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Philosophische Nachrichten aus der Südsee Georg Forsters

Reise um die Welt
  • Michael Neumann
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

In den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts begann das »Zweite Entdekkungszeitalter«1, das auf ganz neue Weise im Zeichen der Wissenschaft stand. Wohl findet sich die zweckfreie Neugierde aufs Unbekannte2 in den Reiseberichten schon seit Beginn der Neuzeit; der Konquistador Cortés etwa gab dem Impuls der curiositas noch inmitten einer von einem Hinterhalt bedrohten Bergüberquerung nach.3 Doch blieb solch genuin theoretisches Interesse zufälliges Beiwerk des eigentlichen Reisezwecks. Wo doch wissenschaftliche Expeditionen unternommen wurden, wie etwa durch die Astronomen Richer (1672), Halley (1676, 1698–1700), Maupertuis (1736) und La Condamine (1735–44)4, da standen sie im Dienst praktischer Anwendung: Fortschritte in der Astronomie förderten unmittelbar die Navigation. Demgegenüber gewann im Zweiten Entdeckungszeitalter die Wissenschaft einen mitbestimmenden Einfluß : die Reise-Instruktionen wuchsen sich zu ganzen Forschungsprogrammen aus; die Reisen selbst wurden von Gruppen unterschiedlicher Fachwissenschaftler durchgeführt oder begleitet. Als die bahnbrechenden Beispiele solcher wissenschaftlichen Expeditionen gelten die Unternehmungen von Carsten Niebuhr in Arabien (1761–67), Peter Simon Pallas in Nordasien (1768–74) und James Cook im Südmeer (1768–79).5

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Anmerkungen

  1. Helmut Pfotenhauer: Literarische Anthropologie. Selbstbiographien und ihre Geschichte am Leitfaden des Leibes. Stuttgart 1987, S. 1.Google Scholar
  2. 7.
    S. Arthur O. Lovejoy: The great Chain of Being. A Study of the History of an Idea. Cambridge/Mass. 1950.Google Scholar
  3. 14.
    Wilhelm Voßkamp: Der Bildungsroman — eine deutsche Zeitutopie? Zur Funktionsgeschichte des Romans im 19. Jh. In: Beiträge zur Fachtagung von Germanisten aus Ungarn und der BRD. Bonn 1989, S. 117–129, nennt S. 118 diesen Roman »eine individualpsychologisch fundierte Zeitutopie des vervollkommnungsfähigen und sich stetig vervollkommnenden Individuums.«Google Scholar
  4. 15.
    Dies setzt einen Kulturbegriff voraus, der die Arbeit als materiellen Stoffwechsel mit der Natur betont. Vgl. Johannes Rohbeck: Die Fortschrittstheorie der Aufklärung. Französische und englische Geschichtsphilosophie in der 2. H. des 18. Jhs. Frankfurt/ M., New York 1987.Google Scholar
  5. 17.
    Vgl. Hans-Joachim Mähl: Die Republik des Diogenes. Utopische Fiktion und Fiktionsironie am Beispiel Wielands. In: Utopieforschung. Interdisziplinäre Studien zur neuzeitlichen Utopie. Hg. von Wilhelm Voßkamp, Frankfurt/M. 1985, Bd. 3, S. 50–85.Google Scholar
  6. 20.
    Karl S. Guthke: Der Mythos der Neuzeit. Das Thema der Mehrheit der Welten in der Literatur- und Geistesgeschichte von der kopernikanischen Wende bis zur Science Fiction. Bern, München 1983, besonders S. 250ff. Die Art seiner Fragestellung ergibt sich aus folgendem Zitat S. 188f: »Die Frage ›was ist der Mensch‹ wird also durch den Vergleich nicht mit Tieren, Wilden oder auch Engeln beantwortet, sondern durch die Gegenüberstellung mit menschenähnlichen Lebensformen, die die philosophische Anthropologie auf anderen Planeten plausibel imaginiert. Und in der Antwort wird der Mensch, statt seinerseits vernunftstolz das Maß aller Dinge abzugeben, seinerseits gemessen — und oft unzulänglich befunden.« Vgl. Marjorie Nicolson: Voyages to the Moon. New York 1960 und Darko Suvin: Poetik der Science Fiction. Zur Theorie und Geschichte einer literarischen Gattung. Frankfurt/M. 1957, S. 140ff.Google Scholar
  7. 21.
    Vgl. Michael Winter: Utopische Anthropologie und exotischer Code. Zur Sprache und Erzählstruktur des utopischen Reiseromans im 18. Jahrhundert. In: Erzählforschung 3. Hg. v. Wolfgang Haubrichs. Göttingen 1978. Lili Beiheft 8, S. 135–175. Winter spricht von der Anthropologie, ordnet sie aber der Utopie unter, vgl. S. 164: »anthropologische Frage nach dem bestmöglichen Menschen«. Martin Schwonke: Vom Staatsroman zur Science Fiction. Eine Untersuchung über Geschichte und Funktion der naturwissenschaftlich-technischen Utopie. Stuttgart 1957 behandelt die betreffenden Reiseromane unter »Utopien der Aufklärung«, S. 22–31. Zu den französischen Romanen vgl. Hans-Günther Funke: Zur Geschichte Utopias. Ansätze aufklärerischen Fortschrittdenkens in der französichen Reiseutopie des 17. Jhs. In: Utopieforschung, Bd. 2, S. 299–319.Google Scholar
  8. 22.
    Vgl. Jules Duhem: Histoire des idées aéronautiques avant Montgolfier. Paris 1943.Google Scholar
  9. 29.
    Zitiert nach Jonathan Swift: Gulliver’s Travels 1726. Ed. by Herbert Davis. Oxford (Basil Blackwell) 1959, S. 259, vgl. S. 278. Vgl. W. B. Carnochan: Lemuel Gulliver’s Mirror for Man. Berkeley, Los Angeles 1968 u. Milton P. Forster (Hg.): A Casebook on Gulliver among the Houyhnhnms. New York 1961 u. 1966.Google Scholar
  10. 31.
    Jean Paul: Sämtliche Werke, 2. Abt. Jugendwerke und vermischte Schriften, 2. Bd. Auswahl aus des Teufels Papieren 1789. Der Maschinen-Mann nebst seinen Eigenschaften, S. 446–453. Vgl. Einfältige aber gutgemeinte Biographie einer neuen angenehmen Frau von bloßem Holz, S. 393–422.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Michael Neumann
    • 1
  1. 1.MünsterDeutschland

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