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Der feste Text Beobachtungen zur Beweglichkeit des Textes aus Sicht der Produzenten

  • Bruno Quast
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

Die gegenwärtige Diskussion um Begriff und Status des mittelalterlichen volkssprachlichen Textes hat den Textproduzenten wenn nicht verabschiedet, so doch weitgehend aus dem Blick verloren. Bernard Cerquiglini unterbreitet in seinem mittlerweile berühmt-berüchtigten Buch ›Éloge de la variante‹1 eine Sicht auf den mittelalterlichen Text, nach der mittelalterliche Textualität als prinzipiell im Fluss befindlich vorgestellt werden müsse. Text sei unter den Kommunikationsbedingungen der mittelalterlichen Manuskriptkultur nur als Varianz greif- und denkbar. Joachim Bumkes Konzept des offenen oder unfesten Textes setzt ausweislich der applizierten Nomenklatur implizit zwar Geschlossenheit als dem Denken des Textes angemessene Figur nach wie vor voraus, doch muss Bumke für die Epenüberlieferung des späten 12. und 13. Jahrhunderts eine die Vorstellung vom authentischen Autortext über Bord werfende Gegebenheit sogenannter autornaher gleichwertiger Parallelversionen registrieren.2 Die Irritationen, die von Bumkes Untersuchungen ausgingen und die auf der einen Seite zur Erschütterung etablierter Vorstellungen von mittelalterlicher Autorschaft und Textualität geführt haben, auf der anderen Seite aber eine wünschenswerte und längst überfällige strikte Historisierung dieser Kategorien auf die Tagesordnung riefen, solche fruchtbaren Irritationen also entzündeten sich am Überlieferungsbefund, an der Autor-nähe einer Überlieferung, die sich bereits im frühesten Stadium als different erwies.

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Literatur

  1. 1.
    Bernard Cerquiglini, Éloge de la variante. Histoire critique de la philologie, Paris 1989.Google Scholar
  2. 3.
    Peter Strohschneider, »Situationen des Textes. Okkasionelle Bemerkungen zur ›New Philology‹«, ZfdPh 116, 1997 (Anm. 2), S. 62–86; ders., »Textualität der mittelalterlichen Literatur. Eine Problemskizze am Beispiel des Wartburgkrieges«, in: Mittelalter. Neue Wege durch einen alten Kontinent, hg. v. J.-D. Müller/H. Wenzel, Stuttgart/Leipzig 1999, S. 19–41.Google Scholar
  3. 10.
    Vgl. hierzu Franz Josef Worstbrock, »Wiedererzählen und Übersetzen«, in: Mittelalter und frühe Neuzeit. Übergänge, Umbrüche und Neuansätze, hg. v. W. Haug, Tübingen 1999 (Fortuna Vitrea 16), S. 128–142.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2001

Authors and Affiliations

  • Bruno Quast
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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