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Erfahrungsseelenkunde als Akkulturation:

Philosophie, Wissenschaft und Lebensgeschichte bei Salomon Maimon
  • Liliane Weissberg
Chapter
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

Ein »ganzer Mensch« hat keine natürliche Präsenz. Er muß als solcher imaginiert werden, und auch die Imagination hat ihre historischen und philosophischen Voraussetzungen. Diese Voraussetzungen schienen im späten siebzehnten und frühen achtzehnten Jahrhundert nicht besonders gut. Pol-P. Gossiaux versucht in seiner Arbeit zur Anthropologie der Aufklärung nachzuweisen, wie sehr die Arbeiten dieser Zeit von Descartes geprägt wurden, und die Definition der Anthropologie selbst auf ein zweiteiliges Wissensgebiet verwiesen, das die Psychologie und Anatomie umfaßte.1 Die Konzeption einer Wissenschaft wie der Anthropologie, die den Geist und den Körper eines Menschen behandeln sollte, forderte zwar prinzipiell das cartesianische Denken heraus. Aber viele Arbeiten dieser Zeit beschäftigten sich kaum mit der Relation zwischen »Körper« und »Geist« sondern konzentrierten sich auf den Bereich der Anatomie, um in einzelnen Studien eine »Naturgeschichte« des Menschen zu entwerfen.2

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Anmerkungen

  1. 1.
    Siehe zum Beispiel Pierre Dionis, »Anthropologie«, Dictionnaire de Trévoux, Paris 1690; zitiert auch bei Pol-P. Gossiaux, »Anthropologie des Lumières (Culture ›naturelle‹ et racisme rituel)«. In: Droixhe, Daniel und Pol-P. Gossiaux (Hg.): L’Homme des lumières et la decouverte de l’autre, Brüssel 1985, S. 49–69, hier: 50.Google Scholar
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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Liliane Weissberg
    • 1
  1. 1.PhiladelphiaUSA

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