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Die Begründung der Literaturwissenschaft

  • Klaus Weimar
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

1892 hat der Germanist Konrad Burdach, gerade zum Ordinarius in Halle ernannt, öffentlich alle Philologen und Historiker zum Zusammenschluß gegen zwei Privatdozenten und einen Nicht-Habilitierten aufgerufen.

Man kann diese ›überflüssigen Gedanken der grünenden Jugend‹, wie sie in den Schriften von Wolff, Wetz, Jacobowski zu Tage treten, sich gefallen lassen als Symptome für das Streben nach Vertiefung der Methode der Litteraturgeschichte und in der Hoffnung, dass daraus dereinst vielleicht auch noch ›nothwendige Gedanken‹ hervorwachsen werden. Aber sie haben doch ihre sehr ernste Seite: sie zeigen alle die gleiche Geringschätzung und Unkenntniss der eigentlich philologischen, der echten historischen Arbeit. Da ists denn wahrlich Zeit, dass die Vertreter der klassischen Alterthumswissenschaft, dass Germanisten und Romanisten, dass auch die Historiker über alle trennenden Schranken ihrer Fächer hinaus eingedenk werden der Einheit der Philologie, gemeinsam an der tieferen Grundlegung und Festigung ihrer Theorie arbeiten, jede Hilfe, die von wahrer philosophischer Forschung kommt, dankbar verwerthen, aber jeden Eingriff schönrednerischer Phantasten, konstruktionslüsterner Pseudophilosophen und Pseudoreformatoren kräftig abwehren, damit nicht das dem Verfall der historisch-philologischen Wissenschaft nothwendig folgende Sinken der nationalen Bildung, damit nicht Amerikanismus und der Götzendienst der Phrase, diese beiden Grundübel unserer Zeit, noch weiter um sich fressen.1

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Literaturverzeichnis

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Authors and Affiliations

  • Klaus Weimar

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