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Das Profil im Schatten

Zu einem physiognomischen »Ganzen« im 18. Jahrhundert
  • Claudia Schmölders
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

1757 konnte man dem Eintrag »Physiognomie: f.f. (Science imagin.)« in der Encyclopédie rationnée folgendes Fazit entnehmen: »Il faut donc avouer que tout ce que nous ont dit les physionomistes est destitué de tout fondement.«1 Rund zwanzig Jahre später, 1776, hieß es beim Physiognomen Anton Joseph Pernety:

»De toutes les sciences la physionomique est la plus étendue. Elle est le fondement de toutes les autres; elle est la science universelle, si on la considère dans toute la rigueur du terme (…) Tout porte à l’exterieur un signe distinctif, un signe hieroglyphique, au moyen duquel un observateur en sait très-bien connaître les vertus secretes & les Proprietés.«2

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Anmerkungen

  1. 2.
    Anton Joseph Pernety: La connaissance de l’homme morale par celle de l’homme physique. 2 Bde. Berlin 1776, Bd. 1, S. 12/27.Google Scholar
  2. 3.
    Vgl. die Emmanuel Lévinas verpflichtete Arbeit von G. Gurisatti und K. Huizing: Die Schrift des Gesichts. Zur Archäologie physiognomischer Wahrnehmungskultur. In: Neue Zs f. syst. Theologie u. Religionsphilosophie 31 (1989), S. 287. Das Zitat stammt aus der englischen summary des Aufsatzes.Google Scholar
  3. 4.
    Willibald Sauerländer: Überlegungen zum Thema Lavater und die Kunstgeschichte. In: Idea. Jahrbuch der Hamburger Kunsthalle 8 (1989) 15–30, S. 28.Google Scholar
  4. 5.
    Vgl. dazu neuerdings Anne Harrington: Interwar »German« Psychobiology: Between Nationalism and Irrationalism. In: Science in Context 4 (1991) 429–447. H. beschreibt den Holismus speziell der deutschen Psychobiologie der Zeit als Reaktion nicht nur auf (angelsächsische) Mechanisierungs-Ideologien des 19. Jahrhunderts, sondern als tiefgreifende Abwehr der allgemeinen Ernüchterung im 20. Davon unabhängig hat sich allerdings die prägnanteste Sub-Disziplin jenes Holismus, die Gestaltpsychologie, gehalten; sie wird neuerdings wieder unter Rückgriff auf die Sprache diskutiert. Vgl. etwa Mark Johnson: The Body in the Mind. Chicago UP 1987.CrossRefGoogle Scholar
  5. 6.
    Fritz B. Kraus: Die physiognomischen Omina der Babylonier. Leipzig 1935, meint, es handle sich um ganz verschiedene Traditionen: die Griechen hätten Physiognomik als Charakterkunde gelehrt, die Babylonier hingegen als Mantik. Das Objekt der ersteren ist der Erwachsene, das Objekt der letzteren das Baby, speziell natürlich das hochrangige, um dessen Zukunft es geht.Google Scholar
  6. 7.
    Serge Moravia: Beobachtende Vernunft. Philosophie und Anthropologie in der Aufklärung. München 1973, S. 58ff.Google Scholar
  7. 8.
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    Vgl. zum Folgenden Georg Wissowa (Hrsg.), Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 4. Hbbd., Stuttgart 1876, Sp. 2237ff. sowie die Artikel templum und auspicium.Google Scholar
  9. 12.
    Kassner, Rudolf: Zahl und Gesicht. Nebst einer Einleitung: Der Umriß einer universalen Physiognomik. Mit einem Nachwort von Ernst Zinn. Frankfurt am Main 1979. Die erste Ausgabe von »Zahl und Gesicht« erschien 1919 im Insel Verlag Leipzig. Der Beginn der quantitativen Physiognomik ist von der (ästhetischen) Proportionslehre einerseits, der Anthopometrie andererseits bestimmt.Google Scholar
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    Charles Le Brun: Conférence sur l’expression générale et particulière. Hrsg. von Louis Testelin. Amsterdam 1698; sowie Morel D’Arleux: Dissertation sur un traité de Charles Le Brun, concernant les rapports de la physionomie humaine avec celle des animaux. Paris 1806. Der letztgenannte Vortrag wurde 1671, der erste 1668 gehalten.Google Scholar
