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Topos und Erinnerung

Rahmenbedingungen der Autobiographie
  • Stefan Goldmann
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

Nach der Lektüre von Walter Scotts The Life of Napoleon Buonaparte (1827) schrieb Goethe an seinen Berliner Freund Karl Friedrich Zelter:

»Das Werk fand ich sehr bequem als Topik zu gebrauchen, indem ich Capitel nach Capitel beachtete, was ich allenfalls Neues empfing, was mir in die Erinnerung hervorgerufen ward, sodann aber nie vergessenes Selbst-Erlebtes hineinlegte an Ort und Stelle, so daß ich jetzo schon nicht mehr weiß, was ich im Buche fand und was ich hineingetragen habe. Genug mir ist der lange, immer bedeutende und mitunter beschwerliche Zeitraum von 1789 an, wo, nach meiner Rückkunft aus Italien, der revolutionäre Alp mich zu drücken anfing, bis jetzt ganz klar, deutlich und zusammenhängend geworden; ich mag auch die Einzelnheiten dieser Epoche jetzt wieder leiden, weil ich sie in einer gewissen Folge sehe.«1

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Anmerkungen

  1. 1.
    Karl Philipp Moritz: Aussichten zu einer Experimentalseelenlehre (1782). In: Ders.: Werke. Hg. v. Horst Günther. Bd. 3. Frankfurt/M. 1981, S. 85–99, hier: 89.Google Scholar
  2. 3.
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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Stefan Goldmann
    • 1
  1. 1.DarmstadtDeutschland

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