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Zusammenfassung

Bekanntlich bringt die Aufklärung ein umfassendes Alphabetisationsprogramm mit sich. Vor allem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kommt es zu einer breiten Verschriftlichung von Kommunikation.1 Schreiben, zuvor eine auf bestimmte Professionen eingeschränkte und weitgehend von Spezialisten ausgeübte Tätigkeit, wird in den Trägerschichten der aufgeklärten Kultur erstmals ein Alltagsphänomen. Über den gewachsenen technischen Bedarf an schriftlichen Informationen hinaus zeigt sich das an dem habituell werdenden Privatgebrauch von Schrift, sei es in der Form des Tagebuchs und anderer Buchführungsarten, sei es im anschwellenden Briefverkehr. Das Gleiche gilt für den Umgang mit gedruckten Werken. Verbesserungen des Postwesens, Ausbreitung und Kapitalisierung des Buchmarktes bilden dafür die materiellen Grundlagen. Von »Lesewuth« und »Autorsucht« ist in den zahlreichen zeitgenössischen Polemiken die Rede, die eine explosionsartige Verbreitung des Schriftgebrauchs diagnostizieren und darin eine Bedrohung hergebrachter familialer und gesellschaftlicher Strukturen sehen.

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Anmerkungen

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Albrecht Koschorke
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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