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    Vgl. dazu die Übersicht bei Ernst Gombrich: The Grotesque Heads of Leonardo. In: Ders.: The Heritage of Appelles. Studies in the Art of the Renaissance. Oxford 1976, 56–79.Google Scholar
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    Vgl. dazu Karl Clausberg: Symmetrie als Syntax mittelalterlicher Bilderschriften. In: Symmetrie in Kunst, Natur und Wissenschaft. Katalog der Ausstellung Mathildenhöhe. Darmstadt 1986, Bd. 1, 233–255, S. 251ff.Google Scholar
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    Karl Pestalozzi: Physiognomische Methodik. In: A. Fink und G. Gréciano (Hrsg.): Germanistik aus interkultureller Perspektive. Strasbourg 1988. P. begründet seine Deutung allerdings mit Hinweis auf die Hermeneutik des Matthias Flacius Illyricus, Clavis Sacrae Scripturae (1567) und dessen Vergleich des biblischen skopus mit einem Körper. Dieser Vergleich ist allerdings selbst schon antik.Google Scholar
  19. 27.
    Vgl. Johann Martin Chladenius: Allgemeine Geschichtswissenschaft. Mit einer Einleitung von Christoph Friederich und einem Vorwort von Reinhart Koselleck. Neudruck der Ausgabe Leipzig 1752. Wien—Köln—Graz 1985. [In der Folge abgekürzt = AG]. [Aus dem Vorwort von Koselleck: Chladenius] »spielt in der Geschichte der historischen Hermeneutik und Erkenntnistheorie eine wegweisende Rolle (…). Wer die heutige Erzählforschung an die rhetorische Tradition zurückbinden will, der wird nicht umhinkönnen, bei Chladenius einzusetzen, wo der Umschlag aus der rhetorischen und topologischen Historie in eine erkenntnistheoretisch begründete moderne Geschichtswissenschaft zu registrieren ist.« IXGoogle Scholar
  20. 28.
    Johann Martin Chladenius: Einleitung zur richtigen Auslegung vernünfftiger Reden und Schlifften. Mit einer Einleitung von Lutz Geldsetzer, Nachdruck der Ausgabe 1742. Düsseldorf 1969 [In der Folge abgekürzt = EA] — Ich stütze mich im folgenden auf meine Arbeit über C.: Claudia Henn[-Schmölders] : »Sinnreiche Gedancken«. Zur Hermeneutik des Chladenius. In: Archiv für die Geschichte der Philosophie 58 (1976) S. 240–264.Google Scholar
  21. 29.
    Vgl. Anton Kippenberg, Die Technik der Silhouette. In: Jahrbuch der Sammlung Kippenberg Bd. 1, Leipzig 1921, S. 145ff.Google Scholar
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    Hayden White: Die Bedeutung von Narrativität in der Geschichtsschreibung. In: Ders.: Die Bedeutung der Form. Erzählstrukturen in der Geschichtsschreibung. Frankfurt am Main 1987, 11–39, S. 39: »Können wir jemals Geschichten erzählen, ohne zu moralisieren?«Google Scholar
  23. 37.
    Vgl. Claudia Henn[-Schmölders]: Simplizität, Naivetät, Einfalt. Studien zur ästhetischen Terminologie in Frankreich und in Deutschland 1674–1771. Zürich 1974, Kap. I.Google Scholar
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    Wolf Lepenies: Das Ende der Naturgeschichte. Wandel kultureller Selbstverständlichkeiten in den Wissenschaften des 18. und 19. Jahrhunderts. München 1976, S. 32.Google Scholar
  25. 44.
    Vgl. dazu die eben erschienene Biographie von Horst Weigelt: J. K. Lavater. Leben, Werk und Wirkung. Göttingen 1991.Google Scholar
  26. 45.
    Carl Gustav Carus: Symbolik der menschlichen Gestalt. Ein Handbuch der Menschenkenntnis. Neu bearbeitet und erweitert von Theodor Lessing. 3., vielfach verm. Aufl. Celle 1925, S. 258f.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Claudia Schmölders
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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