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Vexierbilder der literarischen Anthropologie

Möglichkeiten und Alternativen des Menschen im europäischen Reiseroman des 17. und 18. Jahrhunderts
  • Hans Esselborn
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

Nach O. Marquard sind für die Anthropologie »v.a. die Natürlichkeiten — z.B. Leib — und natürlichen Verschiedenheiten des Menschen bedeutsam und thematisch: Geschlechter, Lebensalter, Temperamente, Charaktere, Rassen«.1 Als ihr Zentrum sieht er die »fundamentale Symbiose mit der ›Physiologie‹« an2, d.h. das Problem des commercium mentis et corporis, das seit der Zweisubstanzenlehre Descartes akut ist. Damit entscheidet er sich für den engeren Begriff des 18. Jahrhunderts, grenzt aber die beiden Denker weitgehend aus, die an seinem Ende in Deutschland die Anthropologie in Verbindung mit der Ethik und Geschichtsphilosophie auf einen Höhepunkt geführt haben, nämlich Kant und Herder.3 Gerade die umfassenden anthropologischen Überlegungen des letzteren v. a. in den Ideen, in denen »das Problem des Zusammenhangs zwischen Leib und Seele und die Stellung des Menschen in der Hierarchie der Lebewesen« behandelt wird4, sind mit ihrer Verbindung von exakter Wissenschaft, Weltanschauung und Rhetorik besonders geeignet, die Voraussetzungen einer literarischen Anthropologie im weiteren Sinne zu klären.

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Anmerkungen

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Hans Esselborn
    • 1
  1. 1.KölnDeutschland

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