Advertisement

Darstellungsformen von Leib und Seele in Fallgeschichten des Animalischen Magnetismus

  • Jürgen Barkhoff
Part of the Germanistische Symposien Berichtsbände book series (GERMSYMP)

Zusammenfassung

»Materialien für die Anthropologie« nennt Eberhard Gmelin, der frühe Pionier des tierischen Magnetismus, die 1791 und 1793 in zwei Bänden veröffentlichten Fallberichte seiner Magnetkuren, mit denen er seine umfangreichen, schon 1787 auf dem Gipfel der ersten Magnetismuswelle in Deutschland begonnenen Publikationen zum Thema abschließt.1 Gmelins Arbeiten stellen den ersten Höhepunkt einer für die magnetistische Bewegung spezifischen Textsorte dar: der Fallgeschichte zur Thematisierung und Dokumentation der Wirkungen des tierischen Magnetismus und insbesondere der Grenzerfahrungen der somnambulen Zustände, die durch die romantische Blütezeit hindurch und bis in die Überführung des Mesmerismus in die metaphysisch-spiritualistisch überformte Spätphase hinein in Sammlungen und Periodika Tausende von Seiten füllen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 2.
    Arnold Wienholt: Heilkraft des Thierischen Magnetismus. 3 Tle. Lemgo 1802–1806.Google Scholar
  2. 4.
    Justinus Kerner: Geschichte zweyer Somnambülen. Nebst einigen andern Denkwürdigkeiten aus dem Gebiete der magischen Heilkunde und der Psychologie. Karlsruhe 1824. Im Text zitiert: (K = Kerner Seitenzahl).Google Scholar
  3. 8.
    Vgl. hierzu: Heinz Schott: Zum Begriff der Übertragung. Mesmerismus — Hypnotismus — Psychoanalyse. In: Praxis der Psychotherapie und Psychosomatik 32 (1987), S. 178–183. Zum psychoanalytischen Übertragungsbegriff allgemein: s.v. »Übertragung« in: Jean Laplanche, Jean-Bertrand Pontalis: Das Vokabular der Psychoanalyse. 2 Bde. Zuerst Frz. 1967. Frankfurt 1972, Bd. 2, S. 550–559. Zur Wissenschaftsgeschichte nach wie vor das Standardwerk: Henry F. Ellenberger: Die Entdeckung des Unbewußten. Geschichte und Entwicklung der dynamischen Psychiatrie von den Anfängen bis zu Janet, Freud, Adler und Jung. Zuerst Amerik. 1970. Zürich 1980.Google Scholar
  4. 11.
    Franz Anton Mesmer: Abhandlung über die Entdeckung des thierischen Magnetismus. Carlsruhe 1781. Neudruck Tübingen 1985, S. 14.Google Scholar
  5. 28.
    Vgl. Karl Eduard Rothschuh: Konzepte der Medizin. Stuttgart 1978, S. 185–260. Siehe auch: Josef Bauer: Geschichte der Aderlässe. München 1870. Nelly Tsouyopoulos sieht in der therapeutischen Reinigung des Körpers von dem unnatürlichen Krankheitsstoff geradezu das ideologische Prinzip hinter Theorie und Praxis der Medizin im 17. und 18. Jahrhundert. Siehe: Nelly Tsouyopoulos: Schellings Konzeption der Medizin als Wissenschaft und die »Wissenschaftlichkeit« der modernen Medizin. In: Hasler, Ludwig (Hg.): Schelling. Seine Bedeutung für eine Philosophie der Natur und der Geschichte. (= Problemata, Bd. 91). Stuttgart-Bad Cannstatt 1981, S. 107–116, hier: 110.Google Scholar
  6. 36.
    Siehe hierzu: Ernst Benz: Theologie der Elektrizität. Zur Begegnung und Auseinandersetzung von Theologie und Naturwissenschaft im 17. und 18. Jahrhundert (= Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse. Jg. 1970, Nr. 12). Wiesbaden 1971; Johanna Geyer-Kordesch: Die Nachtseite der Naturwissenschaft: Die ›okkulte‹ Vorgeschichte zu Franz Anton Mesmer. In: Schott (Hg.), Geschichte des Mesmerismus (Anm. 9), S. 13–30.Google Scholar
  7. 38.
    Eberhard Gmelin: Geschichte einer magnetischen Schlafrednerin 1789. In: G, M 2, S. 1–365. Schubert erwähnt in seinen »Ansichten« diese Fallgeschichte. Er zitiert von den »ältern Magnetiseurs« nur Gmelin, weil dieser »allgemein als einer der wahrhaftigsten und strengsten anerkannt wird.« (Schubert (Anm. 30), S. 330f.) Durch diese Vermittlung hatte Gmelin beträchtlichen Einfluß auf die romantischen Vorstellungen vom Magnetismus. Vgl. hierzu Bauer, Leben und Werk (Anm. 17), S. 80–98. Bauer geht S. 76f. auch knapp auf diese Geschichte als Psychotherapie ein.Google Scholar
  8. 45.
    Siehe zu diesem Vorgang: Ute Frevert: Frauen und Ärzte im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. — Zur Sozialgeschichte eines Gewaltverhältnisses. In: Kuhn, Annette, Jörg Rüsen (Hg.): Frauen in der Geschichte II. Düsseldorf 1982, S. 177–210, bes. 183–90.Google Scholar
  9. 46.
    Vgl. Michel Foucault: Die Geburt der Klinik. Eine Archäologie des ärztlichen Blicks. Zuerst Frz. 1963. Frankfurt/M. 1988.Google Scholar
  10. 51.
    Dazu jetzt ausführlich: Claudia Honegger: Die Ordnung der Geschlechter. Die Wissenschaften vom Menschen und das Weib 1750–1850. Frankfurt/New York 1991, bes. S. 168–193. Siehe auch: Lesley Sharpe: Über den Zusammenhang der tierischen Natur der Frau mit ihrer geistigen. Zur Anthropologie der Frau um 1800. In: Barkhoff, Jürgen, Eda Sagarra (Hg.): Anthropologie und Literatur um 1800. München 1992, S. 213–225.Google Scholar
  11. 53.
    E.T.A. Hoffmann: Der Magnetiseur. In: Ders.: Sämtliche Werke in sechs Einzelbänden. Fantasie- und Nachtstücke. Hg. v. Walter Müller-Seidel. München 1976, S. 141–178. Vgl. die scharfsinnige Analyse von Margarete Kohlenbach: Ansichten von der Nachtseite der Romantik. Zur Bedeutung des animalischen Magnetismus bei E.T.A. Hoffmann. In: Saul, Nicholas (Hg.): Die deutsche literarische Romantik und die Wissenschaften. München 1991, S. 209–232.Google Scholar
  12. 74.
    Vgl. Jean Paul: Selina oder über die Unsterblichkeit der Seele. In: Ders.: Sämtliche Werke. Abt. I. Werke. Hg. v. Norbert Miller. 6 Bde. München 1963–1970, Bd. 6. 1967, S. 1106–1236, hier: 1218–1220.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Jürgen Barkhoff
    • 1
  1. 1.EssenDeutschland

Personalised recommendations