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Usurpation des Fremden? Die Theorie vom Zivilisationsprozess als literarhistorisches Modell

  • Joachim Heinzle
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

Nicht nur unter Literarhistorikern gehört es heute zum guten Ton, Norbert Elias’ Theorie vom Zivilisationsprozess2 als obsolet abzutun. Soweit sie mit Literaturgeschichte zu tun hat, ist sie zuletzt von Walter Haug in Grund und Boden verdammt worden.3 »Blind« für ihre »historischen Kontexte«, habe Elias »die literarischen Materialien« seiner »These von der zunehmenden Selbstdisziplinierung der westlichen Gesellschaft« unterworfen. Damit habe er die Literatur allegorisiert. Allegorese aber sei »die krudeste Form der Usurpation des Fremden«, sich ihr kritisch zu verweigern, »für den Literaturwissenschaftler erstes Gebot«.4 Ich habe diese Polemik mit gemischten Gefühlen gelesen. Dass es krude Formen literaturwissenschaftlichen Allegorisierens gab und gibt, die jede Kritik verdienen, ist ohne Zweifel richtig. Prominentestes Beispiel in der Mediävistik ist noch immer die Art von Literatursoziologie, die Erich Köhler einst betrieben und populär gemacht hat. Sie bringt, wie Sebastian Neumeister pointierte, »die interpretatorische Bewegung und Beweglichkeit nach dem Gesetz von literarischem Rätsel und (falscher) historischer Auflösung vorschnell zum Stillstand« und erinnert in der Tat »an die allegorische Didaktik des Mittelalters«.5 Aber trifft das generell auch auf literatursoziologische Ansätze zu, die mit der Theorie vom Zivilisationsprozess operieren? Ich bin nicht dieser Ansicht.

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Literatur

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2001

Authors and Affiliations

  • Joachim Heinzle
    • 1
  1. 1.MarburgDeutschland

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