen Literatur. Bern/Stuttgart 1988, S. 125–166;Google Scholar
  28. Schneider (Anm. 3), S. 17–148; Busse (Anm. 13), S. 13–24 u.ö.; Henk de Berg: Kontext und Kontingenz. Kommunikationstheoretische Überlegungen zur Literaturhistoriographie. Mit einer Fallstudie zur Goethe-Rezeption des Jungen Deutschland. Opladen 1995, S. 15–22;Google Scholar
  29. Henk de Berg/Matthias Prangel: »Noch einmal: Systemtheoretisches Textverstehen. Eine Antwort auf Lutz Kramaschkis Kritik am ›Leidener Modell‹«. In: H. de B./M. P. (Hrsg.): Systemtheorie und Hermeneutik. Tübingen/Basel 1997, S. 117–141,Google Scholar
  30. bes. S. 126–129; vgl. auch die einschlägigen Beiträge in: Gerhard Preyer u. a. (Hrsg.): Intention — Bedeutung — Kommunikation. Kognitive und handlungstheoretische Grundlagen der Sprachtheorie. Opladen 1997.Google Scholar
  31. 18.
    Dietrich Busse/Wolfgang Teubert: »Ist Diskurs ein sprachwissenschaftliches Objekt? Zur Methodenfrage der historischen Semantik«. In: D. B. u.a.: (Hrsg.): Begriffsgeschichte und Diskursgeschichte. Methodenfragen und Forschungsergebnisse der historischen Semantik. Opladen 1994, S. 10–28, hier S. 23.Google Scholar
  32. 20.
    Wir nennen hier nur einige der wichtigsten Buchpublikationen in chronologischer Folge: Manfred Naumann u. a.: Gesellschaft — Literatur — Lesen. Literaturrezeption in theoretischer Sicht. Berlin/Weimar 1973;Google Scholar
  33. Dieter Schlenstedt u.a. (Hrsg.): Funktion der Literatur. Aspekte — Probleme — Aufgaben. (Literatur und Gesellschaft). Berlin 1975;Google Scholar
  34. Dietrich Sommer u.a. (Hrsg.): Funktion und Wirkung. Soziologische Untersuchungen zur Literatur und Kunst. Berlin/Weimar 1978;Google Scholar
  35. Dieter Schlenstedt: Wirkungsästhetische Analysen. Poetologie und Prosa in der neueren DDR-Literatur. (Literatur und Gesellschaft). Berlin 1979;Google Scholar
  36. Dieter Schlenstedt u.a.: Literarische Widerspiegelung. Geschichtliche und theoretische Dimensionen eines Problems. Berlin/Weimar 1981;Google Scholar
  37. Rita Schober: Abbild — Sinnbild — Wertung. Aufsätze zur Theorie und Praxis literarischer Kommunikation. Berlin/Weimar 1982;Google Scholar
  38. Dietrich Sommer u.a. (Hrsg.): Leseerfahrung — Lebenserfahrung. Literatur soziologische Untersuchungen. Berlin/Weimar 1983;Google Scholar
  39. Gotthard Lerchner: Sprachform von Dichtung. Linguistische Untersuchungen zu Funktion und Wirkung literarischer Texte. Berlin/Weimar 1984;Google Scholar
  40. Manfred Naumann: Blickpunkt Leser. Literaturtheoretische Aufsätze. Leipzig 1984;Google Scholar
  41. Hans-Georg Werner: Text und Dichtung — Analyse und Interpretation. Zur Methodologie literaturwissenschaftlicher Untersuchungen. Berlin/Weimar 1984.Google Scholar
  42. 28.
    Zur Bearbeitung der Kolloquiumsbeiträge für die Publikation gab Heinz-Jürgen Staszak im Gespräch bzw. in RF 3 folgende Auskunft: Die Vorträge wurden von ihren Autoren überarbeitet und zur Drucklegung eingereicht. Die Bearbeitung der »spontanen Diskussion« folgte einem — leider nicht mehr existierenden — Tonbandmitschnitt, »zumeist unter strikter Verwendung originaler Formulierungen« und im Bemühen, »die Frische spontaner Argumentationsstrukturen, die Anschaulichkeit mündlicher Rede und die polemische […] Unmittelbarkeit der Gedankenführung« zu erhalten — Staszak (Anm. 23), S. 5. — Auch wenn es sich bei einem Teil des Textkorpus um Diskussionen, um ›Gespräche‹ handelt, kamen die bisher vorrangig praktizierten Untersuchungsraster der Gesprächsbzw.Konversationsanalyse, die sich eher an organisatorischen und strukturellen Aspekten des Miteinander-Sprechens orientieren, für unsere Zwecke nicht in Betracht. Was wir allerdings in die Analyse einzelner Äußerungen einbezogen haben, sind die ›Konversationsmaximen und -implikaturen‹ nach H. Paul Grice, vgl. hierzu Eckard Rolf: Sagen und Meinen. Paul Grices Theorie der Konversations-Implikaturen. Opladen 1994.Google Scholar
  43. 29.
