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Varianz und Identität in rechtssprachlichen und dichterischen Texten

  • Ursula Schulze
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

Die Beurteilung von Überlieferungsvarianten mittelalterlicher deutscher Texte als Korruptele, Versehen oder Missverständnisse von Schreibern, als bewusst vorgenommene Änderungen, die vom Autor selbst oder von späteren Rezipienten stammen, als Ausdruck eines an sich instabilen Textes in einer Zeit, der die Kategorie Autor fremd gewesen sei, das sind Positionen, die in der ›alten‹ und ›neuen‹ Philologie mit unterschiedlichen Akzenten vertreten werden,1 und zwar überwiegend auf nicht pragmatische Literatur bezogen.2 Meist soll die Diskussion klären, welcher Wert den Veränderungen in Relation zu einem vorangehenden Ausgangstext zukommt und welche Bedeutungsverschiebungen sie bewirken. Kaum bedacht wird, worin die Voraussetzungen für die Beweglichkeit der Texte bestehen und wie sich die Varianz in die mittelalterlichen Wertmaßstäbe einordnen lässt. Diesen Fragen gelten die folgenden Überlegungen. Dabei soll die Betrachtung von Texten aus dem rechtssprachlichen Bereich zeigen, dass die angesprochenen Überlieferungs-probleme pragmatische wie nicht pragmatische Literatur gleichermaßen betreffen.

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2001

Authors and Affiliations

  • Ursula Schulze
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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