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»… ein Empfindungssystem, der ganze Mensch«

Grundlagen von Hölderlins poetologischer Anthropologie im 18. Jahrhundert
  • Ulrich Gaier
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

In seinen Anmerkungen zur Antigonae von 1804 schreibt Hölderlin über »die Regel, das kalkulable Gesez« dieser von ihm übersetzten Tragödie des Sophokles:

»Sie ist eine der verschiedenen Successionen, in denen sich Vorstellung und Empfindung und Räsonnement, nach poëtischer Logik, entwikelt. So wie nemlich immer die Philosophie nur ein Vermögen der Seele behandelt, so daß die Darstellung dieses Einen Vermögens ein Ganzes macht, und das blose Zusammenhängen der Glieder dieses Einen Vermögens Logik genannt wird; so behandelt die Poësie die verschiedenen Vermögen des Menschen, so daß die Darstellung dieser verschiedenen Vermögen ein Ganzes macht, und das Zusammenhängen der selbstständigeren Theile der verschiedenen Vermögen der Rhythmus, im höhern Sinne, oder das kalkulable Gesez genannt werden kann.«1

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Anmerkungen

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Ulrich Gaier
    • 1
  1. 1.KonstanzDeutschland

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