    Sowohl in der Textlinguistik allgemein als auch beispielsweise in der Angewandten Fachtextlinguistik umfaßt dieser Teil der Analysemodelle, die Untersuchung der thematischen und grammatischen Textstruktur, noch verschiedene andere Aspekte. Zum Teil müssen wir diese aus Raumgründen ausklammern, etwa die »Textbaupläne«, »Gliederungssignale«, »Binnenstrukturen von Textteilsegmenten« des »Integrativen Modells« — dazu Oldenburg (Anm. 14), S. 42–70, hier S. 61. Auf solche Aspekte gehen wir zum Teil im weiteren Verlauf unserer Ausführungen ein, z. B. auf die »Modalitäten der Themenbehandlung« und die »Beschreibung der die Thematik ausdrückenden sprachlichen Mittel« des Modells — so Klaus Brinker: Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. 3., durchges. und erw. Aufl. Berlin 1992, S. 144–148, hier S. 147.Google Scholar
  44. 33.
    Karl Marx: Einleitung zur Kritik der Politischen Ökonomie. In: K. M./Friedrich Engels: Werke. Berlin 1962, Bd. 13, S. 620–626, hier S. 623.Google Scholar
  45. 34.
    Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft. Hrsg. von Karl Vorländer. 7. Aufl. Hamburg 1990, S. 144 u. ö. — Wie Dieter Schlenstedt hier keinen Quellennachweis anbringt, so reflektiert er auch nicht, daß Kant die Frage, ob es diese »unbestimmte Norm eines Gemeinsinns […] in der Tat […] gebe«, offen läßt (ebd., S. 82).Google Scholar
  46. 39.
    Schlenstedt, RF 3, S. 13f. und 16f.; vgl. Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. In: K. M./Friedrich Engels: Werke. Berlin 1962, Bd. 23, S. 197f.; das Zitat aus: Marx (Anm. 33), S. 623.Google Scholar
  47. 44.
    Vgl.: Manfred Naumann/Dieter Kliche: »Literaturrezeption in der Geschichte«. In: Naumann u. a. (Anm. 20), S. 181–233, hier S. 230; Dieter Schlenstedt: »Problemfeld Widerspiegelung«. In: Schlenstedt u. a.: Literarische Widerspiegelung (Anm. 20), S. 15–188, hier S. 100. — »Adorno merkt zu recht an, daß den Ausdruck ›Sprachkunstwerk‹ […] ein Literaturhistoriker nicht ohne Folgerichtigkeit wählte, daß er so aber den Produktionen auch Gewalt antue, ›die Kunstwerke sind und, ihres relativ selbständigen diskursiven Elementes wegen, doch nicht nur Kunstwerke und nicht durchaus‹« — Schlenstedt, RF 3, S. 9 (mit Zitat von Theodor W. Adorno: Ästhetische Theorie. Frankfurt a.M. 1970, S. 272).Google Scholar
  48. 45.
    Vgl. Schlenstedt: »Das Werk als Rezeptionsvorgabe« (Anm. 38), S. 346–348. — »Und erst im Verlauf dieses Prozesses [der Rezeption] entsteht aus dem, was Mukařovský das ›materielle Artefakt‹ am Kunstwerk genannt hat, aus der ›Sache‹ in der ›Sinnenwelt‹ das, worauf wir uns wertend beziehen können, das ›ästhetische Objekt‹« -Schlenstedt, RF 3, S. 18 (mit Zitat von Jan Mukařovský: Kapitel aus der Ästhetik. Frankfurt a.M. 1970, S. 106, 139). — Als Beispiel für diese ›Hineinnahme‹ Mukařovskýs in die ›marxistische Reflexion‹ vgl. auch Rita Schober: »Zur Frage der Bewertung von Literatur«. In: Weimarer Beiträge 26 (1980) H. 10, S. 23–43, hier S. 32.Google Scholar
  49. 46.
    A. A. Leont’ev bestimmt den ›Sinn‹ einer Äußerung in Anlehnung an Aleksej Nikolaevič Leont’ev als »das Verhältnis des Motivs zum Ziel, ein besonders geartetes Äquivalent der Bedeutung in der konkreten Tätigkeit des konkreten Individuums, die Existenzform der Bedeutung in der individuellen Psyche, die stets durch das System der Beziehungen des Individuums zur Wirklichkeit vermittelt ist« — A. A. L.: »Zur Psychologie der sprachlich-kommunikativen Einflußnahme«. In: Probleme der Psycholinguistik. Aus dem Russ. übersetzt von W. Hartung u. a. (Sprache und Gesellschaft 7). Berlin 1975, S. 57–67, hier S. 59. — Vorgestellt und diskutiert hatte A. N. Leont’evs Auffassung schon Michael Franz: »Literarische Widerspiegelung und historische Sinnstruktur. Dieter Schlenstedts ›Problemfeld Widerspiegelung‹ — Ein Angebot zum Weiterdenken«. In: Weimarer Beiträge 29 (1983) H. 6, S. 1119–1139. Hier war jedoch die ›Sinnherstellung‹ mit dem Vorschlag des Begriffs »historische Sinnstrukturen« in ideologische Deutungsmuster und sozialökonomische Zusammenhänge eingebunden worden — ebd., S. 1130f. Gotthard Lerchner hingegen zählte, ausgehend von der oben zitierten Leont’evschen Bestimmung, den »Handlungs- bzw. Tätigkeitscharakter der Äußerung« und die »Sinnerzeugung beim Rezipienten als Ziel bzw. Ergebnis des Äußerungsaustausches« zu den »für das Textverständnis entscheidenden« Gesichtspunkten — Lerchner (Anm. 20), S. 17f., vgl. auch S. 259.Google Scholar
  50. 47.
