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Physiognomische Notlage und Metapher

Zur Konstruktion weiblicher Charaktere bei Jean Paul
  • Rita Wöbkemeier
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

In Jean Pauls naturphilosophischen, anthropologischen und poetologischen Überzeugungen hat die Physiognomik eine zentrale Position. Sie wirkt sich entsprechend auf seine literarische Praxis aus — thematisch und in seiner Schreibweise. Die geheimnisvolle Beziehung von verborgenem Innen und sichtbarem Außen stiftet die Grundlage seiner Metaphernbildung, bestimmt den Zusammenprall des Dissonanten im Jean Paulschen Witz. Destilliert sind diese Praktiken aus der lebenslangen Auseinandersetzung mit der Herausforderung der Wissenschaften an die Religion, mit dem Bedürfnis, eine Anthropologie im Lichte der Transzendenz wissenschaftlich abzusichern.

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Anmerkungen

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Rita Wöbkemeier
    • 1
  1. 1.HamburgDeutschland

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