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Verändern und Bewahren Zum Bewusstsein vom Text im deutschen Mittelalter

  • Klaus Grubmüller
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

Konrad von Fußesbrunnen, der hier so selbstbewusst die Autorschaft an seiner Dichtung beansprucht und daraus das Recht ableitet, sie in der von ihm geschaffenen Form bewahrt, sie ohne Eingriffe durch Dritte weitergegeben zu sehen, der sich sogar vorbehält, über Änderungsvorschläge selbst zu entscheiden, stellt sich auf geradezu verstockte Weise gegen die Erkenntnisse der neueren Forschung. Von ihr hätte er lernen können, dass er anderes als Veränderung nicht erwarten durfte: »L’écriture médiévale ne produit pas de variantes, elle est variance. […] La variance de l’Œuvre médiévale est son caractère premier, altérité concrète de la mobilité discursive, figure d’un écrit prémoderne […].«2 »Wenn es zum Prinzip mittelalterlicher Texte gehört, daß sie variabel sind«3, dann gibt es also zumindest einen Autor, der sich diesem Prinzip nicht fügt, dann ist nicht nur für uns, die wir angeblich aus der »moderne[n] Schriftlichkeit […] nur noch feste Texte« kennen,4 »der Gedanke, daß Texte prinzipiell variabel« sind, »schwer zu realisieren«.5

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2001

Authors and Affiliations

  • Klaus Grubmüller
    • 1
  1. 1.GöttingenDeutschland

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