    Posdzech (Anm. 10), S. 427 (Hervorhebung im Original). — Eine Stützung erfolgt hier durch den Verweis u. a. auf Schlenstedts »Problemfeld Widerspiegelung« (Anm. 44) und Wilhelm Girnus: Wozu Literatur? Leipzig 1976.Google Scholar
  51. 49.
    Vgl. Leonore Krenzlin/Norbert Krenzlin: »Bitterfeld, einige Fragen der Literaturtheorie und Ole Bienkopp«. In: Weimarer Beiträge 16 (1964) H. 6, S. 872–888, hier S. 873, Anm. 1. Darauf haben schon verwiesen Danneberg u.a. (Anm. 2), S. 687.Google Scholar
  52. 58.
    Zur Unterscheidung und Bestimmung der verschiedenen Präsuppositionstypen — lexikalische, syntaktische, pragmatische, textuelle sowie vollständige und partielle syllogistische — vgl. Armin Burkhardt: »Integration und Distanzierung. Zu einigen typischen Sprachphänomenen im modernen Parlamentarismus«. In: Ruth Reiher/Undine Kramer (Hrsg.): Sprache als Mittel von Identifikation und Distanzierung. (Leipziger Arbeiten zur Sprach- und Kommunikationsgeschichte 5). Frankfurt a. M. u. a. 1998, S. 195–236, hier S. 209–216.Google Scholar
  53. 59.
    Unter ›Dogmatismus‹ wurde im damaligen offiziellen Sprachgebrauch eine »unkritische, unhistorische, metaphysische Denkweise« verstanden, »die von überlieferten ›Dogmen‹, d.h. Meinungen, Lehr- oder Glaubenssätzen ausgeht, an ihnen als gleichsam ewig und überall gültigen Wahrheiten festhält, ohne sie an der konkret gegebenen historischen Situation, an neuen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen auf ihren Wahrheitsgehalt und Erkenntniswert hin zu überprüfen«. Als ›dogmatisch‹ wurden nicht nur »jede Religion«, sondern auch »eine spezifische Form der Abweichung vom Marxismus-Leninismus« gekennzeichnet. In: Georg Klaus/Manfred Buhr (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. 2 Bde. 12., durchges. Aufl. Leipzig 1976, Bd. 1, S. 286. Diese Auflage des Philosophischen Wörterbuches erschien 1985 lediglich noch einmal in einem fotomechanischen Nachdruck.Google Scholar
  54. 63.
    Die Ansicht, daß jede Lesart eines Textes eine „Form seiner Reproduktion” ist und daß aufgrund der Eigenart poetischer Kommunikation die „Reproduktion eines poetischen Textes […] in jedem Falle eine Form seiner Aktualisierung” darstellt, ist schon expliziert in: Gotthard Lerchner/Hans-Georg Werner: „Probleme der semantischen Analyse eines poetischen Textes”. In: Weimarer Beiträge 21 (1975) H. 10, S. 100–136, hier S. 107f.Google Scholar
  55. 73.
    Eberhard Müske/Heidi Ritter: »Strukturuntersuchung und Interpretation künstlerischer Texte. Interdisziplinäres Kolloquium an der Sektion Germanistik und Kunstwissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg«. In: Weimarer Beiträge 35 (1989) H. 11, S. 1898–1902, hier S. 1898f.Google Scholar
  56. 74.
    Vgl. Michael Franz/Detlef Rößler: »Formstrukturen und Sinnstrukturen. Künstlerischer Gehalt und soziale Funktion im Methodenbewußtsein und in der Forschungspraxis der Kunstwissenschaften. Interdisziplinäres Kolloquium vom 6. bis 8. Februar 1989 an der Humboldt-Universität zu Berlin«. In: Weimarer Beiträge 35 (1989) H. 8, S. 1388–1393.Google Scholar
  57. 75.
    Norbert Krenzlin: »Über Sinn und Unsinn der Sinnfrage. Ein Diskussionsbeitrag«. In: Weimarer Beiträge 35 (1989) H. 12, S. 2064–2074, hier S. 2064 und S. 2068 (Hervorhebung im Original).Google Scholar

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  • Dagmar Ende
  • Mandy Funke

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