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Der Mensch im Spiegel der Tier- und Pflanzenseele

Zur Anthropomorphologie der Naturwahrnehmung im 18. Jahrhundert
  • Hans Werner Ingensiep
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

Die Biologie des 18. Jahrhunderts war im wesentlichen spezielle und allgemeine Naturgeschichte: als spezielle versuchte sie, die bunte Vielfalt der Dinge der Natur, der Naturalien, zu sammeln und zu beschreiben, als allgemeine, sie nach Prinzipien zu ordnen und zu erklären. Anthropologie war und ist der Versuch, das Wesen und die Stellung des Menschen in der Ordnung des Ganzen zu finden, sei es in Anbindung oder Abgrenzung zur nicht-menschlichen Natur. Zur Frage nach dem ganzen Menschen gehört auch die Frage nach seinem Verhältnis zu Tieren und Pflanzen. Dieses Verhältnis erscheint den Heutigen zumeist als anthropomorph und wäre insofern ein Thema einer Anthropomorphologie. Was aber sind die Gegenstände einer Anthropomorphologie der philosophischen und naturgeschichtlichen Wahrnehmung der Tier- und Pflanzenseele? Beginnen wir bei scheinbaren Äußerlichkeiten. Während der Wandel im Naturverständnis des 17. Jahrhunderts (Galilei, Descartes, Newton) sich vor allem auf Dinge der außermenschlichen Natur erstreckte, ergriff er im Laufe des 18. Jahrhunderts den Menschen selbst. Der Mensch zieht materialiter und formaliter in die ›Natur‹ ein, d.h. nicht nur als vollkommen mechanisch erklärbares Naturobjekt, als lebendige Maschine wie in der Jahrhundertmitte bei La Mettrie, sondern schon zuvor — weit weniger spektakulär — als Mitglied der lebendigen Vielfalt im System der Ordnung des Lebendigen: Linné fügte schon 1735 den Menschen zusammen mit den Affen und Faultieren als Ordnung »Anthropomorpha« ins Tierreich ein, um ihn schließlich in der 10.

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Anmerkungen

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Hans Werner Ingensiep
    • 1
  1. 1.EssenDeutschland

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